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Timo Glock belegte beim Schanghai-GP 2008 Platz sieben © getty

Nach dem Montreal-K.o ächzen offenbar auch die Betreiber des Schanghai-GP unter den Millionenforderungen Ecclestones.

Von Manuel Krons

München - Die "Fernost-Erweiterung" der Formel 1 ist offenbar ins Stocken geraten.

Nach Jahren des Booms erwägt mit dem Betreiber des China-GP erstmals ein Mitglied - des von Bernie Ecclestone als Zukunftsmarkt gepriesenen - asiatischen Kontinents den Ausstieg aus der Königsklasse.

"Wir prüfen das im Augenblick. Im nächsten Jahr sollten wir darauf eine Antwort geben können", sagte der stellvertretende Leiter des Sekretariats für Sport in Schanghai, Qiu Weichang.

Der bis 2010 laufende Vertrag mit der Formel 1 könnte somit von Seiten der Streckenbetreiber nicht verlängert werden.

Das gleiche Schicksal wie Nordamerika?

Wie die bereits aus dem Rennkalender gestrichenen Großen Preise der USA und Kanada droht auch das Fortbestehen des Grand Prix von China an den enormen finanziellen Belastungen zu scheitern (Auch Deutschland-GP vor dem Aus?).

Das Rennen in Kanada musste erst am Montag wegen zu hoher Forderungen Ecclestones (rund 22 Millionen Euro pro Jahr) aufgegeben werden (Montreal verliert Machtkampf).

"Wir wollen eine Win-Win-Situation"

Die "BBC" berichtet, dass Schanghai jährlich rund 40 Millionen Euro aufbringen muss und damit einen der lukrativsten Austragungsorte für Ecclestone darstellt.

Allerdings will man die Formel 1 dort für diesen Preis nicht halten: "Wir wollen eine Win-Win-Situation herstellen, für uns und für Bernie und auch für die F-1-Verantwortlichen. Wenn wir das schaffen und unsere Zusammenarbeit gut ist, werden wir darüber nachdenken", so Weichang.

Der Parcours wäre offenbar auch ohne den alljährlichen Zwischenstopp des Hochgeschwindigkeits-Zirkus überlebensfähig. Autoklubs sorgen dort mit privaten Rennveranstaltungen für eine Auslastung an 200 Tagen pro Jahr.

Bald Medaillen in der Formel 1?

Laut Ecclestone haben die Betreiber des China-GP jedoch eine Option auf fünf weitere Jahre. "Wir werden mit ihnen darüber sprechen und dann sehen, wie wir ihnen helfen können", kündigte der 78-Jährige in der "Financial Times" an.

Der mächtigste Mann des Motorsports zieht unterdessen die Fäden für eine umfasende Regelrevolution: Er plant ein Medaillensystem in der Königsklasse einzuführen.

"Die FIA und alle Teams stehen dahinter und es wird gemacht werden", wird Ecclestone in der "Times" zitiert. "Jeder versteht das System mit einer Gold-, Silber- und Bronzemedaille. Fast alle Sportarten habe so etwas."

"Mehr Überholmanöver"

Schon in der bevorstehenden Saison könnte auf diese Weise der Weltmeister ermittelt werden. Es wäre dann der Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Siegen.

Das Saisonfinale in Brasilien habe laut Ecclestone die Notwendigkeit für ein solches System deutlich gemacht: "Lewis Hamilton (Steckbrief) musste nicht gewinnen, um Weltmeister zu werden. denn ihm reichte ein Fünfter Platz. So ein System würde auch zu mehr Überholmanövern führen".

Im Dezember soll bei einer Zusammenkunft des World Motor Sport Councils über Ecclestones Vision beraten werden.

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