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Michael Schumacher gewann zwischen 1994 und 2004 sieben WM-Titel © getty

Das neue Punktesystem hätte nicht nur die WM 2008 durcheinandergewirbelt. Hans-Joachim Stuck reagiert bei Sport1.de begeistert.

Von Martin Hoffmann

München - Lewis Hamilton wurde in diesem Jahr auch deshalb Weltmeister, weil er eine wichtige Lektion gelernt hat.

Der McLaren-Pilot hat gemerkt, auch mal auf Sicherheit und nicht immer auf Sieg fahren zu müssen, um die nötigen Punkte zu sammeln.

Doch geht es nach Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss sich Hamilton da gleich wieder umgewöhnen.

Mit einem neuen Punktesystem, das er schon 2009 einführen will, sollen Siege wieder mehr Gewicht bekommen - sehr zur Freude von Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck.

Stuck ist begeistert

"Der Ecclestone ist halt der Beste", reagiert Stuck gegenüber Sport1.de auf sein Vorhaben, in der Königsklasse ein Medaillensystem einzuführen (Ecclestone will Medaillen einführen) .

Das System orientiert sich an dem Medaillenspiegel der Olympischen Spiele: Der Fahrer mit den meisten Siegen wird Weltmeister, bei Gleichstand entscheidet die Anzahl der zweiten beziehungsweise dritten Plätze.

Die übrigen Platzierungen wären für die Fahrer fortan Blech und nur noch für die Konstrukteurswertung relevant.

Ecclestone verspricht sich spannendere Rennen dadurch, da die Fahrer jedes Mal auf Sieg fahren müssen - eine Einschätzung, die Stuck teilt.

"Eine coole Entscheidung"

"Man kann diese Taktikspielchen ein bisschen entzerren", findet er: "Die Hamsterer werden nicht mehr belohnt, es gilt das Leistungsprinzip - eine coole Entscheidung."

Einen Nachteil erkennt Stuck nicht an Ecclestones Plänen: "Nachteile kann man immer finden, wenn man sie sucht, aber ich sehe das positiv."

Die Befürchtung, dass Fahrer in nicht siegfähigen Autos endgültig zu einem Schattendasein verdammt sein könnten, lässt Stuck nicht gelten.

"Ob ein Adrian Sutil am Ende fünf Punkte hat oder keinen, ist doch wurscht", findet er.

Massa wäre Weltmeister

Dass das neue System folgenreich wäre, zeigt ein Blick darauf, wie die abgelaufene Saison mit ihm gelaufen wäre.

Weltmeister wäre nicht Hamilton geworden, sondern Ferrari-Konkurrent Felipe Massa (Massas Steckbrief). Der wurde nach dem Punktesystem mit 97:98 Zählern geschlagen, nach dem Medaillensystem wäre er mit 6:5 Siegen beim letzten Rennen in Brasilien noch an Hamilton vorbeigezogen.

Auch für die deutschen Fahrer wäre die Saison anders ausgegangen: Bester Pilot wäre nicht Nick Heidfeld gewesen, sondern Sebastian Vettel.

Der Youngster von Toro Rosso wäre dank seines Sieges in Monza Siebter statt Achter geworden. Weil Heidfeld bei vier zweiten Plätzen ohne Triumph blieb, hätte es in der Endabrechnung nur zu Platz acht anstelle von Rang sechs gelangt.

Mehr Titel für Mansell, Prost und Senna

Auch eine ganze Reihe von Weltmeisterschaften wäre anders ausgegangen, wären sie nach dem Medaillensystem ausgefochten worden.

Nigel Mansell etwa wäre drei- statt einmal Champion geworden, neben 1992 auch 1986 und 1987.

Einen Titel mehr hätte Alain Prost auf dem Konto, der nach dem Medaillensystem auch 1981, 1983 und 1984 Weltmeister geworden wäre. Dafür hätte er 1986 Mansell die WM überlassen müssen - und 1989 Ayrton Senna dessen vierten Titel.

Rekord-Champ Schumi unangetastet

Der große Verlierer wäre Nelson Piquet, der alle seine drei WM-Titel nach dem Medaillensystem nicht gewonnen hätte.

Auch Nico Rosberg dürfte sich nicht Weltmeister-Sohn nennen: 1982 wäre Vater Keke nach dem Medaillensystem nur Sechster statt Erster geworden, der Titel wäre an den Franzosen Didier Peroni gegangen.

Einem aber kann die Spielerei nichts anhaben: Michael Schumacher hätte alle sieben Titel auch mit dem Medaillensystem geholt. Er wäre auch so Rekordweltmeister.

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