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Pirelli hat 2011 Bridgestone als Reifen-Lieferant der Formel 1 abgelöst © imago

Die Kritik an den Pirelli-Reifen nimmt zu. Nun meldet sich der Konzern zu Wort: Die Reifen seien eine Chance für die Formel 1.

Von Marc Ellerich

München - Je näher der Saisonstart in Melbourne rückt, desto lauter wird die Kritik der Formel-1-Stars an der Unberechenbarkeit der neuen Pirelli-Reifen.

Angeführt wird der Chor der Kritiker von Weltmeister Sebastian Vettel, der in einer Sendung mit dem hauseigenen Red-Bull-TV-Kanal "Servus TV" deutliche Worte wählte.

"Das Problem ist, dass die Reifen nach einer gewissen Anzahl einfach kaputt gehen, egal, was der Fahrer macht. Dann ist der Reifen kaputt und verschossen."

Auch Vettels Landsmann Adrian Sutil konnte den Pirelli-Pneus bisher nicht viel Gutes abgewinnen. "Halten tun die leider überhaupt nicht", hatte der Force-India-Pilot gegenüber "auto, motor und sport" bemängelt und davon gesprochen, man fahre "wie auf Eiern". (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Alonso verärgert

Und Ferrari-Star Fernando Alonso wähnt Top-Piloten um ihren Vorteil gebracht, da die schlechte Qualität der Reifen zahlreiche Boxenstopps mit sich bringen werde. "Ich mag das nicht, weil diese größere Unsicherheit den stärksten Teams keinen Vorteil bringt."

Der Spanier zog einen polemischen Vergleich zum Fußball, um Pirelli zu brandmarken. Das Ganze komme ihm vor, als würde im Fußball ab sofort alle halbe Stunde ein Elfmeter gegeben. "Barcelona und Real Madrid würden dann auch nicht vor Freude in die Luft springen."

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Pirelli: Eine Chance

Und Pirelli? Bis dato ertrugen die Italiener derartige Ohrfeigen geduldig und weitgehend kommentarlos.

Doch nun hat sich die Firma gegen die vielen Vorwürfe zur Wehr gesetzt.

Die rasche Verschlechterung der Reifen sei von Teams und Veranstaltern ausdrücklich gewünscht worden, um "die Show zu verbessern", hieß es in einer Erklärung der Firma. "Das ist eine Chance für den Sport, nicht ein Problem."

Zu kühles Wetter

Pirelli betonte, dass die bisherigen Testfahrten nicht unter optimalen Bedingungen verlaufen seien. Es sei zu kühl gewesen und auch die Verhältnisse auf den Strecken in Valencia, Jerez und Barcelona hätten sich ungünstig auf das Verhalten der Gummis ausgewirkt. (SERVICE: Die Barcelona-Testergebnisse)

"Wir hoffen, dass die Bedingungen bei den kommenden Tests in Barcelona so sind, dass sich jeder vom wirklichen Leistungsvermögen unserer Reifen überzeugen kann", hieß es weiter. Man werde weiter eng mit den Teams zusammenarbeiten.

Pirelli räumt Probleme ein

Auch Pirellis Motorsport-Leiter Paul Hembery meldete sich angesichts der Vielzahl an Beschwerden zu Wort.

"Unser Ziel war es, einen Reifen zu bauen, der sowohl die Fahrer als auch die Zuschauer zufrieden stellt", erklärte er: "Wir wollten mithelfen, die Freude und die Begeisterung aller an der Formel 1 während der gesamten Saison zu verbessern."

Bisher ist das zumindest aus Fahrersicht keineswegs gelungen.

Hembery gab zu, dass Pirelli Probleme habe, die Anforderungen zwölf unterschiedlicher Teams mit zwölf unterschiedlichen Chassis zu erfüllen. "Wir müssen Reifen bauen, die an all diesen Autos funktionieren", sagte er.

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte Hembery betont, dass man die zahlreichen Boxenstopps, die von den Fahrern nun abgelehnt werden, quasi erzwingen wolle.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

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