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Sebastian Vettel (v.) schied beim Regen- rennen in Südkorea in Führung liegend aus © getty

Der Reifenhersteller findet Sir Bernies Idee radikal, aber "sehr interessant". Vettel kritisiert die Zunahme der Show-Elemente.

Von Olaf Mehlhose

München - Mit seiner Idee, es bei Formel-1-Rennen eines Tages künstlich regnen zu lassen, hat Bernie Ecclestone ordentlich für Furore gesorgt.

Der 80-Jährige hatte angeregt, anstatt mit Hilfe eines verstellbaren Heckflügels durch künstlich bewässerte Strecken für mehr Spektakel zu sorgen. (BERICHT: Ecclestone will es regnen lassen)

"Die aufregendsten Rennen hatten wir immer, wenn es nass war", sagte Sir Bernie: "Es gibt doch heute schon Rennstrecken, die man künstlich benetzen kann. Es wäre leicht, solche Systeme auf jeder Rennstrecke zu haben. Warum können wir es nicht mitten in einem Rennen künstlich 'regnen' lassen? Für 20 Minuten oder für die letzten zehn Runden?"

Zustimmung zu seinem Vorschlag erhält Ecclestone von Reifenhersteller Pirelli. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

"Sehr interessant"

"Ich fand Bernie Ecclestones Kommentare sehr interessant", sagte Motorsportdirektor Paul Hembery: "Es gibt die Technologie dafür, deswegen ist der Vorschlag nicht so verrückt, wie er sich zunächst anhört."

Die Regenreifen-Tests Abu Dhabi hätten bewiesen, dass sich eine künstlich bewässerte Strecke spektakulär auswirken könne. Zudem: "Die Sicht sollte kein Problem sein, weil es keine Wolken geben würde."

Für Pirelli sei es kein Problem, geeignete Reifen für derartige Verhältnisse zu liefern.

Hembery hofft auf Verbesserte Show

"In der Vergangenheit gab es großartige Rennen, wenn eine Extra-Variable wie das Wetter ins Spiel kam, also warum nicht?", sagte Hembery: "Die Formel 1 konkurriert mit anderen Sportarten um Sendezeiten - deshalb ist es wichtig, den Zuschauern etwas Interessantes zu bieten."

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Von diesem Standpunkt betrachtet sei ein künstliches Regenrennen dazu geeignet die Show zu verbessern - auch wenn die Idee radikal sei.

"Regenrennen wäre großartig"

"Ein gutes Beispiel ist der GP von Singapur", erklärte der Motorsport-Leiter: "Man könnte sagen, dass ein Nachtrennen Schnickschnack ist. Aber tatsächlich war es eins der aufregendsten Rennen der Saison."

"Ich stimme zu, dass etwas Künstliches, wie Safety-Cars in Rennen zu werfen, um das Feld zusammenzubringen, zu weit gehen würde. Aber ein künstliches Regenrennen wäre für Fahrer, Taktiker und Ingenieure großartig."

Vettel skeptisch

Es wäre interessant, wie Weltmeister Sebastian Vettel auf eine derartige Umgestaltung reagieren würde.

Schon vor einigen Wochen hatte der Red-Bull-Pilot im "Spiegel" die Zunahme von Show-Elementen in der Formel 1 gebrandmarkt: "Es wird immer mehr investiert, damit die Show besser und besser wird. Ich frage mich, ob das notwendig ist."

Womit er zunächst die Neuerungen für die neue Saison meinte - insbesondere den verstellbaren Heckflügel.

"Die Gefahr ist groß, dass nicht mehr der Instinkt entscheidet, wann man überholt, sondern das System. Das hat nicht mehr viel mit Rennfahren zu tun", sagte der 23-Jährige im Gespräch mit "TV Movie": "Im Rennen kann man ihn nur beim Angriff benutzen. Ich hoffe nur, das macht das Überholen nicht zu einfach, denn dann würden die Rennen zu künstlich."

KERS kein Problem

Weniger problematisch sei die Wiedereinführung des Energierückgewinnungssystems KERS, das den Fahrern für rund sechs Sekunden pro Runde 82 zusätzliche PS beschert.

"KERS ist für alle gleich. Man hat KERS in seinem eigenen Auto, die anderen Jungs haben es aber auch. Deshalb macht das am Ende keinen so großen Unterschied. Man kann es zum angreifen nutzen, aber auch zur Verteidigung", sagte Vettel.

Großer Einfluß durch Reifen

Den größten Einfluss auf die Rennen werden nach Vettels Meinung aber die neuen Reifen haben, die schon frühzeitig an Haftung verlieren.

"Der Pirelli-Reifen baut stärker ab, das Fahrverhalten ändert sich fast komplett", sagte Vettel.

Allerdings sei die neue Charakteristik auch für alle Fahrer gleich.

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