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Die Regenschirme würden zubleiben. Zumindest bei Ecclestones Kunstregen-Rennen © imago

Künstlicher Regen in der Formel1? Ecclestone legt nach, Pilot Mark Webber findet's gruselig. Auch die SPORT1-User sagen nein.

Von Marc Ellerich

München - Bernie Ecclestone hat mit seiner Idee, der Formel 1 Kunst-Regen zu bescheren, eine Lawine losgetreten.

Beim neuen Reifen-Lieferanten der PS-Liga, Pirelli kam der Vorschlag gut an. So gut offenbar, dass sich der Formel-1-Zampano ermutigt fühlte, in Sachen Pisten-Wässerung noch einmal nachzulegen.

Zufällig solle es nämlich nass werden, ließ Ecclestone in der "BBC" verlauten. "Meine Idee sieht so aus", präzisierte der 80-Jährige: "Niemand soll genau wissen, welches Programm wir gerade verwenden. Es wird irgendwann während des Rennens anfangen und ergiebig regnen."

Ecclestone weiter: "Das kann so aussehen, dass es vielleicht aufhört und dann später anfängt. Oder vielleicht auch nicht. Niemand soll es wissen."

Webber: Nein und nochmals nein

Doch während das greise Formel-1-Oberhaupt offensichtlich Feuer und Flamme für die Regenmacherei ist, sieht es bei den Betroffenen anders aus.

Zumindest bei Mark Webber stieß das Vorhaben auf wenig Gegenliebe. Der australische Red-Bull-Star meldete sich als Erster der aktuellen Fahrer-Generation zu Wort - und stampfte Ecclestones "Wasser-Marsch"-Gespinst in Grund und Boden.

"Nein und nochmals nein", schimpfte der WM-Dritte: "Das wäre nicht die klügste Idee, um die Show unterhaltsamer zu machen. Webber erinnerte an die ausgewiesenen Regenfahrer Jimmy Clark und Ayrton Senna.

"Die würden sich im Grab umdrehen, wenn sie wüssten, dass wir Sprinkler und Schläuche an der Strecke hätten."

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Manipulationsinstrument?

Womit Webber den Nerv der meisten SPORT1-User trifft. Deren Echo auf die Idee ist überwiegend negativ.

So vermutete SPORT1-Leser "LE", dass womöglich unlauter ins Rennen eingegriffen werden könne. "Man wird es dann in Zukunft zu einem Zeitpunkt künstlich regnen lassen, wenn ein Günstling von Bernie Ecclestone in keiner guten Siegposition ist. Diese Idee ist das größte Manipulationsinstrument, das die Formel 1 je hatte."

Auch User "harro" verdammte den Ecclestone-Vorschlag in Bausch und Bogen: "Wieso eigentlich nicht auch noch künstliche Reifenplatzer, Bremsversagen oder Öllachen auf der Fahrbahn und am Ende bekommt jeder Fahrer, der ins Ziel kommt, Punkte?"

Kurzfristiger Effekt

"T" glaubt ohnehin nur an einen kurzfristigen Effekt künstlichen Regens. "Regenrennen sind etwas Besonderes, weil es eben nicht in jedem Rennen regnet. Mit diesem Kunstregen fällt das Besondere weg, Teams und Fahrer stellen sich darauf ein, die Autos werden darauf optimiert, und dann ist es noch langweiliger als zuvor!"

Andere, wie SPORT1-User "Cedric" fühlen sich zu Alternativ-Vorschlägen berufen. "Mein Vorschlag zur Verbesserung der Show wäre, dass man das Qualifikationstraining abschafft und nach jeweils umgekehrtem WM-Stand startet. Sprich: Der Führende müsste vom letzten Startplatz aus losfahren. Das gäbe im Rennen Überholmanöver ohne Ende, und vermutlich hätte bis zum vorletzten Rennen das halbe Starterfeld noch Titelchancen. Weltmeister könnte dann nämlich nur der werden, der regelmäßig im Rennen mindestens ein Dutzend Konkurrenten überholt."

Formel 1 am Scheideweg

Doch es gibt auch SPORT1-Leser, die Ecclestones Idee nicht rundweg ablehnen.

"Tsubasa" schreibt: "Jetzt steht die Formel 1 also am Scheideweg. Reines Entertainment (à la Wrestling) oder ernsthafte Sportart. Aber: Weiterentwicklung ist das Schlagwort, das diesen Sport überhaupt erlaubt und berechtigt. Das geht über das Auto, den Fahrer und die (Wetter)-Umstände."

Auch "Schnake" meint: "Trotz einiger Widersprüche hat die Grundidee was für sich, lasst mal die Details außen vor. Wenn es plötzlich "regnen" würde, wäre es sicher ein Ereignis."

Und dann sind da noch die Traditionalisten, die alles Neue ablehnen, so wie Sascha. "Gebt uns die alte Formel 1 zurück, in der nicht künstlich versucht wurde, irgendeine Spannung zu erzeugen! Es gab zwar schon immer Regularien, aber nie in der Form wie 2011 - verstellbarer Heckflügel. Es gewinnt doch schon längst nicht mehr nur der Bessere!"

So fatalistisch dürfte aber nicht einmal Mark Webber die Angelegenheit betrachten.

(Jetzt auch um 12 Uhr um 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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