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Toro-Rosso-Pilot Jaime Alguersuari rechnet mit bis zu acht Stopps pro Team © getty

Die neuen Reifen sollen die Formel 1 unterhaltsamer machen. Machen sie? Ross Brawn sagt ja, viele Piloten widersprechen ihm.

Von Marc Ellerich

München - Die neuen Reifen bleiben das Aufreger-Thema der diesjährigen Saisonvorbereitung in der Formel 1.

Zahlreiche Piloten kritisieren seit Längerem wiederholt den schnellen Verschleiß der neuen Pirelli-Pneus.

Worauf der italienische Hersteller, der 2010 Bridgestone als Lieferanten ablöste, stets erwidert: Das sei von den Formel-1-Teams so gewollt - um die Show in der PS-Liga zu verbessern.

So geht das schon seit einigen Wochen hin und her. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Brawn: Reifen beleben

Aber offenbar ist sich der motorsportliche Elitezirkel nicht einmal in dieser Frage einig. Wird den Fans dank Pirelli nun mehr Unterhaltung geboten werden, oder doch weniger Spektakel?

Ja, sagen die einen, und ihre Schar wird angeführt von Mercedes-Teamchef Ross Brawn.

"Der Verschleiß der Reifen wird die Formel 1 in vielerlei Hinsicht beleben", meinte der Vorgesetzte von Michael Schumacher und Nico Rosberg am Rande der Testfahrten in Barcelona.

Seine Begründung: "Es gibt reichlich Möglichkeiten, um fatale Entscheidungen zu treffen."

Mehr Boxenstopps

Die Zahl der Boxenstopps werde zunehmen, weshalb Brawn auch auf seinem Arbeitsgebiet mit mehr Unruhe rechnet. "Es dürfte deutlich lebhafter am Kommandostand zugehen", sagte er und erinnerte an früher: "Vor ein paar Jahren war das noch anders. Da gab es Rennen, bei denen bist du fast eingeschlafen, weil die Reifen derart konstant waren."

Es habe keinen großen Unterschied zwischen verbrauchten und neuen Reifen gegeben, fügte das einstige Ferrari-"Superhirn" hinzu: "In diesem Jahr werden wir hingegen deutlich mehr Action sehen."

Denn: "Bei diesen Reifen kannst du es dir nicht erlauben, in die Phase zu geraten, in welcher der Verschleiß enorm ist."

Man müsse den entscheidenden Moment für einen Boxenstopp erwischen, urteilte Brawn aufgrund seiner Erfahrungen mit den neuen Pirellis. "Eine Runde mehr oder weniger kann sich auf den Ausgang des Rennens auswirken. Wir werden regen Funkverkehr haben."

Auch Alguersuari skeptisch

Ob Brawn die Reifen-Kritiker mit solchen Argumenten wirklich zu überzeugen vermag? (Alonso: Elfmeter alle halbe Stunde)

Wohl kaum. Auch in Barcelona schimpften zahlreiche Stars über die Reifen. "Das fühlt sich nicht mehr wie ein Formel-1-Auto an", schilderte Force-India-Pilot Adrian Sutil den Effekt verschlissener Pneus: "Es wird zu langsam, es lenkt nicht mehr."

Toro-Rosso-Fahrer Jaime Alguersuari rechnet mit bis zu acht Boxenstopps pro Team und daher mit einer Verlagerung der Spannung weg von der Strecke. "60 bis 70 Prozent des Rennens werden an der Box entschieden."

Piloten: Teams werden sparen

Überhaupt, die Show und die Spannung. Die Piloten-Vereinigung GPDA befürchtet anders als Brawn eine schlechtere Unterhaltung.

Der Grund: Durch den schnellen Verschleiß würden die Teams zum Reifensparen gezwungen. Der Effekt: Freitags und samstags würde so wenig wie möglich gefahren, um das schwarze Gold in Reserve zu halten.

Lotus-Pilot Jarno Trulli berichtete gegenüber "autosport.com" von Verhandlungen der Fahrer mit FIA-Renndirektor Charlie Whiting.

"Vor allem ging es uns um den schnellen Verschleiß", schilderte der erfahrene Italiener die Piloten-Meinung: "Nach zehn bis 15 Runden bist du fünf Sekunden langsamer. Das wird uns davon abhalten, viel zu fahren."

"Würden gerne mehr fahren"

Trulli weiter: "Wir würden gerne mehr fahren. Aber wenn ein Reifen schon nach drei oder fünf Runden fertig ist, dann wird es schwierig."

Adrian Sutil wiederum hat trotz aller Kritik doch noch etwas gefunden, was für eine unterhaltsame Saison spricht: "Es ist für alle gleich, das ist das einzig Positive daran. Das macht es wieder interessant."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

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