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Zwei der Großen im Formel-1-Zirkus: Bernie Ecclestone (l.) und Jean Todt © getty

Ein heftiger Machtkampf um einen 100-jährigen Vertrag und viel Geld tobt zwischen F1-Boss Ecclestone und FIA-Präsident Todt.

Von Barnabas Szöcs

München - Dass es hinter den Kulissen der Formel 1 eigentlich permanent mächtig brodelt, ist kein großes Geheimnis.

Dafür sind zu hohe Millionenbeträge im Spiel, dafür geht es um zu viel Macht, Einfluss und Prestige.

Vor dem Malaysia-GP (Training, Fr., ab 7 Uhr im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) allerdings scheint der Vulkan namens Formel 1 nicht mehr nur zu brodeln: er steht kurz vor den Ausbruch. Die Protagonisten sind keine geringeren als F1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt.

Auslöser des immer deutlicher ? und auch öffentlicher ? werdenden Machtkampfs ist ein Vertrag zwischen Ecclestone und Todts Vorgänger Max Mosley aus dem Jahr 2001.

360 Millionen - 100 Jahre

Laut Kontrakt erhielt die FIA damals eine Sofortsumme von 360 Millionen US-Dollar, verpflichtete sich jedoch im Gegenzug, ihre Ansprüche an den kommerziellen Rechten der Formel 1 ab dem Jahr 2011 abzutreten. Und das für die nächsten 100 Jahre.

Damit fehlen dem Automobilverband FIA und ihrem Präsidenten seit der aktuellen Saison umgerechnet 300.000 britische Pfund pro Grand Prix, was bei 19 Saisonrennen wahrlich keine "Peanuts" sind (DATENCENTER: Der Rennkalender).

"Napoleon" wehrt sich

Entsprechend bäumt sich nun Todt, auch "Napoleon" genannt, mit aller Macht gegen den 100-jährigen Vertrag, die Rechteinhaber und deren Vertreter Bernie Ecclestone auf.

"Ich werde sicherstellen, dass alle eines verstehen: Seit die Vereinbarung unterzeichnet wurde, haben sich die Zeiten geändert, haben sich die Technologien geändert", so der Franzose in der "Financial Times".

"Evolution hat ihren Preis"

Er muss nun mit den Auswirkungen eines Vertrages umgehen, den sein Vorgänger Mosley vor zehn Jahren auf den Weg brachte ? zu einer anderen Zeit:

"Vor 15 Jahren gab es noch nicht die komplizierte TV-Elektronik wie heute, aber all das kostet etwas. Das müssen wir in Betracht ziehen, denn meine Aufgabe ist es, mich um die Finanzierung der FIA zu kümmern. Unsere Kosten sind höher als vor zehn Jahren. Evolution hat ihren Preis."

"Don King" als Rettung?

So prekär die Lage der FIA auch scheint, einen Trumpf hat sie in der Hinterhand: die "Don-King-Klausel". Dieser, nach dem legendär-umstrittenen Box-Promoter benannte Punkt, besagt wiederum, dass die kommerziellen Rechte nur mit der Zustimmung der FIA an einen neuen Eigentümer verkauft werden dürfen.

Wie es nun ein für die FIA glücklicher Umstand will, plant das Investmentunternehmen "CVC Capital Partners", mit 63,3 Prozent größter Rechte-Eigentümer, den Ausstieg aus der Formel 1, aufgrund immenser Kosten. Allein 2010 betrugen diese mehr als 600 Millionen US-Dollar.

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Todt zeigt sich selbstsicher

Für Todt ist dies die ideale Möglichkeit, mit einem FIA-Veto das gesamte Gerüst der Königsklasse ins Wanken zu bringen und seine Position zu stärken.

"Sollte sich CVC entscheiden zu verkaufen, hätten auch wir unsere Rolle zu spielen", so Todt selbstsicher: "Für mich zählen nur die Interessen der FIA. Diese zu schützen, sollte im Interesse aller sein. Es kann keine FIA-Formel-1-Weltmeisterschaft ohne starke Verpflichtung der FIA geben. Das wiederum ist auch im besten Interesse der Teams und von CVC."

"Max für Arme"

Eine klare Aussage des kleinen Franzosen, der nun trotz des 100-jährigen Vertrags wohl doch am längeren Hebel sitzt und Ecclestone das Leben mächtig erschwert.

Dieser hatte sich bereits vor einiger Zeit harsch über Todt ausgelassen, ihn als " Max (Mosley) für Arme" bezeichnet. "Er ist viel um die Welt gereist und hat die Dinge getan, die Max nicht oft getan hat: Babys geküsst und Hände geschüttelt. Das ist vielleicht gut für die FIA, aber wir in der Formel 1 brauchen das nicht."

Ecclestone: "Die FIA ist ein Witz"

Generell habe Todt "keinen positiven Effekt" für die Formel 1, unterstreicht der 80-Jährige und setzt noch einen drauf: "Die FIA ist ein Witz."

Bei solchen Aussagen Ecclestones, wäre es nicht verwunderlich, wenn Todt demnächst ausbricht.

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