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Nico Rosberg wechselte 2005 als GP-1-Champion in die Formel 1 © getty

2008 reiht sich für Nico Rosberg und sein Team Rückschlag an Rückschlag. Fragt sich: Wechselt der Deutsche - und wenn ja: wohin?

Von Marc Ellerich

München - Im Moment übt Nico Rosberg seinen Beruf häufig in der Zukunft aus.

Etwas anderes bleibt ihm auch kaum übrig, zu frustrierend ist seine gegenwärtige Situation in der Formel 1.

Rosberg weiß das natürlich, er wird ja jedes Rennwochenende aufs Neue auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, immer wieder muss er die Unterlegenheit seines Boliden registrieren.

Zuletzt wieder beim Grand Prix in Ungarn, als er in der Qualifikation wegen Hydraulikproblemen seines Gefährts nicht zum zweiten Durchgang antreten konnte und auch im Rennen nicht über Platz 14 hinaus kam - der nächste Nuller.

Erfolglose Bemühungen

Das frustrierende Resultat seiner meist erfolglosen Bemühungen: Platz 13 in der WM-Wertung, mit jenen acht Punkten, die ihm sein - aus heutiger Sicht - sensationeller dritter Platz beim Saisonstart in Melbourne einbrachte.

Dementsprechend deutlich analysiert der Wiesbadener die Lage bei seinem Arbeitgeber, dem britischen Williams-Rennstall. Und seine Sätze klingen seit einigen Wochen mehr oder weniger gleich.

"Wir sind zurückgefallen", gestand Rosberg schon vor dem Rennwochenende auf dem Hungaroring in der "Frankfurter Rundschau" ein: "Red Bull, Toyota und Renault, mit denen wir uns vergleichen können, sind jetzt einfach schneller."

Als Alonso-Nachfolger gehandelt

Und während der Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg vor dem Ungarn-GP noch darauf hoffte, der Kurs von Budapest werde dem Williams liegen, wurde er im Rennen eines Besseren belehrt - wieder einmal.

Kein Wunder, das Rosberg, dessen Nachfolge von Doppel-Weltmeister Fernando Alonso bei McLaren-Mercedes am Veto von Teamchef Frank Wiliams scheiterte, angesichts der Williams-Misere immer häufiger nach seinen Zukunftsplänen gefragt wird.

"Ich bin sicher, meine Zeit wird kommen und ich werde mir Rad-an-Rad-Duelle mit Lewis (Hamilton, d. Red) liefern können", antwortet Rosberg dann tapfer und verweist auf den zweifachen finnischen Weltmeister Mika Häkkinen.

Vorbild Häkkinen

"Er musste sechs Jahre warten, bis er Weltmeister wurde. Ich bin gerade mein drittes Jahr in der Formel 1."

Soll heißen: Ich muss geduldig sein.

Nur: Geduld ist endlich. Und viel Zeit, auch das macht der 23-Jährige immer wieder deutlich, gibt er seinem derzeitigen Arbeitgeber nicht mehr.

2009 sehe er sich bei einem Top-Team, das hat Rosberg bereits des Öfteren angekündigt. "Das ist hoffentlich bis dahin Williams. Wenn nicht, dann woanders."

Unverhohlener Wechselwille

Unverhohlener kann man seinen Wechselwillen kaum formulieren.

Nur wohin, das ist die Frage. Top-Cockpits sind rar gesät und meist besetzt. Und seitdem McLaren vor dem Ungarn-Rennen den späteren Sieger Heikki Kovalainen als Fahrer auch für die kommende Saison bestätigte, heißt es auch bei seinem früheren Flirt-Partner: Nichts geht mehr.

Rosberg kommentierte die Nachricht äußerlich unbeeindruckt: "Es freut mich für Heikki. Es ist eine tolle Chance für ihn, dass er noch ein Jahr dort kriegt. Für mich macht es keinen Unterschied, weil ich nächstes Jahr sowieso hier bei Williams bin."

Hoffnung auf 2009

Doch auch er weiß, dass seine Karriere derzeit auf Eis liegt und die eigene Zukunft offener denn je ist. Und: Wie viel Zeit bleibt ihn noch für den großen Wechsel? "Man gilt nicht ewig als Talent", bemerkte Rosberg selbst einmal in einem Interview.

Notgedrungen richtet der Deutsche den Blick bereits auf die nächste Saison, die er unweigerlich wieder im Williams verbringen wird

"2009 gibt es ein völlig neues Reglement. Naja, und wir bauen nun einmal darauf, dass das kommende Jahr eine große Chance für uns ist."

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