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Schiefe Lage: Hockenheim plagen 34 Millionen Euro Schulden © getty

Der Hockenheimring droht mit Ausstieg aus der Formel 1. Der Nürburgring-Geschäftsführer fürchtet dennoch keinen Komplettverlust.

München - Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz hat keine Angst vor einem kompletten Formel-1-Aus für Deutschland (Das Schreckensszenario nimmt Formen an) .

"So lange ein großer Nutzen für unsere Region da ist und auch die öffentliche Hand profitiert, so lange mache ich mir da keine Sorgen", sagte Kafitz zur Formel-1-Zukunft in der Eifel.

Allerdings sei es denkbar, dass es 2010 kein Rennen in Deutschland geben könnte, falls der Hockenheimring wie zuletzt angedeutet freiwillig auf seine turnusmäßige Austragung verzichtet. "Dieses Szenario sehe ich im Moment so", sagte Kafitz. Der Nürburgring würde nicht einspringen.

Rennen alle zwei Jahre?

"Das können wir uns wirtschaftlich nicht erlauben", sagte Kafitz und verwies darauf, dass die wirtschaftliche Lage seit der Einführung des jährlichen Wechsels zwischen Hockenheim und dem Nürburgring ab dieser Saison "nicht anders" geworden sei.

Allerdings hoffe er noch darauf, dass Hockenheim den Grand Prix doch ausrichten könne.

Für die Zeit nach dem letzten Rennen des Rotationsabkommens 2011 auf dem Nürburgring ist es vorstellbar, dass sich der Traditionskurs in der Eifel bei einem neuen Vertrag mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone um ein Rennen alle zwei Jahre bemüht.

Verluste im einstelligen Millionenbereich

"Wir halten ein Rennen alle zwei Jahre für einen dankbaren Kompromiss bei der Frage, was nützt der Region und was kostet es die GmbH", sagte Kafitz.37319(DIASHOW: Die besten Grid Girls)

In der strukturschwachen Eifel profitiert die gesamte Region von einem Gastspiel der Formel 1, das für rund 60 Millionen Euro Umsatz sowie 10 Millionen Euro Nettowertschöpfung sorgt.

Die Verluste im einstelligen Millionenbereich, die allein durch die Königsklasse bei der Nürburgring GmbH auflaufen, werden vom Land Rheinland-Pfalz, das 90 Prozent der Anteile hält, und dem Landkreis Ahrweiler (10 Prozent) getragen.

Der Hockenheimring ist da in einer "eindeutig schlechteren Situation", meinte Kafitz.

Schmidt droht

Dort profitiere zwar auch eine ganze Region, die finanzielle Last trage aber zu 94 Prozent die 20.000-Einwohner-Stadt Hockenheim. Das Land Baden-Württemberg, das den 65 Millionen Euro teuren Umbau der Strecke 2002 mit 15 Millionen unterstützt hatte, lehnte es kürzlich ab, mit einem Zuschuss den 2008 aufgelaufenen Verlust von 5,3 Millionen Euro abzumildern.

Dadurch sieht Karl-Josef Schmidt, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, die Zukunft der Rennstrecke (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse )akut gefährdet.

Schmidt dachte in einem Interview offen über den vorzeitigen Ausstieg aus dem Formel-1-Vertrag und den freiwilligen Verzicht auf den Grand Prix 2010 nach: "Ohne Zuschüsse des Landes wird es keine Formel 1 in Hockenheim mehr geben."

Im Frühjahr hatte Schmidt 34 Millionen Euro Schulden der Hockenheimring GmbH bestätigt.

35 Millionen zusätzliche Schulden

Die Verluste durch die Formel 1 werden durch den Überschuss bei allen anderen Aktivitäten außerhalb der Königsklasse nicht aufgefangen. Die Stadt Hockenheim hatte sich vor zwei Jahren zugunsten der Rennstrecke um zusätzliche 35 Millionen Euro verschuldet.

Kafitz und seine Kollegen in der Eifel versuchen unterdessen, durch weitere Investitionen die Traditionsrennstrecke unabhängig von der Formel 1 zu machen.

Derzeit entstehen unter dem Schlagwort "Nürburgring 2009" neben einer neuen Haupttribüne ein überdachter Ring-Boulevard, eine Arena mit 3600 Sitzplätzen, eine Eventhalle mit 1500 Plätzen, ein erweiterter Themenpark mit einer Achterbahn in Formel-1-Tempo sowie ein Hotel und das Motorsport-Resort "Eifeldorf Grüne Hölle".

"Die Bauarbeiten gehen gut voran", sagte Kafitz, der mit der pünktlichen Fertigstellung im Juni 2009 rechnet. Am 12. Juli steigt dann als erstes Großereignis der Formel-1-GP 2009.

Das gesamte Projekt kostet 215 Millionen Euro, wovon die Nürburgring GmbH 135 Millionen trägt. Den Rest bringen private Investoren auf.

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