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McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in der Boxengasse von Hockenheim © getty

McLaren-Mercedes und BMW sehen sich nicht in der Verantwortung für die angeschlagene Rennstrecke. Hockenheim hofft auf Gespräche.

München - Der Hockenheimring hofft im Kampf um die Zukunft der Formel 1 im Motodrom immer noch auf die Landesregierung von Baden-Württemberg.

In Stuttgart war zuletzt erneut eine Finanzspritze für die Rennstrecke (Das Schreckensszenario nimmt Formen an) abgelehnt worden.

Nach Informationen des "Mannheimer Morgen" soll es aber in den nächsten Tagen zu einem Spitzengespräch der Landesregierung mit Vertretern der Region, der IHK Rhein-Neckar, des Rhein-Neckar-Kreises, der Städte Mannheim und Heidelberg sowie der baden-württembergischen Autoindustrie kommen, um nach einer Lösung für das Finanzproblem des Traditionskurses zu suchen.

"Für den Sport verantwortlich"

Die in der Königsklasse vertretenen Hersteller BMW und Mercedes würden einen Verbleib der Formel 1 in Hockenheim sehr begrüßen.

In der aktuellen Krise der Automobilbranche halten sie sich allerdings mit eigenen Hilfsangeboten zurück. "Die Teams und Hersteller sind für den Sport verantwortlich, nicht für die Finanzierung der Rennveranstaltungen", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Ähnlich äußerte sich BMW, für das Deutschland ein wichtiger Markt ist: "Kommerzielle Bedingungen sind Sache der FOM und des Veranstalters. Hier muss eine Lösung gefunden werden."

Haug verweist auf Steuereinnahmen

Haug fügte aber hinzu, dass Mercedes natürlich stark daran interessiert sei, "dass der Große Preis von Deutschland für die vielen interessierten Zuschauer und für unsere Marke Mercedes-Benz als Auftrittsfläche erhalten bleibt. Unser Sieg im letzten Juli soll nicht unser letzter Formel-1-Sieg in Hockenheim gewesen sein."

Der Mercedes-Sportchef verweist zudem wie viele andere darauf, dass durch die Gastspiele der Formel 1 auch viel Geld in die Region fließt. 37319(DIASHOW: Die besten Grid Girls)

"Laut Aussagen und Erhebungen der Stadt Hockenheim als Veranstalter des Grand Prix wurden mit dem letzten Formel-1-Rennen in der Region über 37 Millionen zusätzlicher Umsatz und damit auch nicht unerhebliche Steuereinnahmen generiert. Dies muss natürlich in die Gesamtbetrachtung der Problematik mit einfließen", sagte Haug.

Hockenheim trägt Defizit

Diese 37 Millionen Euro Umsatz wurden in zwei Studien der Universitäten Trier (2000) und Mannheim (2008) belegt. Das entspricht einem zusätzlichen Mehrwertsteueraufkommen von rund sechs Millionen Euro sowie sonstigen Steuereinnahmen von 2,8 Millionen Euro. Der Rhein-Neckar-Raum erzielte einen Gewinn von 9,3 Millionen.

Die Hockenheimring GmbH, die im Frühjahr 34 Millionen Schulden auswies, machte dagegen 2008 hauptsächlich wegen der hohen Antrittsgelder an Formel-1-Boss Bernie Ecclestone 5,3 Millionen Euro Verlust und denkt daher bereits an den freiwilligen Verzicht auf das Rennen 2010. (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse )

Für das Defizit muss vor allem die 20.000-Einwohner-Stadt Hockenheim aufkommen, die 94 Prozent der Anteile hält, aber zuletzt schon 35 Millionen Euro zusätzliche Schulden machen musste.

"Stadt und Region in der Pflicht"

Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) sieht dennoch "die Stadt und die Region in der Pflicht", Geld in die Hand zu nehmen, wie der Mannheimer Morgen schreibt.

Auch der große Koalitionspartner CDU wollte zuletzt über den 15-Millionen-Zuschuss zum Umbau 2002 hinaus kein weiteres Geld ausgeben.

Aus SPD-Kreisen kam zumindest der Vorschlag, die Verluste zwischen Land, Region und Stadt zu dritteln.

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