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Wie viele andere Piloten auch fuhr Lewis Hamilton in Barcelona vier Mal an die Box © getty

Die vielen Boxenstopps und Überholmanöver verwirren nicht nur Schumi. Seinem Chef gefällt es jedoch. Ein Mann wird ganz wichtig.

Barcelona - Muskelkater, Erschöpfung, Orientierungslosigkeit: Die neue Formel 1 ist spannend, turbulent und ereignisreich, hat aber auch Risiken und Nebenwirkungen.

Fragen Sie Ihren Moderator, Piloten oder einfach den Fan auf der Couch.

Weltmeister Sebastian Vettel erinnert sich, wie er als 13-Jähriger auf dem Hockenheimring seinem Idol Michael Schumacher zujubelte.

Der schied nach einem Unfall schon in der ersten Runde aus, der kleine Sebastian verlor damals ein wenig den Überblick. "Zum Glück gibt es heute Videoleinwände an den Strecken", sagt Vettel.

"Muskelkater im Mund"

Die bräuchte es aber auch, meint der Heppenheimer. Und dem TV-Zuschauer müsse man "richtig viel erklären." (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Derjenige, der durchs Rennen führt, muss nachher Muskelkater im Mund haben", meint Mercedes-Sportchef Norbert Haug schmunzelnd. Und hat damit gar nicht Unrecht.

"In der Türkei war es ganz schlimm", sagt TV-Experte Marc Surer, der die Rennen ohne Werbepause durchkommentieren muss: "Man hechelt nur noch den Situationen hinterher, man kommt kaum dazu, eine Situation zu erklären, weil schon das nächste passiert."

Und weiter: "In Istanbul war ich nach dem Rennen völlig fertig und nicht einmal in der Lage, eine richtige Abmoderation zu machen."

77 Stopps in Spanien

112 Überholmanöver hatte es in der Türkei in 58 Runden gegeben, dazu noch 82 Boxenstopps, in Barcelona (Rennbericht) dann deren 77. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Eigentlich unvorstellbare Zahlen. In Fachforen schimpfen Fans, dies sei etwa so reizvoll, als würde ein Fußballspiel 50:48 ausgehen.

Reizüberflutung für Zuschauer

"Das ist alles zu viel des Guten", meint auch Surer und glaubt, dass der Zuschauer auf Dauer abstoßend auf die Reizüberflutung reagieren wird:

"Es kann nicht sein, dass der Zuschauer das so gewollt hat. Er will echte Zweikämpfe und keine vorübergehenden auf dem Weg zum nächsten Boxenstopp. Nur einer der 112 Überholvorgänge in Istanbul war ein echtes Manöver."

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Schumi fehlt der Überblick

Dabei verlieren manchmal sogar die Fahrer den Überblick. Rekordweltmeister Michael Schumacher wusste zuletzt nicht einmal, wie viele Boxenstopps er im Rennen hatte. Und ist damit längst nicht der einzige.

"Ich blicke im Rennen manchmal gar nicht durch, wo ich gerade stehe und gegen wen ich kämpfe", erklärte Teamkollege Nico Rosberg.

In China führte er 14 Runden das Rennen an, in Istanbul lag er nach zwei Dritteln des Rennens auf Rang acht, beide Male wurde er Fünfter.

Strategie-Chef wichtiger denn je

"Ich habe da noch gedacht, dass ich Achter werde, da wussten sie in der Box schon, dass es auf Platz fünf hinauslaufen wird", sagt Rosberg.

Deshalb sei der Strategie-Chef heute "mehr als doppelt so wichtig" wie früher.

Doch selbst am Kommandostand behelfen sie sich mit neuester Computertechnik, um nicht den Durchblick zu verlieren.

Wenn man alles verstehe, sei die neue Ära der Formel 1 "ein Hochgenuss", sagt Haug: "Sie ist herausfordernd und nicht leicht zu lesen. Aber sie ist besser und geht tiefer."

Knöpfchen macht den Unterschied

Es gibt eben nur kaum noch echte Zweikämpfe auf der Bremse.

Da die Reifen schnell abbauen, duellieren sich zwei Piloten eigentlich nie mit selben Voraussetzungen, wodurch die Boxentaktik an Gewicht gewinnt.

Doch dann drückt der Rivale plötzlich ein Knöpfchen, sei es KERS oder der Heckflügel, und zieht vorbei, als würden Autos aus zwei verschiedenen Klassen gegeneinander fahren.

"Offenbar funktioniert es"

Dem Zuschauer gefällt es aber offenbar, und auch die eigentlich kritischsten unter den Fahrern sehen ihre Befürchtungen bisher nicht bestätigt.

"Ich mag nicht, wenn Sachen künstlich erzwungen werden", sagt Nick Heidfeld: "Aber man muss sagen, dass es offenbar funktioniert."

Allen Nebenwirkungen zum Trotz.

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