vergrößernverkleinern
Ende bei Honda: Jenson Button steht plötzlich ohne Team da © getty

Die Japaner ziehen sich wegen der Wirtschaftskrise aus der Königsklasse zurück. Wie geht's nun weiter mit Button und Barrichello?

Von Christian Paschwitz

München - Das es so fix kommt, war selbst angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise nicht anzunehmen: Doch genau die führt Honda nun ins Feld, um seinen sofortigen Ausstieg aus der Formel 1 für beschlossene Sache zu erklären.

"Honda ist zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns aus allen Formel-1-Aktivitäten zurückziehen werden und damit 2008 das letzte Jahr unserer Teilnahme war", erklärte Honda-Präsident Takeo Fukui während auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Tokio. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung."

Honda erklärte zudem, nun auch keine Motoren an andere Teams mehr zu liefern.

Ein Schock im Hochgeschwindigkeitszirkus: Selbst die 700 Honda-Mitarbeiter im englischen Hauptquartier in Brackley wurden überrascht von der rasanten Entscheidung des japanischen Autobauers.

Hoffnung bis März zerschlagen

Bisher war in internen Kreisen davon ausgegangen worden, dass Honda sein F-1-Team zumindest noch drei Monate lang finanzieren würde, um in diesem Zeitraum einen Käufer zu finden. Erst wenn das misslinge, hieß es aus vertrauten Kreisen, solle das Team im März endgültig aufgelöst werden.

Doch es kommt ganz anders - und viele Experten glauben, Hondas Ausstieg als Motorenlieferant und Sponsor werde erst der Anfang sein einer nun groß einsetzenden Rückzugswelle von Rennställen und Sponsoren. Im Motorsport allgemein wie in der Formel 1 im Speziellen. (Theissen: F 1 auf "massivem" Sparkurs)

Nach japanischen Medienberichten hat Honda zuletzt jährlich umgerechnet 390 Millionen Euro in sein F-1-Team investiert.

Auch Sennas Neffe kalt erwischt

Unterdessen ist völlig offen, wie es weitergeht mit den Fahrern Jenson Button und Rubens Barrichello. Das Gleiche gilt für die Teamchefs Ross Brawn, früher bei Ferrari und rechte Hand von Michael Schumacher, sowie Nick Fry.

Der Brite Button, der in Budapest 2006 den letzten Honda-Sieg holte, steht nach neun Jahren und 154 Rennen (ein Sieg) ohne Cockpit für 2009 da.

Auch der erhoffte Einstieg des Brasilianers Bruno Senna, Neffe des dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna, droht zu platzen.

Nur Toro-Rosso hat Plätze

Über freie Plätze verfügt derzeit nur noch das Toro-Rosso-Team, das seine Fahrer für das nächste Jahr indes noch nicht benannt hat.

Der größte Erfolg gelang Honda in der vergangenen Saison beim Großen Preis von England in Silverstone. In einem Regen-Rennen trumpfte Schumachers früherer Teamkollege Barrichello groß auf und fuhr den dritten Platz ein.

Honda will das eigenständige Rennteam sowie die ebenfalls selbstständige Motorenabteilung nun kurzfristig zum Verkauf anbieten.

Investmentfirma aus Dubai interessiert

"Autosport.com" berichtet, dass Brawn in Gesprächen mit Ferrari sei, um für den Fall, dass ein Käufer gefunden werden kann, ein Triebwerk zur Verfügung stellen zu können. Die "Financial Times" wiederum wähnt einen potenziellen Kaufinteressenten in der Dubai International Capital (DIC), einer Investmentfirma der regierenden Familie des Emirats.

Falls sich jedoch kein Käufer findet, würden in der Saison 2009 in der Königsklasse nur noch neun statt zuletzt zehn Teams an den Start gehen. Als alleiniger japanischer Vertreter verbliebe Toyota mit dem deutschen Fahrer Timo Glock.

Im Mai dieses Jahres hatte sich bereits das von Honda mit Motoren belieferte Super-Aguri-Team wegen finanzieller Probleme zurückgezogen. "Diese schwierige Entscheidung wurde vor dem Hintergrund des sich weltweit rapide verschlechternden Betriebsumfeldes der Automobilindustrie getroffen", erklärte Fukui emotional sehr berührt.

88 Rennen, drei Siege

"Honda muss sein Hauptgeschäftsfeld schützen und langfristig sichern - angesichts der wachsenden großflächigen Unsicherheiten in der Weltwirtschaft", so der Konzern-Lenker.

In den vergangenen Jahren hatte der Rennstall keinen externen Hauptsponsor. Honda war von 1964 bis 1968 sowie von 2006 bis 2008 als eigenständiges Team in der Formel 1 angetreten und hatte in 88 Rennen drei Siege geholt.

Als Motorenlieferant war Honda deutlich erfolgreicher: Von 1983 bis 1992 feierten die Japaner mit Williams, Lotus und McLaren 69 GP-Siege und sechs Konstrukteurstitel. Von 2000 bis 2005 rüstete man das BAR-Team aus, das man danach komplett übernahm.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel