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Max Mosley ist seit 1993 Präsident des Welt-Automobilverbands FIA © getty

Nach dem Honda-Schock legt der FIA-Boss ein Billigmotor-Konzept vor, das die Formel 1 für alle Teams finanzierbar halten soll.

Paris - FIA-Präsident Max Mosley fühlt sich durch den sofortigen Formel-1-Ausstieg von Honda in seinem Kampf um Kostensenkung bestätigt und hat wenige Stunden nach der Erklärung der Japaner den Teams in einem Brief günstige Motoren angeboten.

Der Automobil-Weltverband verhandele exklusiv mit Motorenbauer Cosworth und dem Getriebespezialisten Xtrac über die Lieferung eines kompletten Antriebsstranges von 2010 bis 2012 für 6,42 Millionen Euro pro Jahr, schrieb Mosley.

Der Durchschnittspreis liegt derzeit bei rund zehn Millionen Euro.

Der von Mosley angesprochene Preis wäre realisierbar, wenn sich mindestens vier Teams bis zum 11. Dezember für diese Variante einschreiben und eine Vorabzahlung von 1,97 Millionen Euro leisten.

"In der Lage zu überleben"

Sollten sich bis zu diesem Stichtag weniger Teams melden, würde die FIA ihr Vorhaben möglicherweise dennoch vorantreiben, der Preis könnte dann allerdings steigen.

Andererseits würden die Kosten auf 5,84 Millionen Euro pro Jahr sinken, wenn acht Teams diesen Antriebsstrang nutzen würden.

Zusammen mit angedachten Einsparungen beim Chassis oder an den Rennwochenenden hätten diese Vorschläge zahlreiche Vorteile, meinte Mosley.

Sie würden "die unabhängigen Teams in die Lage versetzen, im aktuell schwierigen Wirtschaftsklima zu überleben" und "den Ersatz eines Werksteams erleichtern, falls es wie erwartet weitere Verluste geben sollte", heißt es in Mosleys Schreiben.

Befürchtungen der FIA bestätigt

Der Honda-Ausstieg, zu dem sich die Japaner aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise entschlossen, habe "die Befürchtungen der FIA bestätigt, dass die Kosten für die WM-Teilnahme unhaltbar" seien, teilte der Weltverband in einem offiziellen Statement mit.

"In den Augen der FIA hat die weltweite wirtschaftliche Talfahrt nur noch eine ohnehin kritische Situation verschärft", schreibt er.

Als Wächter des Sports werde die FIA mit den Rechtehaltern und der Teamvereinigung FOTA zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Formel 1 finanzierbar bleibe.

Mosley bietet zwei Alternativen

Herstellern, die nicht den Einheitsmotor von Cosworth nutzen wollen, bietet Mosley zwei Alternativen. Zum einen könnten sie mit ihnen zur Verfügung gestellten Informationen den gleichen Motor selbst bauen. Zum anderen dürften sie weiter mit ihren eigenen, technisch "eingefrorenen" Triebwerken fahren, die dann aber nicht stärker sein dürften als der Cosworth-Motor.

Die Hersteller hatten sich zuletzt deutlich gegen Einheitsmotoren ausgesprochen, Ferrari und Toyota sogar mit einem Rückzug aus der Formel 1 gedroht.

Auch FOTA will Kosten senken

Zur Kostensenkung beitragen will auch der Verband der Teambesitzer, die Formula One Teams Association (FOTA).

Auf einer Versammlung in London beschloss das Gremium einstimmig entsprechende Maßnahmen für die kommenden zwei Jahre, darunter eine Reduzierung der erlaubten 30.000 Testkilometer um die Hälfte

Außerdem soll für 2011 ein günstiger Motor eingeführt werden, der 30% weniger Sprit verbraucht als aktuelle Maschinen.

Auch um Attraktivitätssteigerungen macht sich die FOTA Gedanken. So ist eine Qualifying-Variante im Gespräch, bei der alle Boliden zur gleichen Zeit mit der gleichen Benzinmenge auf der Strecke sind und nach jeder Runde der Langsamste ausscheidet.

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