vergrößernverkleinern
Hans-Joachim Stuck fuhr in seiner Karriere insgesamt 74 Formel-1-Rennen © getty

Der Rückzug von Honda aus der Formel 1 versetzt die Szene in Aufruhr. Experte Hans-Joachim Stuck sieht die Krise auch als Chance.

Von Matthias Becker

München - Der Rückzug von Honda aus der Formel 1 sorgt in der Szene für Unruhe.

Die internationale Finanzkrise ist jetzt auch bei den Motorsport-Teams angekommen, weitere Ausstiege aus der sündteuren Königsklasse des Motorsports scheinen eine Frage der Zeit.

Auch der ehemalige Formel-1-Fahrer und Szene-Experte Hans-Joachim Stuck kann sich das gut vorstellen.

"Honda war ein Signal und wir müssen mit anderen Entscheidungen dieser Art rechnen", sagt er im Gespräch mit Sport1.de, hält die Krise aber auch für eine Chance, die Serie für Automobilkonzerne günstiger und für die Zuschauer spannender zu machen.

Im Interview spricht er außerdem über die von FIA-Präsident Max Mosley angebotenen Einheitsmotoren und wäscht Fernando Alonso den Kopf.

Sport1.de: Herr Stuck, kam der Rückzug von Honda für Sie überraschend?

Hans-Joachim Stuck: Für mich ist es keine so große Überraschung, ich hatte mir nur die Frage gestellt, wer der Erste sein wird. Es ist eine erwartete Überraschung, andererseits aber auch ein Alarmsignal.

Sport1.de: Welche Bedeutung hat der Rückzug denn für die Formel 1?

Stuck: Es stellt sich die Frage, wer der Nächste sein wird. Aus Sicht eines Konzerns wie Honda sind das natürlich Überlegungen, die man anstellen muss. Ich bin ein erklärter Automobilsportfan, aber solche Rückzugs-Überlegungen werden in der Spitze eines Konzerns natürlich immer angestellt.

Sport1.de: Was sind die Folgen der Krise, auch für die anderen Teams?

Stuck: Die kann man schon an der Mitteilung der FOTA (Vereinigung der Formel-1-Teams, Anm. d. Red.) sehen. Auf einmal geht es: Wir fordern schon lange ein generelles Testverbot außerhalb der Rennwochenenden. Jetzt wird es beschlossen. Auch den Motor für vier Rennen und bei maximal 18.000 Umdrehungen zu benutzen macht Sinn. Das einzige was keinen Sinn hat, ist die Kontrolle des Windkanals. Das kann immer umgangen werden.

Sport1.de: Der Ausstieg von Honda ist also auch eine Chance für die Formel 1?

Stuck: Der Rückzug von Honda ist vielleicht ein Signal und ein Warnschuss, um mit einem blauen Auge davon zu kommen.

Sport1.de: Könnten denn nicht auch noch andere Pleiten oder Ausstiege folgen?

Stuck: Es gibt schon länger Gerüchte um Toyota, und auch Force India und Toro Rosso sind Wackelkandidaten. Außerdem weiß man auch, dass Williams finanziell nicht gut dasteht. Da bin ich mal gespannt.

Sport1.de: Ist die Zukunft der Formel 1 insgesamt in Gefahr?

Stuck: So schwarz sollte man nicht malen, aber man sollte diese Situation nutzen, die Formel 1 so aufzustellen, dass sie für die Konzerne kostengünstiger wird. Man muss nicht 500 Millionen ausgeben, um den Sport zu betreiben. Deswegen muss der Sport nicht weniger spannend sein.

Sport1.de: Könnte der von Max Mosley angebotene Einheitsmotor eine gute Lösung sein, um Kosten zu senken?

Stuck: Das Thema Einheitsmotor ist nicht richtig kommuniziert worden. Es wird für einen Hersteller immer die Möglichkeit geben, seinen eigenen Motor zu bauen. In der DTM gibt es auch schon einen Einheitsmotor, in dem die gleichen Bauteile verwendet werden. Ich finde einen Einheitsmotor grundsätzlich o.k., wenn es den Herstellern möglich ist, diesen selbst zu bauen.

Sport1.de: Ist die Kritik an der Idee unberechtigt?

Stuck: Es wird einfach kostengünstiger. Deswegen verstehe ich auch die Äußerungen eines Fernando Alonso nicht, der sagt, er fährt dann nicht mehr. Hat der den Knall nicht gehört und will sich seine Arbeitsgrundlage nehmen? Er muss mit dem was er hat der Beste sein.

Sport1.de: Zumal die Rennen spannender werden könnten.

Stuck: Dem Zuschauer ist es doch völlig egal, ob in Hockenheim eine Rundenzeit von 1:40 Minuten oder zwei Minuten gefahren wird. Entscheidend ist, dass man auf der Strecke Kämpfe und ein volles Feld sieht. Heute fahren 20 oder 22 Autos, warum fahren nicht mal wieder 28 oder 30, wie zu meiner Zeit? Das war auch eine lustige Geschichte. In diese Richtung müssen wir wieder.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel