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Schrumpft das Fahrerfeld? Die Finanzkrise macht auch vor der Formel 1 nicht halt © imago

Nach dem Rückzug Hondas denkt Experte Jacques Schulz bei Sport1.de über Möglichkeiten nach, der Formel 1 das Überleben zu sichern.

Von Peter Schmieder

München - Die Lage ist ernst. Honda hat sich angesichts horrender Umsatzeinbrüche aus der Formel 1 zurückgezogen.

Sollte sich kein Käufer finden, würde das Starterfeld für die Saison 2009 auf lediglich 18 Fahrer schrumpfen.

Wenn sich noch weitere Teams zurückziehen, steht die "Königsklasse" vor einer Existenzkrise.

"Das ist bedrohlich. Ein Japaner ist der Letzte, der aufgibt. Wenn also Honda die Reißleine zieht, dann ist das mehr als ein Alarmzeichen für die Formel 1", sagt Formel-1-Experte Jacques Schulz im Gespräch mit Sport1.de.

Überholtes Konzept

Er hält die Lage für gefährlich, befürchtet sogar einen Dominoeffekt: "Ich denke da an Williams, Toro Rosso und Force India."

Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise hält Schulz das gesamte Konzept Formel 1 für überholt. Die Formel 1 sei eine, "viel zu teure Prototypen-Serie". Der Experte fordert, die Kosten um mindestens 50 Prozent zu senken.

Hatten die Teams vor ein paar Jahren noch ein Budget von 500 Million Euro, ist jetzt selbst ein Budget um die 50 bis 100 Millionen Euro kaum noch refinanzierbar.

Toro Rosso habe trotz des Sieges von Vettel einen Verlust von zehn Millionen Euro ausgewiesen. McLaren soll angeblich 40 Millionen Euro verloren haben.

"Dann droht der Kollaps"

"Ich will das Wort Existenzkrise nicht in den Mund nehmen, aber wenn es FIA-Chef Max Mosley und den Teams nicht gelingt, die Kosten radikal zu senken, dann droht der Serie der Kollaps", erläutert Schulz.

Der 41-Jährige plädiert für eine sofortige Verschiebung des "KERS"-Hybrid-Systems, da es "wahnsinnig viel Geld verschlingt". Aber auch die Team sollten sparen: "Monströse Motorhomes sind einfach nicht mehr zeitgemäß."

Testfahrten reduzieren

Und auch die Testfahrten müssten weiter radikal beschnitten werden.

"Man muss diese Autos austesten, da es nun mal Prototypen sind, aber man kann die Testfahrten auf ein Minimum reduzieren." Während der Saison dürfe nur noch an den Rennwochenenden getestet werden. "Das Material und die Autos sind ja dann eh vor Ort", sagt Schulz.

Einheitsmotor der richtige Ansatz

Den von FIA-Präsident Max Mosley geplanten Einheitsmotor hält Schulz grundsätzlich für richtig, aber es müsse ein Motorkonzept geben, das "kleine Freiheiten für die Hersteller lässt".

Die müssten nach wie vor ihren individuellen Werbewert aus der Formel 1 ziehen können. Die kleineren Team könnten den Motor dann aber quasi aus dem Regal kaufen.

An der Wichtigkeit von Neuerungen und Kostensenkungen lässt Schulz aber keinen Zweifel: "Es ist eins vor zwölf! Die Kosten müssen gesenkt werden. Der radikale Ansatz von Mosley, den Teams Druck zu machen, ist genau der richtige."

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