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Das japanische Toyota-Team wird als weiterer Ausstiegskandidat gehandelt © getty

Die Formel 1 steht nach dem Honda-Aus am Scheideweg. Ein Brite könnte das Team übernehmen. Starten künftig drei Autos pro Team?

Von Julian Meißner

München - Nach Hondas überraschendem Rückzug aus der Formel 1 grassiert in der Königsklasse des Motorsports die Angst vor dem großen Crash.

Ein massiver Imageverlust ist schon jetzt nicht mehr abzuwenden.

Experten befürchten angesichts der fortwährenden globalen Finanzkrise einen Domino-Effekt und rechnen mit den Ausstiegen weiterer namhafter Hersteller.

Der Deutsche Colin Kolles, der jahrelang als Teamchef von Midland, Spyker und Force India unter den Entscheidern in der Formel 1 mitmischte, erklärte gegenüber der "Welt am Sonntag": "Ich kenne Vorstände bei den großen Herstellern, die seit Wochen darauf warten, wann das erste Werk sich aus der Formel 1 verabschiedet."

Kolles weiter: "Die Frage war immer nur, wann der erste Hersteller abspringt. Und das könnte wirklich zu einem Domino-Effekt führen."

Auch Mosley sieht schwarz

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir ein oder zwei weitere Hersteller verlieren, wenn wir ihnen nicht klarmachen können, dass das momentane Niveau der Ausgaben in der Formel 1 sinken wird", bekannte FIA-Chef Max Mosley in der "Times".

Und Gerhard Berger, der seinen 50-Prozent-Anteil am Toro-Rosso-Team kürzlich an Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zurückverkauft hatte, erklärte im "Spiegel": "Mit den Sponsorengeldern, die der Markt hergibt, lässt sich ein Team kaum noch aussichtsreich betreiben. Die Frage ist nur, wer der Nächste sein wird."

Für den Falle des Absprungs weiterer Teams gibt es laut "Welt am Sonntag" schon einen Notfallplan: Statt wie bisher zwei Autos könnten die Teams jeweils drei Boliden ins Rennen schicken.

FOTA will Neuverteilung der Einnahmen

Um dieses Schreckensszenario zu vermeiden, setzen die Teams neben einem strikten Sparkurs nun auf die Neuverteilung der Einnahmen.

Die FOTA (Formula One Teams Association) wird deshalb in den nächsten Tagen zunächst bei Mosley vorstellig werden.

"Außerdem sind wir übereingekommen, dass es notwendig ist, sich mit Bernie Ecclestone zu treffen, um über die Verteilung der Einnahmen zu reden", erklärte der FOTA-Vorsitzende Luca di Montezemolo.

Hilfe für die kleinen Teams

Mit dem Treffen der FOTA unter der Woche zeigte di Montezemolo sich äußerst zufrieden: "Wir haben sehr wichtige Entscheidungen mit kurz- und mittelfristigen Auswirkungen getroffen."

Die Kostenreduktion solle "speziell den kleineren Teams" über die nächste Saison helfen, so der Italiener.

Sollten die Gespräche mit Formel-1-Boss Ecclestone über eine höhere Beteiligung der Rennställe an den Einnahmen scheitern, drohen der Formel 1 jedoch schwierige Zeiten.

Kolles: "Es gibt viele Träumer"

Kolles sagt: "Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem sich die Zukunft entscheidet. Für einige Leute wird es ein böses Erwachen geben." In den letzten Jahren habe sich ein "unglaubliches Wettrüsten" entwickelt.

Kolles Erklärung, wie es soweit kommen konnte: "Es gibt in der Formel 1 viele intelligente Menschen, aber auch viele Träumer."

Rettet Richards Honda?

Was die Zukunft des Honda-Teams angeht, verdichten sich die Anzeichen für eine baldige Übernahme.

Von "drei seriösen Interessenten" hatte Teamchef Nick Fry jüngst gesprochen, zwei davon sind nun bekannt: Neben der Investmentgesellschaft Dubai International Capital handelt es sich beim offenbar aussichtsreichsten Kandidaten um den Briten David Richards mit seiner Firma Prodrive.

Button kann gehen

Der 56-Jährige ist beileibe kein unbekanntes Gesicht im Motorsport: 2008 scheiterte der Formel-1-Einstieg seines Prodrive-Teams erst in letzter Sekunde am Verbot von Kundenautos.

Und von 2001 bis 2004 hatte Richards schon einmal die Leitung des Honda-Teams inne, bevor sein ehemaliger Mitarbeiter Fry ihn ablöste. Sollte Richards das entsprechende Kleingeld aufbringen, würde das Honda-Team wohl 2009 unter seiner Leitung und unter neuem Namen an den Start gehen.

Jenson Button wurde unterdessen angeboten, aus seinem laufenden Vertrag auszusteigen. Der britische Fahrer hatte den Kontrakt jüngst langfristig verlängert - im Glauben, Honda würde alles daran setzen, die Spitzenteams in der Formel 1 anzugreifen.

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