vergrößernverkleinern
Der 80-jährige Bernie Ecclestone (l.) ist der Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC © getty

Bernie Ecclestone will die Einführung der neuen Motoren kippen. Der Formel-1-Boss fürchtet um das Image der Königsklasse.

Von Olaf Mehlhose

München - Die von der FIA geplante Einführung des Vierzylinder-Motors in der Saison 2013 sorgt weiter für Wirbel:

Die sogenannte "Formel Grün" sah unter anderem eine Verringerung der 2,4-Liter-Maschinen mit acht Zylindern auf 1,6-Liter-Turbo-Motoren mit vier Zylindern vor. (DATENCENTER: Konstrukteurs-WM)

Der Weltrat segnete die Entscheidung im Dezember des vergangenen Jahres ab.

Doch mittlerweile regt sich nicht nur bei Rennställen und Motorenherstellern Widerstand gegen die Vierzylinder-Turbos. Auch Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone preschte gegen den Entschluss der FIA vor. (BERICHT: FIA beschliesst Zwischengas-Verbot)

Motoren zu leise

Der 80-Jährige fürchtet um das Image der Formel 1. Die neuen Motoren würden nicht ausreichend Lärm produzieren. Für die Anforderungen Königsklasse seien sie ohnehin zu kümmerlich.

"Es muss eine Abstimmung in der Kommission geben", hatte "Big Bernie" bereits beim Grand Prix von Montreal angekündigt. Seinen Worten ließ der britische Milliardär nun Taten folgen.

Ecclestone setzte die Frage ob Vierzylinder oder V8 gegen den Widerstand von FIA-Boss Jean Todt als obersten Punkt auf die Agenda der nächsten Kommissionssitzung am kommenden Mittwoch.

Ecclestone droht Todt

Ecclestone drohte Todt sogar rechtliche Konsequenzen an.

Offenbar hat sich der Franzose bei der Weltratssitzung im Dezember 2010 über die bestehenden Statuten hinweggesetzt.

Diese schreiben ausdrücklich vor, dass nur über Angelegenheiten abgestimmt werden darf, die vorher die Technische Arbeitsgruppe und die Formel 1-Komission durchlaufen haben. Beides war aber anscheinend nicht der Fall.

[kaltura id="0_2h7liltb" class="full_size" title="Das Safety Car"]

Sir Bernie beruft sich dabei auf die Protokolle der Technischen Arbeitsgruppe und der Formel 1-Kommission.

Hersteller uneins

Doch nicht nur zwischen den Bossen herrscht Uneinigkeit. Auch unter den Motorenherstellern ist ein heftiger Disput im Gange.

Cosworth hat inzwischen festgestellt, dass der angedachte Motor die finanziellen Grenzen des Unternehmens sprengen könnte, käme es zu einem Wettrüsten mit der Konkurrenz. Ferrari will den Vierzylinder ohnehin nicht.

Mercedes strebt einen Aufschub bis 2014 oder 2015, um die finanziellen Folgen besser überblicken zu können

Einzig Renault stützt beharrlich das Vorgehen von FIA-Präsident Todt.

"Renault wird nicht abrücken"

"Wir wissen, was Ferrari, Mercedes-Benz und Cosworth wollen und wir hatten viele Besprechungen mit den Automobil-Herstellern, aber Renault wird nicht von seiner Position abrücken", sagte Renault-Geschäftsführer Jean-Francois Caubet.

Ein weiteres Engagement in der Formel 1 sei vom Renault-Vorstand an verschiedene Bedingungen geknüpft gewesen.

"Die Erste war, dass sich die Motorentechnologie verändern und relevanter werden muss, damit wir eine Verbindung zwischen der Formel 1 und dem Produkt herstellen können. Zweitens, dass die Kosten reduziert werden und drittens, dass wir Leistung bringen", erklärte der Franzose.

Für den Fall, dass die Motorenregelung nicht wie geplant in Kraft treten sollte, droht der französische Motorenlieferant sogar mit seinen Rückzug.

Kompromiss V6-Motor?

Doch es scheint noch einige Alternativlösungen zu geben.

Ferrari und Mercedes regten nun einen Kompromiss mit einem V6-Motor an, eine Idee mit der sich McLaren-Boss Martin Whitmarsh durchaus anfreunden kann.

"Wenn man mich fragt, dann plädiere ich für einen V6-Turbo", sagte Whitmarsh zu "MotorSport".

"Es muss fantastisch klingen"

Allerdings hat der Teamchef der Silbernen auch für die Bedenken von Renaults ein offenes Ohr.

"Wir müssen die Wünsche der Hersteller berücksichtigen. Es geht ihnen um den Verkauf von Autos", sagte der Brite: "Die Formel 1 ist die perfekte Plattform zur Darstellung von Produkten, Technologie und Marken."

Gleichzeitig dürften die Fans aber nicht vergessen werden: "Der Sound ist ein Alleinstellungsmerkmal der Formel 1. Wir brauchen hohe Drehzahlen und einen unverwechselbaren Sound. Vielleicht anders als bisher, aber es muss fantastisch klingen."

Dass der Plan die Zustimmung von Renault findet, bleibt jedoch zu bezweifeln.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel