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Ross Brawn war entscheidend an Michael Schumachers WM-Titeln bei Ferrari beteiligt © getty

Ross Brawn steht vor einer schwierigen Aufgabe. Schumis Taktikfuchs muss sich um den Rest von Hondas Formel-1-Team kümmern.

Von Peter Schmieder

München - Als Ross Brawn im November des vergangenen Jahres sein Engagement bei Honda begann, schien es, als wäre Honda nun endlich bereit für neuerliche Meriten in der Königsklasse.

"Ich habe hier mehr Möglichkeiten als bei Ferrari", frohlockte der 54 - Jährige.

400 Millionen Dollar Budget, 700 Mitarbeiter und 3 Windkanäle sprechen eine deutliche Sprache, und die sollte den Erfolg versprechen. Doch Brawns erstes Jahr war eine Katastrophe.

Rubens Barrichello und Jenson Button fuhren der Konkurrenz gnadenlos hinterher. Am Ende stand der vorletzte Platz in der Konstrukteurwertung zu Buche. Alle Hoffnungen lagen auf der Saison 2009.

Ein Scherbenhaufen

Das neue Reglement schien für einen Neuanfang gerade zu rechten Zeit zu kommen. Doch nach dem Rückzug der Japaner steht Brawn nun vor einem Scherbenhaufen.

Er habe zwar von Anfang an gewusst, dass der Job bei Honda die größte Herausforderung seines Leben wird, sagte Schumis "Superhirn" gegenüber "Autosport".

Die jüngste Entwicklung hätte er sich aber in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. "Uns war bewusst, wie schlecht es um die Wirtschaft bestellt ist, also hatten wir bereits Budgetkürzungen ausgearbeitet", erklärt Brawn: "Als wir dann letzten Freitag erfahren haben, dass Honda sich komplett zurückzieht, war es natürlich ein Riesenschock."

"Die wenigsten Angebote sind seriös"

Kurz darauf hatte Marketingchef Nick Fry zwar schon einige Kaufinteressenten bekanntgegeben, aber Brawn relativiert:

"In so einem Fall melden sich immer viele Leute. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die wenigsten Angebote seriös sind."

Spottpreis für ein F-1-Team

Der Kaufpreis wird wohl eher symbolische Bedeutung haben. Ein Käufer könnte die High-Tech Schmiede im englischen Brackley schon für sehr wenig Geld erwerben, denn die Unterhaltskosten für ein Formel 1-Team sind, wie nicht anders zu erwarten, astronomisch.

Es muss schon ein äußerst potenter Interessent gefunden werden. Selbst ein abgespeckter Rennstall kostet pro Jahr eine dreistellige Millionensumme "Und wer läuft schon mit so viel Geld in der Tasche herum?", überlegt Brawn. Ob David Richards mit seiner Firma Prodrive so viel Geld auftreiben kann, steht in den Sternen.

"Können Früchte der Arbeit nicht ernten"

Der bärbeißige Brite hofft aber, dass es weiter geht: "Wir haben 2008 durchgestanden, um 2009 davon zu profitieren. Jetzt nicht die Früchte dieser Arbeit ernten zu können, ist unglaublich frustrierend. Ich hoffe, dass wir jemanden finden."

Brawn geht davon aus, der "RA109" könne auf demselben Niveau wie die BMW-Sauber liegen. Allerdings kann das Auto erst laufen, wenn feststeht welches Triebwerk den Boliden befeuern wird.

Den Humor noch nicht verloren

Seinen Humor hat der Taktik-Genius aber noch lange nicht verloren: "Ich habe Ferrari verlassen, weil ich gelangweilt war. Diese Entwicklung stellt wenigstens sicher, dass mir nicht langweilig wird."

Wie es mit persönlich weitergeht ist völlig offen. Ob er im Honda-Nachfolgerteam weiterhin tätig sei, hänge von dessen Perspektive und den neuen Besitzer ab. Spekuliert wird auch über eine Rückkehr zur Scuderia Ferrari.

Aber, sollten alle Stricke reißen, hat Brawn noch eine ganz spezielle Lösung parat: "Dann gehe ich einfach ein Jahr lang angeln. Das ist sowieso meine Lieblingsbeschäftigung."

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