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Norbert Haug ist mit Mercedes seit 1994 in der Formel 1 © getty

Mercedes-Sportchef Norbert Haug will das "KERS"-System verschieben. Das Engagement der Stuttgarter sieht er nicht in Gefahr.

Von Peter Schmieder

München - Die internationale Finanzkrise bleibt in der Formel 1 das bestimmende Thema.

Nun hat sich auch Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug zu Wort gemeldet.

Er fordert drastische Sparmaßnahmen, will sich aber nicht auf ein Zukunftsszenario festlegen.

"Aus der Automobilbranche werden Sie derzeit gar keine Zukunftsprognosen erfahren. Wer seriös arbeitet kann nicht vorhersagen, wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickelt", sagte Haug im Interview mit "Motorsport aktuell".

Zwar habe man bei Mercedes kein Ausstiegsszenario, "sehr wohl reden wir aber über ein verschärftes Kostenreduzierungsprogramm."

"Zeit der Spielchen ist vorbei"

Deshalb plädiert Haug auch für eine Verschiebung des umstrittenen "KERS"-Hybrid-Systems. "Die Zeit der Spielchen ist vorbei", betonte er in dem Interview. "Dazu gehört sinnvollerweise, dass man auf die Investitionen in KERS verzichtet."

Haug gibt an, dass die Entwicklungskosten für das komplexe Energierückgewinnungssystem stolze 25 Prozent des Motorenbudgets verschlingen. Der 54?Jährige ist zwar nicht grundsätzlich gegen den Hybrid-Gedanken in der Königsklasse, setzt aber auf eine Verschiebung der Einführung.

"Die Vernunft des akut angesagten Geldsparens kann nur sagen: Verschiebe es und denke später darüber nach." Den ökologischen Aspekt des Systems lässt Haug nicht gelten: "Das ist vielleicht ein ökologischer Anstrich, die Substanz der Formel 1 sieht anders aus."

Technische Spielwiese

Es gebe derzeit nichts Unwichtigeres als "KERS", das nur eine "hochinteressante technische Spielwiese" sei, dessen Bedeutung er für die Weiterentwicklung in Serienmodellen Haug aber als "unwichtig" empfindet. Die Anforderungen in der höchsten Klasse des Motorsports und in der Serienfertigung seien zu unterschiedlich:

"Jeder Baustein für die Serie geht nach Heller und Pfennig", erklärte Haug. "In der Formel 1 muss man allerdings das Teil wählen, das ein Gramm leichter und 1.000 Euro teurer ist."

"KERS"-Entwicklung einstellen

Der Mercedes-Sportchef würde das Projekt sogar einstellen, obwohl die Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten sei, "um der Formel 1 zu helfen, deutlich die Kosten zu senken."

Auch Renault-Teamchef Flavio Briatore hatte sich zuletzt für eine Verschiebung um ein Jahr stark gemacht. BMW allerdings habe dies verhindert, sagte der Italiener.

Mehr Überholmanöver möglich

Einen Ausblick auf die neue Saison wagt die gewichtige Stimme des McLaren-Mercedes Teams auch schon.

Die Beschneidung der Aerodynamik scheine mehr Überhohlmanöver zu versprechen. "Du musst so dicht wie möglich ranfahren können. Es gibt Anzeichen dass genau das jetzt funktioniert", schürt Haug die Vorfreude auf spannendere Zweikämpfe.

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