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Das Drag-Reduction-System bringt einen Geschwindigkeitsvorteil von 12-20 km/h © getty

Der verstellbare Heckflügel und sein Einfluss: Wie viele Überholmanöver gelingen nur durch den Extra-Schub? SPORT1 analysiert.

Von Dustin Werk

München - Für Nico Rosberg war es die vielleicht "beste Erfindung" der Formel-1-Geschichte.

Der verstellbare Heckflügel sorgte für einigen Diskussionsbedarf. Die Weltmeister Sebastian Vettel und Jacques Villeneuve warnten, dass die Überholmanöver zu künstlich werden könnten.

Doch gerade die zahlreichen Passiervorgänge in der ersten Saisonhälfte 2011 machten die Rennen wieder zu mehr Spektakel (Deutschland-GP, 1. Training, Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Neben DRS spielen da natürlich auch die neuen Pirelli-Reifen eine wichtige Rolle, genau wie das wieder eingeführte KERS.

Doch wie hat sich die Einführung des DRS tatsächlich auf die Überholvorgänge in der laufenden Saison ausgewirkt?

Insgesamt 623 Überholmanöver

In den ersten neun Saisonrennen gab es laut Statistiken von Mercedes GP insgesamt 623 Überholmanöver, inklusive Manövern zwischen Teamkollegen sowie von schnelleren Autos gegen die letzten drei Teams.

Nicht mitgezählt wurden die Vorgänge in der ersten Runde oder das Vorbeifahren an beschädigten Autos.

Geringer DRS-Anteil

Die entscheidende Frage dabei lautet, wie hoch der Anteil von DRS-bedingten Überholerfolgen ausfällt.

Von den 623 Überholvorgängen entfielen 180 auf DRS und 225 auf normale Überholmanöver.

Werden die 175 Manöver der schnellsten gegen die langsamsten Teams und die 43 teaminternen Manöver abgezogen, wurde DRS bei 29 Prozent aller erfolgreichen Überholvorgänge eingesetzt.

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

Vier Rennen stechen heraus

In vier der neun Rennen gab es mehr DRS- als normale Überholmanöver: Schanghai, Istanbul, Barcelona und Valencia.

29 Prozent sind eine erstaunlich geringe Prozentzahl, wenn vor allem die Rennen in Istanbul und China in Betracht gezogen werden.

Das Überholen beim Türkei-GP im DRS-Abschnitt schien so selbstverständlich, dass wenn es ein Fahrer nicht schaffte, er irgendeinen Fehler begangen haben musste.

Große Unterschiede

Zum Vergleich: In Istanbul gab es insgesamt 50 Positionswechsel mit Hilfe von DRS, was 41 Prozent aller Manöver ausmacht.

In Melbourne waren es fünf, in Silverstone sechs und in Monaco gar nur zwei Manöver, was 11 Prozent der gesamten Überholvorgänge beim Rennen im Fürstentum bedeutet.

Der Europa-GP in Valencia profitierte am meisten vom verstellbaren Heckflügel. Die Hälfte aller Überholvorgänge resultierte aus DRS, so viel wie bei keinem anderen Kurs.

Einfluss nicht übermäßig

Die Zahlen lassen vermuten, dass DRS das Überholen zwar erleichtert, aber dennoch keinen übermäßigen Einfluss hat.

So hat Silverstone mit nur sechs DRS-Manövern ein spannendes Rennen bis zum Schluss geliefert, der Grand Prix in Istanbul mit seinen 50 hingegen ein weit weniger erinnerungswürdiges.

Reifen nicht entscheidend

Natürlich spielen auch die Reifen eine wichtige Rolle.

Die hart kritisierten Pirellis mit ihrer geringen Lebensdauer haben einen großen Einfluss auf das Renngeschehen, weniger aber auf die Überholvorgänge auf der Strecke.

Rund 54 Prozent aller Überholmanöver entfielen auf Autos, deren Reifen weniger als fünf Runden Unterschied bei der Laufzeit aufwiesen.

Nach Halbzeit der Saison kann also festgehalten werden, dass sowohl die Fürsprecher, als auch die Gegner des DRS weiter auf ihren Standpunkten beharren können.

Streckenführung bestimmt Möglichkeiten

Denn der verantwortliche Faktor für Überholmöglichkeiten ist immer noch die Streckencharakteristik.

Istanbul, Kanada und Schanghai mit ihren sehr langen Geraden bieten ohnehin gute Gelegenheiten, den Gegner aus dem Windschatten zu passieren, mit oder ohne DRS. Monaco und Valencia hingegen bilden das genaue Gegenteil.

Die neuen Regeln helfen, dass auf Kursen wie Valencia mehr Action ist. Allerdings müssten nach den Erfahrungswerten speziell in Istanbul die DRS-Zonen bei zukünftigen Rennen noch etwas modifiziert werden.

So kann eine wirklich gesunde Mischung auf allen Rennstrecken den Fans Freude bereiten.

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