vergrößernverkleinern
So sieht er aus, der "F60": Felipe Massa (l) und Kimi Räikkönen vor ihrem neuen Arbeitsgerät © intern

Ferrari präsentiert als erstes Formel-1-Team den neuen Boliden. Der neue rote Flitzer heißt "F60" - und wirkt deutlich aggressiver.

Mugello - Die neue rote Göttin ist geboren: Als Felipe Massa seinen neuen Ferrari sah, war es Liebe auf den ersten Blick, und Kimi Räikkönen richtete sofort eine Kampfansage an die Konkurrenz.

"Wir werden einen neuen Angriff fahren und wollen beide WM-Titel holen", sagte der ehemalige Weltmeister bei der Präsentation des "F60". Teamchef Stefano Domenicali setzte seine beiden teuersten Angestellten vor dem 60. Jahr in der Königsklasse gleich mächtig unter Druck:

"Die Formel 1 ist unser Leben, und unser Ziel ist es, immer zu gewinnen." Als erstes Formel-1-Team stellten die Italiener ihr neues Auto für diese Saison vor.

Statt Prunk und Pomp regierten bei dem kurzen Auftritt des Konstrukteurs-Weltmeisters Bescheidenheit und Sparsamkeit, auch der neue rote Renner kommt optisch eher schlicht daher.

Deutlich breitere Front

Der neue Wagen unterscheidet sich wegen der umfassenden Regeländerungen stark von seinem Vorgängermodell. Front- und Heckflügel wurden neuen Aerodynamik-Vorgaben angepasst. Die Front fällt überdies deutlich breiter aus - während sich der Flügel am Heck schmaler und höher gestaltet ist als in den Vorjahren zuvor.

Was sogleich ins Auge fällt beim neuen Modell: Weit außen angebrachten Rückspiegel, eine hohe Nase mit einem weit nach hinten gezogenen Frontflügel.

Auf zusätzliche Lufteinlässe für KERS in den Seitenkästen wurde ganz verzichtet, ebenso auf Zusatzflügel. Auch zur Überraschung von Massa: "Wegen der neuen Regeln habe ich mir den neuen Boliden anders vorgestellt, mit großen Flügeln wie vor zehn Jahren", sagte der Brasilianer.

Auch Massa überrascht

Und ergänzte: ""Jetzt aber bin ich überrascht. Das Auto sieht ganz nett aus, hoffentlich ist es auch genauso schnell." Der Brasilianer war beim WM-Finale 2008 in seiner Heimatstadt Sao Paulo schon für 39 Sekunden Weltmeister. Doch dann entriss ihm Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton die Fahrer-Krone und krönte sich zum jüngsten Formel-1-Champion aller Zeiten.

Der 23-jährige Brite bekommt sein neues Dienstfahrzeug am Freitag erstmals zu sehen. Glaubt man Massa, ist der hauchdünn verpasste WM-Titel für ihn eine zusätzliche Motivation. "Ich fühle mich jedes Jahr stärker. Vor allem nach den Erfahrungen im Vorjahr", versicherte der 27-Jährige: "Dadurch gehe ich motivierter und noch erfahrener in die Saison."

Massa durfte nun auch die ersten Runden mit dem neuen Ferrari fahren. Mit leuchtenden Augen schwärmte er: "Das war ein sehr emotionalen Moment."

Live-Übertragung im Netz

Die Fans konnten das Spektakel erstmals auch live im Internet verfolgen (Die Rollouts 2009: "Rote Göttin" virtuell).

Räikkönens Begeisterung hielt sich beim ersten Anblick in Grenzen. "Wenn man das Auto ein paar Mal gesehen hat, gewöhnt man sich daran", meinte der "Iceman" scheinbar unbeeindruckt und fügte artig an: "Er sieht anders aus, aber trotzdem gut."

Räikkönen steht bei den Roten nach nur zwei Siegen im Vorjahr unter Druck. Sollte sich der Finne nicht enorm steigern, muss er angeblich seinen Platz für den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso räumen. "Das vergangene Jahr ist sicherlich nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber das ist Vergangenheit", sagte Räikkönen.

Domenicali verhalten

Wegen der ungewohnt großen Anzahl der Änderungen war Teamchef Domenicali 76 Tage vor dem Saisonstart in Melbourne nur verhalten optimistisch. "Wir mussten sehr viele prägende Änderungen in sehr kurzer Zeit vornehmen", meinte Domenicali: "Das wird eine ganz spezielle Saison. Aber ich hoffe, dass wir von Anfang an konkurrenzfähig sind."

Umso wichtiger sind in dieser "schwierigen Situation" (Domenicali) die Tipps des inzwischen als Berater tätigen Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher. "Michael hat so große Erfahrung wie niemand sonst. Er hat uns einige sehr sehr wichtige Informationen gegeben", sagte Domenicali.

"Schumis" Urteil wichtig

Deshalb sei es auch "selbstverständlich", dass der siebenmalige Weltmeister bei der Jungfernfahrt des neuen Boliden durch Massa in Mugello vor Ort war. Vor allem in Bezug auf die Bridgestone-Slicks, die erstmals seit 1997 zugelassen sein werden, war Schumachers Urteil dem Konstrukteurs-Weltmeister wichtig.

Der Name - erwartet worden war die Bezeichnung 2009 - ist der Tatsache geschuldet, dass die Formel 1 in ihre 60. Saison geht und Ferrari als einziges Team immer dabei war.

Keine Motoren für Honda

Derweil wurde bekannt, dass Ferrari dem ums Überleben in der Formel 1 kämpfenden Honda-Team aller Voraussicht nach keine Motoren liefern wid.

"Die Wahrscheinlichkeit tendiert gegen Null", sagte Teamchef Stefano Domenicali.

Honda-Teamchef Ross Brawn hatte eine entsprechende Anfrage an seinen ehemaligen Arbeitgeber gerichtet, nachdem der japanische Automobilkonzern seinen Ausstieg erklärt hatte. Ferrari liefert bereits Motoren an Toro Rosso.

Die Roll-outs 2009 im Überblick:

Ferrari - 12. JanuarToyota - 15. JanuarMcLaren-Mercedes - 16. JanuarWilliams - 19. JanuarRenault - 19. JanuarBMW - 20. JanuarRed Bull - 9. FebruarToro Rosso - unbekanntForce India - unbekannt

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel