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Schock in Silverstone: Durch den Unfall verpasste "Schumi" 1999 sechs Rennen © getty

Drei Jahre nach seinem Rücktritt aus der Formel 1 schildert Michael Schumacher, wie nah er dem Tod war. Bei seinem schweren Unfall 1999 in Silverstone.

Von David Lemmer

Sein Herzschlag hatte schon aufgehört, er wähnte sich bereits an der Schwelle des Todes: Bald zehn Jahre ist es her, als Michael Schumacher, mit 107 Stundenkilometern und in einem 90-Grad-Winkel in den Reifenstapel schoss.

Jeder, der die Bilder des bis zur Hälfte zusammengefalteten Ferrari F 399 sah, hat sie bis heute nicht vergessen.

Doch erst jetzt offenbart der siebenfache Formel-1-Champion in einem Interview anlässlich seines 40. Geburtstags das wahre Ausmaß des Horror-Crashs - und wie nahe er dabei dem Tod war.

Rückblende: Es war der 11. Juli 1999, als Michael Schumacher in der ersten Runde des achten Saisonrennens in Silverstone in einer Rechtskurve innen an Teamkollege Eddie Irvine vorbeizog.

Bremsendefekt bei über 200

Schlimmer: Die Reifen seines roten Flitzers blockierten bei Tempo, die Bremsen versagten, und Schumacher knallte geradeaus durch ein Kiesbett in einen Reifenstapel.

Ein Entlüftungsventil der linken vorderen Bremse hatte sich gelockert - Bremsflüssigkeit trat aus und die Bremse dadurch ebenso.

In einem ZDF-Interview schildert der Kerpener nun erstmals ganz genau und ungemein emotional den Moment, als sein Leben am seidenen Faden hing: "(ich) fühle plötzlich wie mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus."

Ohnmacht oder Schockzustand

"Schumi" weiter: "Ich weiß nicht, wie lange ich weg war. Oder ob es jetzt einfach nur eine Ohnmacht oder ein Schockzustand war. Ich weiß nur, dass mein Herz aufgehört hat zu schlagen, vom Gefühl her." Sein kurioses Fazit mit fast zehn Jahren Abstand: "Es war eine interessante Erfahrung."

Der letzte Satz zeigt aber auch, wie gelassen der 40-Jährige dem Thema dennoch begegnet - und es vielleicht auch deshalb damals nicht an die allzu große Glocke gehängt hat. Die Süddeutsche Zeitung verglich es mit den Worten: "Deshalb klingt bei ihm eine Unfallschilderung auch nicht wie eine Sensation, sondern wie ein Telemetriecheck."

Spontan fühlte sich Schumacher an den tödlichen Unfall des legendären Brasilianers Ayrton Senna am 1. Mai 1994 in Imola erinnert. Dort habe er plötzlich festgestellt, "dass man in dem Sport, den man liebt, zu Tode kommen kann."

Das sagt der Mediziner

"Das war ja über viele Jahre überhaupt nicht mehr der Fall gewesen. In Anführungsstrichen war Ayrton Senna doch ein Idol für mich, und das war dann schon ein Schicksalsschlag, der ziemlich hart war für mich."

Der Bonner Epileptologe Dr. Christian Hoppe erklärte Schumachers Schilderung in der "Bild" nun auch aus medizinischer Sicht: "Der überwältigende Eindruck, dass man dem Geschehen nichts entgegensetzen kann, sorgt für eine sachliche Sicht. Außenstehende würden dagegen in Panik geraten."

Und weiter: "Da sackt das Blut aus dem Kopf, danach kann man sich an nichts mehr erinnern."

Dem PS-Rausch verfallen

So oder so: Schumacher kam mit einem Schien- und Wadenbeinbruch ohnehin glimpflich davon. Bei dem Aufprall, als der Kerpener mit dem Kopf aufs Cockpit schlug, zerbarst auch der Helm.

Trotz der Familienidylle, die Schumacher mittlerweile ohne Berufsdruck genießen kann, und ungeachtet des Unfalls in Silverstone, kann Schumacher nicht vom Geschwindigkeits-Kick lassen.

Seine freie Zeit verbringt er auf Showrennen wie in London beim "Race of Champions" ("Deutsches Traum-Duo räumt in Wembley ab") oder gelegentlichen Motorradrennen. ("Honda- Angebot an Schumi")

"Ich liebe Motorsport, ich liebe den Wettkampf, und ich liebe neue Erfahrungen", so Schumacher. "Und Motorradfahren ermöglicht mir eine komplett neue Faszination."

Doch noch mal ein Comeback?

Zwischen 1991 und 2006 bestritt Schumacher 249 Rennen in der Formel 1 und holte dabei 1369 Punkte holte, die ihm sieben Titel einbrachten.

Ein, zwei Mal habe er daher tatsächlich an eine Rückkehr in den professionellen Motorsport gedacht, so Schumacher, der inzwischen als Berater bei Ferrari tätig ist: "Rein von den fahrerischen Möglichkeiten her hätte ich die Möglichkeit wahrscheinlich noch immer."

Es habe aber einen Moment gegeben, "wo ich wirklich keinen Sinn mehr darin gesehen habe, mich zu motivieren und noch weiter Rennen zu fahren. Das habe ich auch nicht wirklich mehr vermisst. Es war einfach genug. Ich habe es 16 Jahre lang gemacht, und es war nichts mehr da, was mich noch gereizt hätte."

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