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Kritischer Blick: Mario Theissen blickt dennoch optimistisch in die Zukunft © getty

Die Bayern wollen die WM gewinnen - und müssen drastisch sparen. Doch trotz Finanzkrise rechtfertigt Motorsportchef Theissen das Engagement in der Formel 1.

Von Kristof Reitemeyer

München - BMW-Sauber will ab der nächsten Saison den Angriff auf die Formel-1-Spitze starten. Vorbei offenbar die Zeiten, in denen man sich mit der Rolle der "dritten Kraft" hinter Ferrari und McLaren zufrieden gab.

"Ich denke nicht dauernd an den ersten Sieg. Denn das Ziel ist, die WM zu gewinnen und nicht nur ein Rennen", hatte Spitzenfahrer Nick Heidfeld in Valencia während der Vorstellung des neuen Boliden "F1.09" 57132(Die Bilder) vollmundig verlauten lassen.

Kurzum: Die Bayern wollen endgültig zum Titelkandidaten aufsteigen und blasen zur Aufholjagd.

Drastische Kürzungen

Finanziell gesehen scheint die Entwicklung des Teams allerdings ganz anders. Denn: Die globale Wirtschaftskrise hinterlässt auch bei den Bayrischen Motorwerken unübersehbar ihre Spuren - und Motorsportchef Mario Theissen bestätigt die Befürchtungen um drastische Budgetkürzungen.

Im Hintergrund des selbstbewussten Auftritts in Valencia wurde eines deutlich: Trotz aller sportlichen Ziele muss das Team die Finanzplanungen für die nächsten Jahre noch einmal gehörig umstellen.

"Wir erwarten für 2009 eine Budgetkürzung und für 2010 ebenfalls", erklärte Theissen.

"Unser Etat ist gesichert"

So wurde jüngst das geplante Testteam aufgelöst. Zudem macht man sich Gedanken, die Renncrew zu verkleinern, um die Einsparungen zu erreichen. Bedeutet konkret: In der letzten Saison konnte das Team auf eine Unterstützung von 350 Millionen Euro zählen. In diesem Jahr hingegen will BMW rund 100 Millionen Euro weniger bereitstellen.

Dennoch stellte Theissen klar: "Unser Etat für dieses Jahr ist gesichert."

Auch ausgefallene Sponsorengelder lässt den BMW-Sportchef offiziell nicht unruhig werden. Zuletzt zogen sich die beiden Partner "Credit Suisse" und "Dell" zurück ? auf Grund der Finanzkrise. Dadurch fehlen dem Team zusätzlich zehn Millionen Euro.

"Leere Flächen" am Auto

Das Auto habe noch "zwei, drei leere Flächen am Auto", so Theissen. Aber große Sorgen mache er sich nicht.

Anders als die Mitarbeiter des Gesamtkonzerns: Parallel zur F1-Präsentation wurde für 26.000 Mitarbeiter eine vorübergehende Kurzarbeit angekündigt. Die betrifft neben München vor allem die Werke in Dingolfing und Landshut, in denen die Motoren für die F1-Boliden gebaut und Teile dafür gegossen werden.

Ungeachtet dessen bekräftigte Theissen sein Engagement im Motorsport. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass es erste Rückzuge aus der Formel 1 gegeben hat, plane man "bereits den Etat für 2010".

Marketing als Zugpferd

Heidfeld sieht es ebenso gelassen - und denkt vor allem an den sportlichen Erfolg: "Nach den großen Fortschritten im vergangenen Jahr müssen wir diesmal keinen so großen Schritt mehr gehen." Die WM ist allem übergeordnet (Heidfeld will den WM-Titel) - Perspektive und Zukunft des Teams scheinen sicher.

Theissen führt dafür noch ein weiteres Argument ins Feld: "Die Formel 1 bringt BMW aus Gesichtspunkten des Marketing und der Technologieentwicklung deutlich mehr ein als sie kostet."

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