Pleite der Nürburgring GmbH: F1-Rennen in Gefahr
Mainz - Die Nürburgring GmbH muss in die Insolvenz, hofft aber dennoch auf den Verbleib der Formel 1 auf der Traditionsstrecke in der Eifel.
"Wir haben uns entschlossen, unseren Gesellschafter zu beauftragen, den Aufsichtsrat einzuberufen und ein geordnetes Insolvenzverfahren einzuleiten", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck am Tag nach dem verweigerten Rettungsdarlehen der EU-Kommission.
Ein entsprechender Antrag werde nun beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler eingereicht. Anschließend werde ein Insolvenzverwalter bestimmt, der zukünftig die Fäden am Nürburgring in der Hand halten wird.
Rückzahlungen nicht zu stemmen
Die Rückzahlungen der Kredite für den umfangreichen Ausbau sind nach der ausgebliebenen EU-Hilfe in Höhe von 13 Millionen Euro nicht zu stemmen.
Kurios: Während die Pressekonferenz des SPD-Politikers noch lief, versendeten die Geschäftsführer des Nürburgrings in einem letzten verzweifelten Modellversuch eine Pressemitteilung.
In dieser stellten sie klar: Nach einer Übereinkunft mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sei das Rennen in der Eifel weiter gesichert - falls das Land ihm das Personal des Nürburgrings zur Verfügung stelle und der Brite als Veranstalter auftreten könne.
"Auf ein Konzept verständigt"
"Die Gesellschafter der Nürburgring Automotive GmbH, Jörg Lindner und Kai Richter, haben sich mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone auf ein Konzept verständigt, nach dem auch künftig die Formel 1 auf dem Nürburgring gesichert ist", teilte die GmbH mit:
"Bereits ab dem Rennen 2013 würde Ecclestone auf die Zahlung einer Fahrerfeld-Gebühr verzichten. Damit entfielen künftig Zuschüsse des Landes Rheinland-Pfalz für das Rennen. Im Gegenzug würde Ecclestone als Veranstalter am Nürburgring auftreten und sämtliche Kosten tragen, aber auch alle Einnahmen beanspruchen."
Jedes Jahr in Hockenheim?
Womöglich wird der Deutschland-GP in Zukunft aber auch wieder dauerhaft auf dem Hockenheimring veranstaltet, wo am kommenden Sonntag das zehnte Rennen der Saison stattfindet.
Hockenheim-Geschäftsführer Georg Seiler kann sich dieses Szenario unter Umständen vorstellen. Er gehe zwar nach wie vor davon aus, dass der Nürburgring auch weiterhin alle zwei Jahre ein Formel-1-Rennen stemmen könne, sagte er in "Auto, Motor und Sport".
Doch er stellte auch klar: "Ich sehe durchaus eine Möglichkeit, dass die Formel 1 wieder jedes Jahr nach Hockenheim kommt. Dann müsste aber alles stimmen: Die Kostenseite, der Vertrag, die Politik und vieles mehr."
Druck auf das Land
Die Nürburgring GmbH übt indes weiter Druck auf das Land Rheinland-Pfalz aus und glaubt an die Durchführbarkeit des Konzeptes mit Ecclestone.
Man habe Innenminister Roger Lewentz am Montag über die Übereinkunft informiert und deutlich gemacht, "dass es nur noch ein kleines Zeitfenster für die Zustimmung des Landes für die nun erreichte Lösung gebe".
Man erwarte hierzu eine kurzfristige positive Stellungnahme.
Becks Hoffnungen enttäuscht
"Wir konnten bis vor wenigen Tagen davon ausgehen, dass unser Ansinnen eines Rettungsdarlehens dort auf offene Ohren stößt", sagte derweil Beck.
Das Land Rheinland-Pfalz hat das Projekt "Nürburgring 2009" mit 330 Millionen Euro unterstützt. Beck hatte das Darlehen stets als Strukturhilfe für die Eifel-Region verteidigt. "Wir würden heute vieles anders machen", sagte er am Mittwoch.
Telefonat mit Merkel?
Der Landesvater soll nach Medienberichten Anfang der Woche sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat darum gebeten haben, bei der EU um einen positiven Bescheid zu werben.
Beck erklärte nun, die Wettbewerbskommission der EU habe durch ein aufwendiges und zeitraubendes Prüfverfahren eine Hilfe unmöglich gemacht. Die Vorgehensweise der EU nannte er deshalb "bedenkenswert".