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Was meinst du, wer wird's? Hamilton, Massa und Kollegen © getty

Wer wird 2009 Formel-Weltmeister? Kaum jemand will eine Prognose wagen. Doch alle sind sich sicher: Alles wird diesmal anders.

Von Marc Ellerich und Conny Konzack

München - Die Verantwortlichen der Formel 1 müssen derzeit einen schmerzhaften Spagat bewältigen: Sie müssen die PS-Königsklasse durch die schwerste Krise seit ihrer Existenz führen (Finanzkrise: "Es ist nicht mehr zu verantworten").

Und zugleich müssen die Rennställe die Serie auf eine neue Saison vorbereiten, die sie vor so viele Neuerungen stellt, wie kaum zuvor.

Nicht nur für das Weltmeister-Team McLaren-Mercedes gilt daher die Einschätzung von Motorsportchef Norbert Haug auf Sport1.de-Nachfrage.

Während einer Telefonkonferenz anlässlich des Silberpfeil-Rollouts 55649(Die Bilder) sagte er: "Noch nie waren Prognosen schwieriger als jetzt, noch nie wurde in kürzerer Zeit mehr geändert."

"Jahr der Neuerungen"

Vom "Jahr der Neuerungen", sprach der Schwabe weiter, "bei den Slicks angefangen, über Aerodynamik, Motoren bis hin zu KERS".

Haugs Fazit: "All das gepaart ist die größte technische Herausforderung, der sich die Formel 1 in ihrer Geschichte jemals gestellt hat."

Von Haugs BMW-Kollegen Mario Theissen ist Ähnliches zu vernehmen: "Es gibt zurzeit viele Fragezeichen und viele Wege, die man gehen kann. Entsprechend viel kann man richtig oder falsch machen", wird der Motorsportdirektor bei "Motorsport-Total.com" zitiert.

Erkundungsfahrt durch die Fremde

Die ersten Tests der Teams kamen Erkundungsfahrten durch ein fremdes Land gleich. Oberstes Ziel aller Teams: Herauszufinden, ob das neue Paket überhaupt funktioniert. Vor allem KERS bereitet vielen Rennställen nach wie vor große Probleme (Sprengstoff mit vier Buchstaben).

Und wieder gilt für alle anderen, was Mercedes-Manager Haug nach der ersten Erprobung des neuen Silberpfeils in Portimao/Portugal zusammenfasste: "Es geht nicht um die Funktion. Es geht um die Sicherheit."

Haug meinte das neue Energie-Rückgewinnungssystem KERS, welches die Teams erstmals einsetzen können - aber nicht sicher sind, ob sie auch sollen.

Haug lehnt Prognose ab

Derlei komplizierte Details sind für die meisten Fans eher uninteressant. Das glaubt auch Niki Lauda. Gegenüber Sport1.de sagte der dreimalige Weltmeister: "Die Slicks sieht doch der normale Zuschauer gar nicht. Der sieht weiterhin schlanke, farbige Autos mit dicken schwarzen Walzen an allen vier Enden."

Und auch die Beobachter der Medien interessiert viel mehr, welche Auswirkungen die Neuerungen auf die Hackordnung in der PS-Liga haben werden.

Doch vorherzusagen, wer 2009 das Rennen machen wird, ist selbst für Spezialisten nahezu unmöglich.

Haug etwa lehnt jegliche Prognose grundsätzlich ab. Im Gegensatz zu dem mächtigen Sportdirektor wagt sich Toyotas Technischer Direktor Pascal Vasselon weit vor.

Keine Normalität

"Es deutet nichts darauf hin, dass es einfach so normal weitergeht wie letztes Jahr, " sagte der Franzose gegenüber dem Fachblatt "Motorsport aktuell".

Vasselon glaubt nach seinen ersten Eindrücken an eine Revolution in der Hochgeschwindigkeitsbranche: "Das Kräfteverhältnis scheint sich tatsächlich zu verschieben."

Die Boliden seien - anders als in der Vergangenheit - auf einem ähnlichen Niveau: "Das war letztes Jahr nicht so; da war McLaren gleich voraus."

Wer ist der Schnellste?

Dass sich dieses labile Gleichgewicht bis zum Saisonstart in zwei Monaten noch verschieben wird, weiß Vasselon natürlich.

Denn nicht nur Ferrari wird nach dem jüngsten Schummelvorwürfen (Neuer Ferrari eine Mogelpackung) mit einem gründlich runderneuerten F60 in Melbourne aus der Garage rollen. Auch Renault muss fieberhaft an Nachbesserungen arbeiten.

Vorerst darf leidenschaftlich darüber spekuliert werden, wer im Moment der Schnellste ist. Das tut auch F-1-Zampano Bernie Ecclestone bei Sport1.de. Der mächtige Mogul glaubt: "Auch wenn McLaren, Ferrari und BMW sicher wieder die dominierenden Teams sein werden, rechne ich mit Überraschungen von Red Bull, Toyota oder Williams."

Auch "Motorsport aktuell" sieht nach den Regen-Tests in Portugal Toyota und Williams auf demselben Niveau wie McLaren, fühlt sich mit diesem Urteil aber offenbar selbst nicht wohl.

"Nicht Sieg, sondern der Titel"

Denn nur einen Artikel weiter wird "BMW auf Anhieb in die Favoritenrolle" gedrängt. Vor allem der weite Entwicklungsstand des KER-Systems könnte ein Vorteil für den deutsch-schweizerischen Rennstall sein.

Vielleicht durch die Fortschritte am "Turbo-Knopf" ermutigt, gab BMW-Pilot Nick Heidfeld die Zielvorgabe für 2009 aus: "Nicht ein Sieg, sondern der Titel ist das Ziel."

Mit ähnlich ambitionierten Zitaten sorgt auch die Konkurrenz für Medienrummel.

Nur eine Frage ist vor dieser krisenbelasteten Saison noch spannender als die nach dem kommenden Weltmeister: Jene nämlich, wie viele Teams sie überhaupt beginnen werden (Ecclestone rettet Williams) .

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