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Mosley will von Weltmeister Hamilton in Zukunft 2100 Euro pro WM-Punkt © getty

Die Fronten zwischen Max Mosley und den Formel-1-Fahren sind verhärtet - ein Boykott ist nicht mehr auszuschließen.

München - Fahrer gegen Funktionäre: Ausgerechnet im Jahr der schwersten Finanzkrise proben die Formel-1-Millionäre den Aufstand gegen den Automobil-Weltverband FIA.

Die Fahrervereinigung GPDA greift FIA-Präsident Max Mosley wegen der ihrer Meinung nach zu hohen Superlizenz-Gebühren in scharfer Form an.

Die drastischen Preiserhöhungen für den Formel-1-Führerschein seien "unangemessen und unfair", heißt es in einem offenen Brief der GPDA an diesem Wochenende.

Vor allem Mosleys Forderung nach Offenlegung der Gehälter sorgt im Fahrerlager für Entrüstung (Fahrer wehren sich).

Fahrer-Boykott droht

"Fahrergehälter sind vertraulich und sollten nur den Fahrern, ihrem Management und ihren finanziellen Beratern zugänglich sein. Das sollte auch von allen respektiert werden", heißt es im Statement der GPDA, die bis zum Saisonstart in sieben Wochen in Melbourne (29. März) auf eine Einigung hofft.

Im schlimmsten Fall könnte es Gerüchten zufolge sogar zu einem Fahrer-Boykott kommen.

Friedensangebot von Mosley

Mosley hatte den Fahrern ein Friedensangebot gemacht. "Ich habe ihnen gesagt: Gebt mir Details zu eurem Einkommen, dann schaue ich, was ich machen kann. Aber sie wollen mir diese Informationen nicht geben", so der FIA-Präsident.

Sein Argument: Sollten die Gebühren die finanziellen Mittel eines Fahrers zu sehr belasten, könnte er sich etwas einfallen lassen.

Vor einem Jahr wurden die Superlizenz-Grundgebühren von 1690 auf 10.000 Euro angehoben, für jeden Punkt wurden 2008 statt 447 Euro in der vorherigen Saison nun 2000 Euro fällig.

270.000 Euro für Hamiltons Führerschein

In diesem Jahr sollen die Grundgebühr auf 10.400 Euro, die Punkte-Zahlungen auf 2100 Euro ansteigen. Weltmeister Lewis Hamilton (Porträt) muss somit beispielsweise 270.000 Euro für seinen "Führerschein" zahlen.

Mosley hält die Gebührensteigerung angesichts der Fahrergagen für angemessen. Hamiltons Gehalt bei McLaren-Mercedes wird auf 16 Millionen Euro geschätzt, Topverdiener Kimi Räikkönen (Finnland) kassiert bei Ferrari sogar mehr als 20 Millionen Euro.

Die GPDA moniert allerdings, dass die Erhöhung ohne Rücksprache mit den Piloten vorgenommen worden sei.

Piloten fordern angemessene Erhöhung

Die Fahrergewerkschaft ist nicht grundsätzlich gegen eine Preiserhöhung der Superlizenzen, diese müsse aber angemessen sein.

Daher hätten die Piloten angeboten, Steigerungen in Höhe der Inflationsraten vorzunehmen.

Falsch ist laut GPDA Mosleys Behauptung, das Geld würde in die Sicherheit investiert. Bei den Rennen würden die Streckenbetreiber die Sicherheitsvorkehrungen bezahlen, und bei den Autos seien die Teams verantwortlich und würden alle Kosten selbst aufbringen.

Haug hat Verständnis für die Fahrer

Mercedes-Sportchef Norbert Haug kann die Fahrer verstehen.

"Formel-1-Rennfahrer, die hohe Gagen verdienen, sollten auch einen nennenswerten Beitrag - speziell für Sicherheitseinrichtungen - bezahlen", sagte Haug, fügte aber hinzu: "Ein Freund von Steigerungsraten von mehreren hundert Prozent von einem Jahr auf das nächste bin ich dennoch ganz bestimmt nicht. Das passt nicht in unser aktuelles Klima, in dem Effizienz und Kostensenkungen mehr denn je gefordert sind."

Die GPDA verweist darauf, dass der Formel-1-Führerschein die mit Abstand teuerste Sportlerlizenz der Welt sei. Auf Platz zwei folgen die Lizenzen der US-Tourenwagenserie Nascar mit 3100 Euro - geradezu ein Schnäppchen im Vergleich zur Formel 1.

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