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Mit neuem Helmdesign zu neuen Erfolgen? Heidfeld (r.) bekommt Druck durch Kubica © getty

Sport1.de schätzt zusammen mit Formel-1-Experte Jacques Schulz die Chancen der Deutschen 2009 ein und stellt ein Ranking auf.

Von Julian Meißner

München - Neues Jahr, neues Glück: Die Vorbereitungen auf die neue Formel-1-Saison laufen auf Hochtouren.

Am 27. März startet die Königsklasse in Melbourne ins neue Jahr und damit in ungewisse Zeiten. Denn radikale Regeländerungen und die weltweite Finanzkrise geben der Hochgeschwindigkeitsliga ein neues Gesicht. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Fünf deutsche Piloten gehen auf Punktejagd - wie auch schon 2008. Den einzigen Cockpit-Wechsel nahm Shootingstar Sebastian Vettel vor, der vom Underdog Toro Rosso zum stärkeren Bruder Red Bull abwanderte.

Wer hat die besten Chancen? Kann ein Deutscher gar Weltmeister werden? Wer muss um sein Cockpit bangen?

Sport1.de wirft schon jetzt den Blick voraus, schätzt zusammen mit Formel-1-Experte und Premiere-Kommentator Jacques Schulz die Chancen der Deutschen ein und stellt ein Ranking auf.

1. Nick Heidfeld (BMW-Sauber):

"Quick Nick" steht in seinem zehnten Jahr als Stammpilot in der Formel 1 am Scheideweg. Der enorme Druck auf den 31-jährigen Mönchengladbacher ist noch einmal angewachsen, seit sein Rivale Robert Kubica im vergangenen Jahr in Kanada den ersten Sieg für die Weiß-Blauen einfuhr. Der Routinier geht die Situation offensiv an, sagt: "Mein Ziel in dieser Saison ist es, den Titel zu gewinnen, nicht nur ein Rennen." Auch wenn dies ohne einen Sieg auf dem Konto vermessen klingen mag, für ihn sprechen die Nervenstärke und die Erfahrung.

Das sagt Jacques Schulz:

"Nick muss sich diese hohen Ziele setzen. Er hat Erfahrung, er hat Top-Material, dennoch haben ihm andere im vergangenen Jahr den Rang abgelaufen. Heidfeld droht, als ewiges Talent zu versauern. Dieses Jahr muss er Ergebnisse liefern, er ist zum Siegen verdammt. Mehr noch: Er muss um den Titel mitfahren, sonst wäre seine F-1-Karriere nach der Saison wohl beendet. Deshalb formuliert er das auch so klar."

2. Sebastian Vettel (Red Bull):

Der Sensationssieger von Monza ist Heidfeld ganz dicht auf den Fersen. Mit dem Wechsel des hochtalentierten 21-Jährigen zu Red Bull erhöhen sich seine Aussichten auf Erfolge beträchtlich. Sollte er in der neuen Umgebung die nötige Nestwärme geboten bekommen, ist er ein Kandidat für den ersten Sieg eines Red-Bull-Boliden. Nachdem der späte Shakedown des RB5 wenig erfolgversprechend verlief, ließen die folgenden Testergebnisse aus Jerez aufhorchen. (Vettel im INTERVIEW)

Das sagt Jacques Schulz:

"Vettel ist nicht umsonst der beliebteste deutsche Pilot - er hat das Zeug, ganz oben mitzufahren. Und der neue Red Bull scheint wirklich gut zu sein. Mit dem Weggang von Toro Rosso hat Sebastian alles richtig gemacht, das Team wird als B-Mannschaft angesichts der Finanzkrise und ohne Gerhard Berger gnadenlos zurückfallen. Red Bull Racing dagegen kann als straff organisiertes Team auf Vettel und seine Intuition eingehen."

3. Timo Glock (Toyota):

Nach seinem Lehrjahr darf vom Odenwälder deutlich mehr erwartet werden als "nur" 25 Punkte und eine Podiumsplatzierung. Schon in der zweiten Saisonhälfte 2008 machte er Routinier Jarno Trulli ordentlich Dampf. Und Glock als Kämpfernatur wird sich auch durch Rückschläge nicht vom Weg abbringen lassen. Als Vorteil könnte sich zudem erweisen, dass Toyota das umstrittene KERS erst einmal zurückgestellt hat.

Das sagt Jacques Schulz:

"Toyota ist auf bestem Wege, zur Spitze aufzuschließen. Mit nach wie vor großem Budget hat dieser Weltkonzern eine echte Chance, im neunten Formel-1-Jahr endlich den ersten Sieg zu holen. Sollte es tatsächlich gelingen, Timo wäre der Mann dafür. Er hat sich 2008 enorm gesteigert. Die Testergebnisse lassen Großes vermuten. Einen Haken gibt es allerdings: Gewinnt Toyota 2009 kein Rennen, ist es mehr als möglich, dass auch dort der Stecker gezogen wird. Denn mit Honda ist der Lieblingsgegner bekanntlich nicht mehr im Rennen.

4. Nico Rosberg (Williams):

Für Rosberg wird 2009, wenn der 23-Jährige schon in sein viertes Formel-1-Jahr geht, eine ganz entscheidende Phase seiner Karriere. Dass er plant, zukünftig ganz vorne mitzumischen, hat er immer betont - das ging 2008 mit Williams und WM-Platz 13 in die Hose. Die chronisch klammen Briten werden es nun noch schwerer haben, zu den Top-Teams aufzuschließen. Erst ein Vorschuss von Bernie Ecclestone rettete den Traditionsrennstall vor dem Aus. Rosbergs fahrerische Qualitäten sind unbestritten, aber das Auto dürfte ihm erneut einen Strich durch die Rechnung machen. (Ecclestone rettet Williams)

Das sagt Jacques Schulz:

"Williams wird wohl auch 2009 leider nicht den Sprung nach oben schaffen. Dem Team fehlen einfach die Ressourcen. Der Rennstall droht, das Tyrell-Team der Neuzeit zu werden: In den Siebzigern gewannen sie alles, um dann in der Versenkung zu verschwinden. Rosberg muss deshalb eine Karrieredelle fürchten. In der Vergangenheit gab es für Nico keine Option, zu einem Top-Team zu wechseln. Sein Parkplatz bei Williams droht nun zur Abschleppzone zu werden."

5. Adrian Sutil (Force India):

Der Bayer geht mit 26 Jahren in sein drittes Formel-1-Jahr und bildet das Schlusslicht der deutschen Piloten. Auch 2009 wird daran nicht zu rütteln sein. Zu unterlegen ist sein Auto, auch wenn man sich bei Force India aufgrund der Regeländerungen natürlich den Anschluss ans Mittelfeld erhofft. Die Ausgangsposition als Underdog ist allerdings gut: Sutil kann fast nur gewinnen.

Das sagt Jacques Schulz:

"Adrian hat im Gegensatz zu den anderen Deutschen vergleichsweise geringen Druck - auch wenn Teambesitzer Vijay Mallya mit McLaren-Technologie trotz der Krise richtig angreift. Routinier Giancarlo Fisichella steht da schon eher in der Pflicht. Force India muss in erster Linie die Zuverlässigkeit erhöhen und punktuell mit guten Ergebnissen bei glücklichen Umständen Zeichen setzen."

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