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Fernando Alonso konnte den Kurs in Valencia nur per Video studieren © getty

Der Formel-1-Tross erwartet mit Spannung den neuen Europa-GP am kommenden Wochenende in Valencia. Es gibt jedoch auch Ängste.

Von Julian Meißner

München - Die dreiwöchige Sommerpause nähert sich ihrem Ende, der neue Europa-Grand-Prix wirft seinen Schatten voraus. Mit Spannung blickt die Formel 1 auf das Debüt-Rennen in Valencia am kommenden Wochenende.

Der spektakuläre Stadtkurs, der auch durch den America's-Cup-Hafen führt, birgt für die Fahrer eine große Herausforderung - und Gefahren.

"Es wartet ein fantastisches Ereignis auf uns. Die Strecke sieht toll aus", schwärmt WM-Leader Lewis Hamilton: "Ich liebe Straßenkurse. Aber diese Piste sieht extrem schnell aus und scheint an einigen Stellen wenig Fehler zu verzeihen."

Keine Auslaufzonen am Hafen

Besonders eine Passage über eine Brücke im Hafen, in der es keinerlei Auslaufzonen gibt, könnte sich als äußert haarig erweisen.

"Um ehrlich zu sein: Die Strecke sieht verdammt schnell aus", bestätigt Hamiltons McLaren-Mercedes-Teamkollege Heikki Kovalainen.

Die Generalprobe für eines der Highlights der Saison ist bereits vor einiger Zeit erfolgreich verlaufen. Im Juli wurde der Kurs mit Formel-3-Rennen und GT-Läufen getestet.

Die Anwohner laufen Sturm

Carlos Garcia, Präsident des spanischen Motorsportverbands, musste allerdings jüngst eingestehen, dass es mit einer solchen Strecke "immer kleine Probleme" gebe. Zwischenzeitlich liefen beispielsweise die Anwohner wegen der Lärm- und Geruchsbelästigung Sturm.

Mittlerweile überwiegt jedoch die Vorfreude. Honda-Testpilot Alex Wurz sagt: "Die Stadt ist absolut sportvernarrt, sie haben Fußball und den America's Cup. Jetzt werden sie für die Formel 1 eine gute Show liefern. Ich denke sogar, dass Valencia sich sehr schnell als eines unserer Lieblingsrennen etablieren wird."

Alonso muss Video schauen

Lokalmatador Fernando Alonso musste sich in der Vorbereitung auf sein zweites Heimrennen des Jahres nach Barcelona auf ein intensives Videostudium verlassen.

"Wir haben keinen Simulator, der so etwas bewerkstelligen kann", erklärte der Renault-Pilot. Top-Teams wie McLaren-Mercedes besitzen Simulatoren, mit denen sich auch neue Kurse virtuell exakt abbilden lassen.

Dabei ermittelten die Techniker der Silberpfeile, dass mit einem Abtriebsniveau ähnlich zum Rennen in Hockenheim gefahren werden wird.

Ein Kumpel fährt die Strecke ab

Alonso ging es mit etwas weniger Hightech an. "Ein Freund von mir war bei den Rennen, hat eine Runde in einem normalen Straßenwagen gedreht und hatte eine Kamera mit dabei. Dabei ging es nur darum, den Kurs etwas kennen zu lernen", so der Spanier.

Auch Reifenmonopolist Bridgestone betritt in Valencia Neuland. Die Japaner rücken mit den beiden Spezifikationen "soft" und "supersoft" am Mittelmeer an - genau wie in Singapur, wo im September das erste Nachtrennen der Formel-1-Geschichte stattfinden wird.

Kein zweites Monaco

Auch wenn in Valencia die Verbindung zum legendären Monaco-GP an der Cote d'Azur auf der Hand liegt, viel haben die beiden Stadtkurse nicht gemeinsam.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erklärt die Knackpunkte der 5,440 Kilometer langen Strecke: "Die Zielgerade ist mit nur 185 Metern die kürzeste im diesjährigen Formel-1-Rennkalender. Wir rechnen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 225 Stundenkilometern, was die Strecke auf Position acht der schnellsten Kurse rückt. Für ein Straßenrennen ist das eher untypisch. Das klingt vielmehr nach Silverstone oder Monza - innerhalb einer Stadt."

Bei McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh sorgen genau deshalb die eng bemessenen Auslaufzonen und die vielen Betonbarrieren für Sorgenfalten.

Er sagt: "Wir werden eine Menge Ersatzteile mitnehmen. Hoffentlich brauchen wir sie nicht."

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