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Das Formel-1-Feld könnte sich bald um weitere Teilnehmer lichten © imago

Die fetten Jahre sind vorbei: Nach dem ING-Ausstieg bei Renault geht in der Formel 1 die Angst um. Besonders Williams ist gefährdet.

München - Die Sponsoren sind verschreckt, die Teams verunsichert, und sogar der große Zampano Bernie Ecclestone fürchtet eine Rezession.

Die fetten Jahre in der Formel 1 scheinen endgültig vorbei, immer mehr Geldquellen versiegen angesichts der weltweiten Finanzkrise.

"Alle Banken werden verschwinden. Als Auslöser der Krise passen die Geldinstitute einfach nicht mehr zum Image der Formel 1", sagte der frühere Rennfahrer und heutige Experte Marc Surer.

Der Schweizer stützt seine Einschätzung auf Aussagen diverser Bankmanager, die er kürzlich bei einem Fahrkurs unterrichtete.

Am Montag wurde Surers Horror-Szenario von der Wirklichkeit eingeholt, da schockte die Bank- und Versicherungsgruppe ING die Königsklasse. (Renault: Sponsor weg)

Der Titelsponsor des Renault-Rennstalls um den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso wird das auf mehr als 50 Millionen Euro geschätzte Engagement zum Jahresende einstellen.

Briatore bleibt zuversichtlich

Renault-Boss Flavio Briatore sieht die Zukunft des Teams über 2009 hinaus dennoch nicht gefährdet. Schließlich habe man ein Jahr Zeit, um sich nach neuen Geldgebern umzuschauen.

"Wir wissen seit geraumer Zeit, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Umstrukturierung in der Formel 1 erfordern", sagt der Teamchef.

Ein rigoroser Sparkurs stehe laut Briatore auf der Agenda ganz oben: "Wenn wir unser Programm weiterführen, bin ich zuversichtlich, dass wir eine stabile Zukunft für unser Team und die gesamte Formel 1 garantieren können", meint der Italiener.

Das sieht Hans-Joachim Stuck ähnlich. "Bei den reduzierten Budgets sind jetzt vor allem vernünftige Konzepte gefragt", sagte der VW-Repräsentant.

Williams in Gefahr

Akut gefährdet ist derzeit Nico Rosberg mit dem Williams-Team. Die Royal Bank of Scotland (RBS) kommt ohne Staatshilfen nicht mehr über die Runden und wird sich die Formel 1 vermutlich nicht länger leisten können.

Das Kreditinstitut hat einen Verlust von rund 28 Milliarden Euro zu beklagen.

ING und Credit Suisse steigen aus

"Die Banken haben in der Formel 1 bisher auf großem Fuß gelebt, doch die Party ist jetzt vorbei", sagt Surer, der die Krise dennoch für eine vorübergehende Erscheinung hält: "Die Formel 1 hat ja auch das Ende das Tabakimperiums im Sponsoring überlebt, es gibt immer wieder etwas Neues. Die Räder werden sich schon weiterdrehen."

Vielleicht nur etwas langsamer, so wie bei Renault nach dem ING-Ausstieg. Wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilte, wird der über drei Jahre laufende Vertrag mit dem französischen Hersteller nicht verlängert.

Wegen der Wirtschaftskrise hatte bereits Credit Suisse die Zusammenarbeit mit BMW-Sauber beendet.

Rote Zahlen, Sparprogramm, Stellenkürzungen

Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und der Bankenkrise sah sich die ING gezwungen, ein Sparprogramm über eine Milliarde Euro zu beschließen. 7000 der weltweit 130.000 Stellen sollen gestrichen werden.

Für den Renault-Rennstall brechen damit schwere Zeiten an, denn auch der Mutterkonzern schreibt rote Zahlen, wurde zuletzt von der französischen Regierung im Rahmen eines Hilfspaketes ebenso wie Peugeot finanziell unterstützt.

Ecclestone weiß um den Ernst der Lage

Auch Ecclestone hat den Ernst der Lage erkannt. Der Milliardär rettete seinen alten Kumpel Sir Frank Williams unlängst mit einem Vorschuss aus dem Einnahmetopf in Höhe von etwa 15 Millionen Euro vor dem drohenden Aus. (Ecclestone fordert Salary Cap)

Ob der Formel-1-Boss bei einem RBS-Rückzug allerdings noch weiteres Geld in das Team stecken würde, steht in den Sternen.

Honda macht den Anfang

Schon unmittelbar nach dem Saisonende 2008 hatte das Honda-Team den sofortigen werksseitigen Rückzug aus der Königsklasse verkündet.

Für den Rennstall wird derzeit noch ein Käufer gesucht. Falls dieses Vorhaben scheitert, sind 2009 nur neun Teams mit insgesamt 18 Autos am Start. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Die neue Saison beginnt am 29. März mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne und umfasst 17 Rennen, das sind nach Streichung von Magny-Cours und Montreal zwei weniger als 2008.

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