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Keine Lust auf eine große Feier zum 60. Geburstag: Niki Lauda © getty

Er überlebte sein "Barbecue" und hat zwei Spendernieren - doch ein Brimborium zum 60. Geburtstag wäre Niki Lauda "zu brutal".

München - Er überlebte die Flammenhölle auf dem Nürburgring und lebt mit zwei Spendernieren - eigentlich könnte Andreas Nikolaus Lauda, den alle nur als Niki kennen, in jedem Jahr gleich dreimal Geburtstag feiern.

Doch aus großen Feiern macht der Österreicher sich nichts. Er wäre am liebsten auch am Sonntag, an dem er 60 Jahre alt wird, allein mit seiner zweiten Frau Birgit zum Essen gegangen.

Nur auf ihren sanften Druck hin ließ er sich auf "den einzigen Kompromiss ein, den ich zu meinem Geburtstag eingehe".

Bedeutender Geburtstag lange her

Jetzt gibt es eine kleine Feier auf Ibiza, mit seiner ersten Frau Marlene, seinen Söhnen Lukas und Mathias und drei, vier Freunden.

Alles andere wäre "zu brutal" gewesen, sagt der dreimalige Formel-1-Champion in einem Interview des Fachblattes "Motorsport aktuell".

"Mich jucken Geburtstage nicht", meint der Mann mit dem markanten roten Kapperl. Der seiner Meinung nach letzte wichtige Geburtstag ist bereits 39 Jahre her. "Mit 21 ist man volljährig. Da kann man überall hinfahren und in den USA Alkohol kaufen", sagt er.

"Mein Barbecue"

Vielleicht sind ihm die zahlreichen markanten Jahrestage auch einfach zu viel geworden.

Zum Beispiel der 1. August, an dem er 1976 auf der Nürburgring-Nordschleife einen schrecklichen Feuer-Unfall überlebte.

Noch heute spricht er von diesem Moment sarkastisch als "meinem Barbecue". Auch seine beiden Nierentransplantationen - 1997 von seinem Bruder Florian und 2005 von seiner heutigen zweiten Ehefrau Birgit - könnte er als Geburtstage ansehen.

Im Monsunregen kapituliert

Lauda ist ein Stehaufmännchen - sportlich, privat und beruflich. 1976 kam der Ferrari-Pilot, der aus einer begüterten Wiener Industriellen-Familie stammt, sich seine ersten Schritte im Rennsport aber als LKW-Beifahrer finanzierte, nur 42 Tage nach dem Crash auf dem Nürburgring zurück in die Formel 1.

Als ob es Koma, Verätzungen der Lunge, schwerste Verbrennungen und die letzte Ölung nie gegeben hätte, fuhr er wieder Rennen und hätte beinahe sogar seinen WM-Titel aus der Vorsaison noch erfolgreich verteidigt.

Beim letzten Saisonrennen in Fuji aber steuerte er seinen Ferrari im monsunartigen Regen freiwillig an die Box und überließ seinem britischen Kontrahenten James Hunt den Titel.

"Ich wollte mich nicht ein zweites Mal umbringen", sagte er später.

Knappste Entscheidung der F 1

Im Jahr darauf holte er sich den Titel zurück und verabschiedete sich nach zwei schwächeren Jahren bei Brabham 1979 aus der Königsklasse, um sich seiner neu gegründeten Fluglinie Lauda Air zu widmen.

1982 kehrte er bei McLaren in die Formel 1 zurück und holte 1984 im Teamduell mit Alain Prost seinen dritten WM-Titel.

Ein halber Punkt Vorsprung bedeutete den bis heute knappsten WM-Ausgang in der Formel 1. 1985 hing Lauda den Helm dann endgültig an den Nagel.

Flugzeugabsturz reißt 223 Menschen in den Tod

Seine Fluglinie machte er zu einem profitablen Unternehmen, das er 2000 endgültig an den großen Konkurrenten Austrian Airlines verkaufte.

Doch auch in diesem Bereich musste Lauda Rückschläge verkraften, den schlimmsten am 26. Mai 1991. Eine Boeing 767 stürzte auf dem Weg von Bangkok nach Wien kurz nach dem Start in Thailand ab und riss 223 Menschen in den Tod.

"Das war die schwierigste Aufgabe in meinem Leben", sagt Lauda, der in den Untersuchungen so lange nachbohrte, bis eine defekte Schubumkehr als Absturzursache ermittelt wurde.

Seit 1995 Experte im TV

"Sie musste weltweit auf allen Flugzeugen, nicht nur in den Boeings, umgebaut werden. Jetzt kann so ein Problem nicht mehr auftauchen", meint Lauda, der sich im Falle eines menschlichem Versagen sofort aus dem Luftfahrtgeschäft zurückgezogen hätte.

In dem ist er heute noch tätig, mit einer neuen Fluglinie (Niki), die er 2003 gegründet hat.

Nie losgekommen ist er aber von der Formel 1. Länger als bei seinem Ex-Team Ferrari (Berater von 1993 bis 1995) und Jaguar, wo er von Februar 2001 bis November 2002 Teamchef war, hält er es bei "RTL" aus. Bereits seit 1995 ist Lauda für den Kölner Sender als Experte tätig.

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