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2009 sind in der Formel 1 neun Teams am Start - ohne Honda-Nachfolger © getty

USF1 will mit schlankem Team und außergewöhnlichem Vorbild die Formel 1 aufmischen. Unterstützung kommt vom McLaren-Teamchef.

Von Julian Meißner

München - Als der Große Preis der USA 2008 aus dem Rennkalender verschwand, schien der Niedergang der Formel 1 in Amerika nicht mehr aufzuhalten.

2009 findet nach dem Wegfall des Kanada-Grand-Prix kein einziges Rennen in Nordamerika mehr statt.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten als Formel-1-Diaspora? Mit dem Einstieg des USF1-Teams ab 2010 könnte die Entwicklung nun in eine ganz andere Richtung gehen.

Die Amerikaner um Teamchef Ken Anderson und Sportdirektor Peter Windsor wollen die Königsklasse des Motorsports in den USA wieder populär machen. Am Dienstag hatte das neue Team seine mit Spannung erwartete Vision präsentiert. ("Jetzt kommt unsere Zeit")

"Die Formel 1 ist das größte Sportereignis der Welt", erklärt Windsor nun bei "Crash.net" den geplanten Einstieg: "Größer als die Fußball-WM, größer als die Olympischen Spiele, größer als der Super Bowl".

Das Franchise-System sei "einfach wunderbar", der Business-Plan "großartig". Zudem brauche die Formel 1 die USA als Markt.

"Wir wollen beweisen, dass amerikanische Technologie mindestens gleichwertig mit allem in Europa ist", sagt der ehemalige Williams-Manager.

Keine europäische Domäne?

Die Formel 1 sei keine europäische Domäne mehr, seit die Rennen zur Hälfte außerhalb Europas stattfinden, so Windsor.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte in den vergangenen Jahren für neue Austragungsorte wie Abu Dhabi und weitere Rennen in Asien gesorgt.

Dies ist laut Windsor auch die "Rechtfertigung" dafür, das neue Team auf amerikanischem Boden an den Start zu bringen. Eine Dependance in der alten Welt ist dennoch in Planung - Gerüchten zufolge soll diese in Spanien entstehen.

Rüstungskonzern als Vorbild

Ein kompaktes Team mit der Minimalzahl an Mitarbeitern soll schnell für Erfolge sorgen. Für seine Mannschaft hat Windsor ein ungewöhnliches Vorbild: den Rüstungskonzern Lockheed.

Dieser habe, so der Sportdirektor, mit einem ähnlichen Konzept unter anderem den Tarnkappenbomber F-117 entwickelt.

Was die Besetzung des Cockpits angeht, brodelt die Gerüchteküche. Neben den US-Piloten Marco Andretti und Danica Patrick - beides potenzielle PR-Zugpferde - sind nun auch der brasilianische F-1-Haudegen Rubens Barrichello und NASCAR-Star Kyle Busch im Gespräch.(US-Team plant mit Frauen-Power)

Whitmarsh ist begeistert

Während viele Experten in Europa skeptisch sind, glaubt der künftige McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, dass die Formel 1 nun reif für den endgültigen Durchbruch in den USA ist.

In der Vergangenheit stand die Hightech-Klasse dort klar im Schatten der äußerst populären Stock-Car-Serien NASCAR und IndyCar.

"Ein US-Team mit mindestens einem US-Fahrer wäre ein exzellentes Vehikel für alle Beteiligten, um kommerziell in der weltweit größten Volkswirtschaft tätig zu sein. Die USA sind ein Schlüsselmarkt für alle Hersteller - und auch für viele ihrer Sponsoren", so Whitmarsh bei "Autosport". (Stuck: "Ohne die USA keine richtige WM")

Alleine deshalb begrüße man die Bemühungen Windsors und Andersons. "Ich bin sicher, dass alle Formel-1-Manager das so sehen", sagte Whitmarsh, der die Nachfolge des zurückgetretenen Urgesteins Ron Dennis antritt.

USA-GP: Rückkehr wird lanciert

Der Brite stellte zudem klar, dass hinter den Kulissen an der Rückkehr der USA in den Rennkalender gearbeitet wird. Die Veranstalter des Rennens in Indianapolis waren sich mit Ecclestone zuletzt nicht einig geworden. (Der Rennkalender 2009)

Gute Ergebnisse des neuen Rennstalls, der im Herbst 2009 einen ersten Boliden testen will, wären dabei sicher zuträglich.

Windsor sagt selbstbewusst: "Im zweiten Jahr sollten wir um die Punkte fahren. Danach ist nur der Himmel die Grenze."

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