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Die Schadensersatzzahlungen der Affäre ließ Max Mosley der FIA zukommen © getty

FIA-Präsident Max Mosley spricht offen über seine Sadomasochismus-Affäre. Er wittert Intrigen und lenkt auf ein anderes Problem.

Hamburg - Die Anfeindungen der letzten Monate haben bei Max Mosley Spuren hinterlassen.

Der 69 Jahre alte Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA lässt eine erneute Kandidatur um das Amt derzeit noch offen.

Die Entscheidung darüber stehe aber in keinem Zusammenhang mit dem im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Sex-Skandal um seine Person.

"Was meine Arbeit für die FIA angeht, ist diese Geschichte zu Ende, tot, irrelevant", sagte Mosley dem "Spiegel".

"Aber es ist wichtig, aufzuhören, bevor es heißt, er wird langsam wirklich alt. Ich muss mich bis zum Sommer für eine Kandidatur entscheiden." ad

"Das Spektrum ist breit"

Rund ein Jahr nach den in der britischen Sonntagszeitung "News of the World" veröffentlichten pikanten Mosley-Bildern ist für ihn die Sache dahingehend abgehakt.

"Ich habe nichts mehr zu verheimlichen. Ich neige grundsätzlich zu eher liberalen Ansichten. Das Spektrum sexueller Aktivitäten ist enorm breit. Ich bin der Meinung, dass alles möglich sein soll, vorausgesetzt es sind Erwachsene, die das aus freien Stücken machen".

Mosley fügte an: "Solange es niemand schadet, es vollkommen legal ist, sollte man sich darüber nicht allzu viele Gedanken machen".

Das erste Mal vor über 40 Jahren

Was den Briten allerdings stört, ist die Verletzung seiner Privatspähre: "Von meinen Neigungen hat sonst niemand gewusst. Das erste Mal habe ich es 1963 vor fast 46 Jahren ausprobiert, nie kam bisher auch nur etwas davon heraus."

Leid tut ihm nur seine Familie. "Meine Frau war geschockt und ist es noch heute. Für meine Söhne ist es vielleicht noch ärger."

"Ja, es war Sadomasochismus"

Aus diesem Grund habe er auch gegen die Berichterstattung geklagt und vor Gericht Recht bekommen. Die Veröffentlichung sei völlig illegal gewesen, deswegen sei er auch trotz des zu erwarteten Wirbels in der Öffentlichkeit sofort "im Angriffsmodus" gewesen.

Vor allem die "total erfundene Nazi-Geschichte" habe ihn "sehr wütend gemacht".

"Ohne die Nazi-Sache wäre es niemals von öffentlichem Interesse gewesen. Ja, es war Sadomasochismus, es macht ja auch keinen Sinn, das abzustreiten, aber daraus eine Nazi-Geschichte zu stricken, das ist wirklich unfassbar. Dominanz und Bestrafung sind völlig apolitisch", verteidigte sich der 68-Jährige.

Eine Intrige der Formel 1?

Dass die SM-Falle möglicherweise von Hintermännern aus der Formel 1 (Rennkalender 2009) gestellt wurde, hält Mosley nach wie vor für möglich: "Die Damen, die involviert waren, erschienen mir bis dahin als absolut vertrauenwürdig. In der Formel 1 habe ich den einen oder anderen in Verdacht, aber keinen hundertprozentigen Beleg. Es gibt sehr viele Leute, die mich gerne loswerden würden."

Mosley glaubt, er würde "vielen Leuten im Weg stehen", weil er versuche, die Ausgaben in der Formel 1 drastisch zu kürzen.

Da sei es unmöglich, sich keine Feinde zu machen. "Es geht nicht um meine Person, sondern um meine Rolle im Business. Es geht um Prestige, Interessen und große Egos," sagt Mosley, der "seine Person stärker sieht als früher", weil er sich gestellt habe.

"Haben ein anderes Problem"

Im Formel-1-Zirkus interessiere die Affäre nicht mehr, auch weil inzwischen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Mittelpunkt stünden (Honda-Rettung steht bevor).

"Wen interessiert es, was er in seinem Privatleben treibt. Wir haben ein ganz anderes Problem. Seit die großen Autokonzerne ihr Geld reinpumpen, herrscht eine Kultur der Verschwendung", meinte Mosley.

"Das Streben nach Erfolg hat über jegliche finanzielle Disziplin gesiegt. Die Spitzenteams haben inzwischen Jahresetats von etwa 400 Millionen Dollar. Ich finde es unmoralisch", prangerte der FIA-Präsident an (Mosley fordert den totalen Einblick).

Der Brite fordert, dass die Kosten weiter radikal eingeschränkt werden müssen. "Langsam begreift auch der Letzte, wie unsinnig das Wettrüsten ist. Vielleicht müssen wir das Prinzip ändern. Technische Freiheiten gestatten und stattdessen die Budgets kürzen."

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