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Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo steht der Team-Vereinigung vor © getty

Die Formel-1-Teams stellen ihre Pläne für die Zukunft der Rennserie vor. Sie wollen die Kosten senken und die Show verbessern.

Genf - Billiger, besser, bewegender:

Einig wie nie zuvor und mit großer Leidenschaft wollen die Teams der Formel 1 gemeinsam ihren Sport in eine positive Zukunft führen und aus der weltweiten Wirtschaftskrise sogar gestärkt hervorgehen.

Eine Halbierung der Kosten und eine verbesserte Show sind die wichtigsten Eckpfeiler der Teamvereinigung FOTA, die ihre neuen Pläne für die Königsklasse am Donnerstag in Genf präsentierte.

Dabei boten Vertreter aller Teams auf dem Podium ein beeindruckend stimmiges Bild.

di Montezemolo: "Haben eine klare Vision"

"Zum ersten Mal sind die Teams vereinigt und standhaft und haben eine klare Vision", sagte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo als Chef der FOTA, die für die Königsklasse Stabilität, Nachhaltigkeit, Substanz und Show anpeilt.

"Mit diesem Maßnahmenpaket sehe ich die Formel 1 auf einem guten Weg", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen in Genf.

"Das ist ein richtiger Schritt, und dieser ist auf Initiative aller Formel 1-Teams entstanden, was besonders wichtig ist", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Geringere Kosten, neues Punktesystem

Nach den bereits für die Saison 2009 beschlossenen Einsparungen will die FOTA mit weiteren Vorschlägen für 2010 die Gesamtkosten für einen Rennstall im Vergleich zum vorigen Jahr um 50 Prozent senken.

Verbesserungen soll es dabei in jedem der drei Arbeitsbereiche der FOTA geben: Technik, Sport und Vermarktung. Die Vorschläge sollen in den nächsten Tagen dem World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA sowie FIA-Präsident Max Mosley präsentiert werden.

Bereits für die am 29. März in Melbourne beginnende Saison 2009 hat die FOTA noch ein neues Punktsystem vorgeschlagen. Der Sieger soll künftig 12 statt bislang 10 Punkte erhalten, um den Erfolg wertvoller zu machen. Der Zweitplatzierte soll 9 (statt 8), der Dritte 7 (statt 6) Zähler bekommen.

Haug und Theissen optimistisch

Dass die Vorschläge auch den Gefallen der FIA finden, davon sind die Sportchefs der beiden deutschen Automobilhersteller überzeugt.

"Die FIA wird sicher nicht Vorschläge abweisen, die Kosten senken und den Sport noch besser machen", sagte Haug.

Theissen meinte: "Das sind die Vorschläge aller Teams, und mehr als einstimmig etwas vorzuschlagen, kann man nicht tun."

Teams bis mindestens 2012 in der Formel 1

Montezemolo erklärte zudem, dass alle Teams ihre Breitschaft signalisiert haben, mindestens bis 2012 in der Formel 1 zu bleiben.

Weil sich "die Bedingungen geändert" hätten, so der FOTA-Chef, sei jetzt auch ein baldiger Abschluss eines neuen Concorde Agreements, das die finanziellen Belange der Formel 1 regelt, bis Ende 2012 möglich: "Noch vor dem Saisonstart, wir hoffen, sogar bis zum 18. März."

Motoren, Getriebe und KERS sollen billiger werden

Für 2010 plant die FOTA weitere signifikante Kostensenkungen. Motoren sollen für fünf anstatt wie in diesem Jahr noch für acht Millionen Euro, Getriebe für 1,5 Millionen Euro angeboten werden. Das neue Energierückgewinnungssystem KERS soll standardisiert werden, was die Kosten um 80 Prozent reduziert. (Massa will kürzere Rennen)

"Die Kosten für KERS waren in diesem Jahr mit Abstand der größte Budgetposten aller Teams", sagte Montezemolo. Die neue Technik, die jedes Team bislang selbst entwickelt hat, darf ab 2009 eingesetzt werden und bietet den Fahrern durch das Auffangen und Speichern von Bremsenergie in jeder Runde für 6,7 Sekunden 82 zusätzliche PS.

Honda-Nachfolger mit Mercedes-Motoren

Das ehemalige Honda-Team, das nach dem Ausstieg des japanischen Konzerns immer noch auf einen Käufer wartet, soll allein für die KERS-Entwicklung 90 Millionen Euro ausgegeben haben. (Honda-Rettung steht bevor)

Generaldirektor Nick Fry zeigte sich in Genf aber vorsichtig optimistisch, dass das Team noch gerettet werden könnte, und bedankte sich bei den anderen Rennställen für die große Unterstützung in den vergangenen Wochen. Sollte das Team doch noch einen Investor finden, würde Mercedes Motoren liefern.

"Wir müssen offener für die Fans werden"

Neben gesenkten Kosten will die FOTA aber auch die Einnahmen der Formel 1 erhöhen, vor allem durch die Erschließung neuer Fans und damit auch neuer Sponsoren. Um die Bedürfnisse der Zuschauer herauszufinden, führte die FOTA eine große Umfrage in 17 Ländern durch.

"Wir müssen offener für die Medien und die Fans werden. Im Moment sind wir einfach zu perfekt", sagte Renault-Teamchef Flavio Briatore als Vorsitzender der kommerziellen Arbeitsgruppe der FOTA.

Transparenz durch technische Neuerungen

Viele technische Neuerungen sollen dem Fan während der Rennen eine bessere Übersicht verschaffen.

Er soll durch Fernsehen und Internet jederzeit über Benzinmengen oder Abstände auf der Strecke informiert werden und alle Funksprüche zwischen Fahrern und Teams mithören können.

Zusätzliche Boxen-Stopp-Wettbewerbe und ein geändertes Qualifying könnten zudem mehr Spektakel bieten.

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