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Ross Brawn wechselte im November 2006 von Ferrari zu Honda © getty

Das Ex-Honda-Team firmiert nun unter dem Namen seines Hauptbesitzers. Die Rede ist von einem symbolischen Kaufpreis.

München - Freie Fahrt für "Superhirn" Ross Brawn: Der bisherige Teamchef hat den Formel-1-Rennstall des japanischen Automobilkonzerns Honda übernommen und den Start des Rennstalls beim Saisonauftakt der Königsklasse am 29. März in Melbourne gesichert.

Dort wird das Team unter dem neuen Namen Brawn GP Formula One Team mit den bisherigen Honda-Fahrern Jenson Button und Rubens Barrichello (Brawn hält Barrichello an Bord) und mit Motoren von Mercedes antreten.

Damit werden beim Großen Preis von Australien wie bisher zehn Teams mit 20 Autos am Start sein.

Brawn ist zufrieden

"Die letzten paar Monate waren extrem stressig für das Team, aber diese Bekanntgabe ist der sehr erfreuliche Abschluss unserer Anstrengungen, seine Zukunft zu sichern", sagte der 54 Jahre alte Brawn, der die Einigung in einer gemeinsamen Erklärung mit Honda am Freitagmorgen bekannt gab.

Das "Superhirn" hinter Schumi

Der Brite hatte Rekordweltmeister Michael Schumacher bei Benetton und Ferrari zu allen sieben WM-Titeln geführt und war seit November 2006 Teamchef von Honda.

Die Japaner verkündeten aber dann Anfang Dezember 2008 als Reaktion auf die weltweite Wirtschaftskrise ihren Rückzug aus der Formel 1.

Über den Kaufpreis für die kompletten Team-Anteile, die an den früheren Technischen Direktor von Benetton und Ferrari übergingen, machten der Brite und die Japaner keine Angaben.

In den letzten Wochen war von einem symbolischen Preis von einem britischen Pfund, allerdings verknüpft an weitreichende Garantien für die rund 700 Mitarbeiter der Rennstalls, die Rede.

Zusätzliches Geld für Mercedes

"Es ist gut für die Formel 1 und für das Team, dass der Fortbestand gesichert ist. 18 statt 20 Autos wären nicht das richtige Signal gewesen", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, dessen Konzern neben Force India jetzt auch Brawn Motoren liefert.

"Wir haben die Kapazitäten, weil wir für unser eigenes Team laut den Vorschriften weniger Motoren bauen. Mit den beiden Kundenteams verdienen wir jetzt Geld und diese Einnahmen helfen unserem Kostensenkungsprogramm. Eine win-win-win Situation für die Formel 1, das Brawn GP Team und für uns" sagte er. (Jetzt neu: Das große Formel-1-Quiz)

Haug hat das gerettete Team sogar auf der Rechnung: "Ich wäre nicht überrascht, wenn Brawn GP positiv überraschen könnte. Das Team hat eine perfekte Infrastruktur, und Ross Brawn weiß, wie Konkurrenzfähigkeit entwickelt wird."

Brawn setzt auf Erfahrung

Mit der Entscheidung für Button und den 36 Jahre alten Barrichello, mit 268 Starts (9 Siege) der Fahrer mit den meisten Einsätzen in der Königsklasse, setzt Brawn auf den Faktor Erfahrung.

Dafür verzichtete er auf den 25 Jahre alten Brasilianer Bruno Senna. Der Neffe des 1994 verstorbenen dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna wechselt möglicherweise zu Mercedes in die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft.

"Die große Erfahrung, die beide Fahrer einbringen, werden sich als unbezahlbar für das Team erweisen, da wir in der kürzest möglichen Zeit für das erste Rennen bereit sein müssen", sagte Brawn.

Kurzer Test in Silverstone

Trotz des Rückzugs von Honda hatte der Rennstall die Entwicklung des neuen Autos so gut wie möglich fortgesetzt.

Der neue Bolide soll nach einer ersten kurzen Ausfahrt in Silverstone bei den letzten beiden offiziellen Tests in Barcelona und Jerez auf die Saison vorbereitet werden.

Nach dem ersten Rennen sind dann keine weiteren Testfahrten mehr erlaubt.

Vorteile für die größeren Hersteller-Teams

Generaldirektor Nick Fry, der auch in der neuen Teamstruktur eine führende Position bekleiden wird, hatte schon am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Teamvereinigung FOTA in Genf erklärt, dass neben der großen Unterstützung durch die anderen Teams die von der FOTA bereits auf den Weg gebrachten und für 2010 zusätzlich angedachten Kostensenkungen sehr hilfreich für die Rettung des Teams waren.

Doch nicht nur Brawn GP profitiert von den sinkenden Kosten durch die Limitierung von Motoren und Getrieben, dem Verzicht auf teure Werkstoffe oder der rigorosen Einschränkung von Testfahrten.

Auch für die größeren Hersteller-Teams wird in Zeiten der Wirtschaftskrise das Formel-1-Leben einfacher. "Wir liegen 2009 mit unseren Kosten 40 Prozent unter denen von 2005", erklärte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Und damals waren die Münchner "nur" Motorenlieferant von Williams.

Mercedes zufrieden

Auch Konkurrent Mercedes spart erfolgreich.

"Wir haben in den letzten drei Jahren die Kosten auf der Motorenseite um über 30 Prozent gesenkt. Unser Formel 1-Budget ist heute deutlich kleiner als noch vor fünf Jahren", sagte Haug: "Wir arbeiten effizient und glauben, auch Weltmeister beim besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu sein."

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