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Sieben Teams werden in Melbourne offenbar ohne KERS an den Start gehen © getty

Kurz vor Saisonstart zeichnet sich ab, dass nicht mal eine Handvoll Teams zum WM-Auftakt mit dem neuen System an den Start gehen wird.

Von Manuel Krons

München - Viel schlemmen über den Winter durften die Formel-1-Fahrer nicht. Die meisten haben sich einer strengen Diät unterzogen.

Grund ist die Einführung von KERS (Kinetic Energy Recovery System), mit dem in der neuen Saison zusätzliches Gewicht im Auto anfallen wird. Mit der Hungerkur wollen die Piloten und ihre Teams gegensteuern und die zusätzlichen Kilos kompensieren.

Selbst der leichtgewichtige BMW-Pilot Nick Heidfeld gab jetzt zu, er habe "mehr als zweieinhalb Kilos" verloren. Möglicherweise könnte das winterliche Fasten jedoch umsonst gewesen sein.

Immer mehr Teams müssen zugeben, dass sie es bis zum Saisonauftakt am 29. März in Melbourne nicht schaffen werden, ein fuktionierendes KERS-Paket an den Start zu bringen (Sprengstoff mit vier Buchstaben).

"Wir haben noch nicht entschieden"

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel erklärte zu Wochenbeginn überraschend, sein Team werde in Australien (Rennkalender) auf das Energierückgewinnungssystem verzichten.

Das Force India Team, bei dem der Deutsche Adrian Sutil einen der beiden Boliden lenkt, wird ebenfalls ohne KERS auf die ersten WM-Runden gehen.

Und auch beim Vorreiter-Rennstall in Bezug auf das neue System, BMW-Sauber, ist die Frage "Mit oder ohne KERS?" noch nicht abschließend geklärt.

"Wir haben bis jetzt noch nicht entschieden ob wir es in Melbourne einsetzen werden oder nicht", sagte Heidfeld am Dienstag. "Vielleicht nutzen wir es auf manchen Strecken und auf anderen nicht. Auf schnellen Kursen mit langen Geraden, ja. Auf langsameren Kursen wie Monaco, nein."

Nur McLaren und Ferrari mit KERS?

Bisher hat nur der Weltmeisterrennstall McLaren-Mercedes ein klares Bekenntnis abgegeben, dass sie beim ersten Rennen die Vorteile des so genannten "Turbo-Boost"-Knopfes nutzen wollen (McLaren setzt auf KERS). "Wir sind auf einem Niveau angekommen, an dem wir KERS jeden Tag einsetzen können, verlässlich, ohne jedes Problem und mit maximaler Kraft", erklärte Pilot Heikki Kovalainen.

Ferrari kämpfte zwar bei den Testfahrten in Barcelona am Dienstag noch mit der KERS-Kühlung. Dennoch wird auch der ewige Silberpfeil-Rivale Ferrari im Prestigeduell nicht das Nachsehen haben wollen. Die Roten werden daher alles tun, um in Melbourne die neue Technik einsetzen zu können.

"Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Level, daher wird hoffentlich alles gut gehen", sagte Kimi Räikkönen in Barcelona. Das Problem mit der Kühlung werde von den Ingenieuren sicherlich schnell behoben, so der Finne.

"Wir haben kein KERS"

Hinter den beiden "Großen" haben fast alle Teams die Segel gestrichen: Toyota, Williams, Red-Bull-Schwester Toro Rosso und ebenso der Honda-Nachfolger Brawn GP haben ihr KERS-Debüt verschoben.

"Wir haben kein KERS. Das ist möglicherweise etwas für später in der Saison. Bisher haben wir es noch nicht berücksichtigt", sagte Teamchef Ross Brawn.

Renault könnte für Überraschung sorgen

Einzig das Renault-Team könnte versuchen, beim Saisonstart mit McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW in punkto Entwicklung Schritt zu halten und mit einem eigenen Energierückgewinnungssystem aufwarten.

"Ich gehe davon aus, dass wir es in Australien einsetzen werden, weil es zwei oder drei Zehntelsekunden bringt", sagte Rennstall-Boss Flavio Briatore.

Zumindest für die Renault-Piloten Fernando Alonso und Nelson Piquet wäre eine winterliche Diät dann nicht vollkommen sinnlos gewesen. (Jetzt neu: Das große Formel-1-Quiz)

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