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Keine Simulation: Heikki Kovalainen im Cockpit seines McLaren © imago

Die Formel 1 betritt beim Grand Prix in Valencia völliges Neuland. Die Piloten versuchen sich mit Supersimulatoren vorzubereiten.

Von Marc Ellerich

München - Nick Heidfeld wählt die konservative Methode: Er geht den neuen Stadtkurs in Valencia zu Fuß ab.

Auf den 5,4 Kilometern wird er sich damit in guter Gesellschaft seiner Kollegen befinden.

Denn das zwölfte Formel-1-Rennen der Saison, das ab Freitag (1. Freies Training, 10 Uhr LIVE ) erstmals in der levantinischen Metropole stattfindet, ist für Piloten und Ingenieure vor allem eines: ein großes Fragezeichen.

Asphalt, Bremspunkte, Kurvenverläufe - fast alles ist für den Formel-1-Zirkus am Valencia-Kurs (Video )unbekannt, dessen Bau mehr als 80 Millionen Euro gekostet haben soll.

Auf Schusters Rappen

Deshalb macht sich auch Heidfelds Kollege Robert Kubica auf Schusters Rappen auf Erkundungstour. "Es ist sehr wichtig, die Strecke abzugehen, ehe man das erste Mal fährt, um ein Gefühl für die Oberfläche und den Verlauf zu bekommen", erklärte der Pole.

Doch die Formel 1 wäre nicht die Formel 1, käme nicht auch jede Menge Hightech bei der Erkundung des Neulands zum Einsatz.

Die Teams bereiten sich mit Streckenplänen, Onboard-Aufnahmen, Internet-Videos und einem Wust von Zahlen und Daten auf den viel gepriesenen spanischen Parcours vor.

Akribische Piloten

BMW-Testpilot Christian Klien beschreibt bei "Motorsport-Total", mit welcher Akribie die Piloten dabei vorgehen.

"Als Fahrer tust du alles, um deine Hausaufgaben vor dem ersten Training fertig zu haben", so der Österreicher.

"Da es Valencia noch auf keinem Computerspiel gibt, helfen wir uns mit Onboard-Kameras vom einzigen Event, das es dort bisher gab: dem Formel-3-Rennen und GT-Open im Juli, wo sich schlauerweise einige GP-2-Fahrer genau deswegen angemeldet haben."

So habe man Bremspunkte, Ideallinie, heikle Stellen, sagt Klien: "Dann tastest du dich zehntelsekundenweise ans Limit heran."

Große Unterschiede

Doch damit ist es bei Weitem nicht genug. Eines der wichtigsten Werkzeuge der Fahrer bei ihrer Durchdringung des iberischen Geheimnisses sind Computerprogramme, die den Streckenverlauf bis ins winzigste Detail simulieren. Selbst die Höhe der Kerbs wird eingespeist.

Über die Supersimulatoren der PS-Branche wird vor dem Rennwochenende ein Gemisch aus Fakten, Halbwahrheiten und Gerüchten verbreitet.

So berichten die Experten von "Adrivo.com" von großen Qualitätsunterschieden der jeweiligen Apparate bei den einzelnen Teams.

BMW-Sauber, Toyota und Force India sollen in Sachen Simulations-Technik etwas schlechter ausgestattet sein. McLaren-Mercedes, das Williams-Team und auch Red Bull gehören zu den aufwändiger bestückten.

7500 Euro täglich

Das meiste Geld sollen jedoch Renault und Ferrari in die Hand genommen haben.

Der spanische Doppel-Weltmeister Fernando Alonso soll dabei sogar den hauseigenen, "Playstation" genannten, Simulator ignoriert haben, und das Gerät des ehemaligen Benetton-Technikchefs Nick Wirth benutzt haben - Kostenpunkt einer Tages-Session: 7500 Euro.

Wirth preist seinen Super-Computer in den höchsten Tönen: "Die Übereinstimmung zwischen Simulation und Realität ist höher als 95 Prozent."

Virtuelle Überholmanöver

Und natürlich versucht auch die Scuderia Ferrari, die Konkurrenz nicht nur auf der Strecke, sondern auch im virtuellen Raum zu überholen.

Um Anschluss an den in diesem Bereich überlegenen silbernen Konkurrenten zu halten, haben sich die Roten an das US-Unternehmen Moog gewendet, das auch auf den Gebieten Militär, Luft- und Raumfahrt arbeitet.

"Der dynamische Fahrsimulator ist ein neuer Schritt für uns und wird den Fahrern ein echtes Gefühl für eine realistische Umwelt verleihen", sagt Entwicklungsingenieur Marco Fainello.

So weit, so spannend, doch eines ist auch gewiss: Das wahre Leben könne selbst die beste Computer-Übung nicht ersetzen, glaubt der derzeit in der WM führende Lewis Hamilton: "Da wir auf der Strecke keine Erfahrungswerte besitzen, sind die Freien Trainings noch wichtiger als sonst."

Und auch sein früherer Rivale Alonso weiß:

"Am meisten lernt man, wenn man selber fährt."

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