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Giancarlo Fisichella (o.) bei einem spektakulären Crash mit Kazuki Nakajima in der Türkei 2008 © imago

Die neuen FIA-Regeln sorgen für schwere Verstimmung bei den Teams. Verbandschef Mosley kehrt dagegen die positiven Seiten hervor.

Von Martin Hoffmann und Marc Ellerich

München - Ein neues Punktesystem 2009 und eine Budgetobergrenze ab 2010: Es sind gleich zwei Revolutionen von oben, die das World Council der FIA der Formel 1 verordnet hat (Regel-Revolution in der Formel 1).

Und was für eine Sprengkraft die weitreichenden Beschlüsse haben werden, hat die erste Reaktion aus dem Teamlager gezeigt.

Mit "Enttäuschung und Besorgnis" registrierte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo im Namen der Rennstallvereinigung FOTA, "dass diese Entscheidungen auf unilaterale Weise getroffen sind".

Die "Essenz der Formel 1" sieht di Montezemolo gar in Gefahr.

FOTA hatte andere Pläne

Die Kritik zielt vor allem auf die ab Budgetgrenze, aber auch bei der Entscheidung ab 2009 die Anzahl der Siege über die Fahrer-WM entscheiden zu lassen 80690(DIASHOW: Der Check zur neuen Saison) hat die FIA sich hier gegen die FOTA gewandt.

Die Teams hatten vorgeschlagen, ab diesem Jahr Siege mit zwölf statt mit zehn Punkten zu honorieren, ohne dabei aber die Zahl der Siege über die Punktmenge zu stellen.

Über die jetzt von der FIA beschlossenen Reform zeigt Nick Heidfeld sich im Gespräch mit Sport1.de überrascht: "Ich habe nicht erwartet, dass so kurzfristig vor dem ersten Rennen so eine Regeländerung noch kommt."

"Alte Regelung ist mir lieber"

Es sei "natürlich logisch nachzuvollziehen, dass derjenige Weltmeister wird, der die meisten Siege hat. Aber ich begrüße das nicht, mir ist die alte Regelung lieber."

Und Heidfeld gibt auch zu bedenken: "Viele Regeln in den vergangenen Jahren - man mag sie nun nachvollziehen oder nicht - wurden damit begründet, die Formel 1 sicherer zu machen."

Wenn man das nun auf die neue Weltmeister-Regelung ganz streng anwenden würde, "müsste man sagen: Das macht die Formel 1 ganz bestimmt nicht sicherer."

"Verzweifelter Versuch"

Heidfelds Landsmann Adrian Sutil wird grundsätzlicher: "Mit kommt es so vor, als ob verzweifelt versucht wird, die Formel 1 noch interessanter, noch spektakulärer zu machen", meint der Force-India-Pilot in einem RTL-Interview.

Sein Vorschlag: "Vielleicht sollte man einfach mal alles so lassen, wie es ist, damit sich die Zuschauer auch über Jahre daran gewöhnen, wie die Formel 1 abläuft:"

Ecclestone erfreut

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der die Idee mit dem "Siegersystem" im Dezember ins Spiel gebracht hatte, ist dagegen hocherfreut, dass sie durchgesetzt wurde.

"Es wird die Fahrer veranlassen auf Sieg zu fahren, statt sich mit Platz zwei zufrieden zu geben." Und das würde sich direkt beim ersten Grand Prix in Melbourne (Der Rennkalender 2009) bemerkbar machen: "Es wird richtiger Rennsport sein und das ist gut für die Fans und den Sport."

Der ehemalige britische Formel-1-Pilot Martin Brundle sieht es reservierter: "Wir mögen ein paar spannende Rennen mehr haben, aber ob die neuen Regeln einen würdigeren Weltmeister hervorbringen, muss sich zeigen."

Eng gesteckte Grenze

Ein noch tieferer Einschnitt ins Regelwerk der "Königsklasse" ist die freiwillige Budgetobergrenze von 33 Millionen Euro, der sich die Teams ab der Saison darauf unterwerfen können - um dafür mehr entwicklerische Freiheiten zu bekommen.

In der Summe müssten laut FIA-Chef Max Mosley alle Ausgaben eines Teams enthalten sein, auch die Gehälter für Fahrer und Teamchefs. Einzige Ausnahmen sind das Motorhome und von der FIA verhängte Geldstrafen.

Wie eng gesteckt die 33-Millionen-Grenze ist, zeigt ein Blick auf die Teambudgets in diesem Jahr: Selbst das Schlusslicht Force India gibt mit geschätzten 70 Millionen Euro mehr als doppelt so viel aus. Das Budget der Spitzenreiter McLaren und Toyota liegt gar bei etwa 270 Millionen.

"Prinzipien auf den Kopf gestellt"

Auch wenn die Budgetgrenze 2010 nicht bindend ist: Sie setzt einen klaren Anreiz, weit weniger Geld auszugeben.

Dass die Formel 1 in Zeiten der Wirtschaftskrise sparen muss, wissen auch die Teams. Sie hatten wenige Wochen vor dem FIA-Beschluss noch selbst eine Reihe von Vorschlägen eingebracht, um die Kosten in der Königsklasse zu senken (FOTA stellt Weichen für die Zukunft) .

Aber die Salary Cap geht ihnen offensichtlich zu weit: "Die Rahmenbedingungen für 2010 stellen eine Gefahr dar, die Prinzipien, die die Formel 1 zu einer der populärsten und anziehendsten Sportarten machen, auf den Kopf zu stellen", mahnt di Montezemolo.

Ex-Pilot Hans-Joachim Stuck trägt seine Kritik weniger diplomatisch vor: "Eine Budgetobergrenze einzuführen, ist völliger Blödsinn. Wer soll das denn kontrollieren?"

Gute Ideen statt großes Geld

Mosley sieht das anders. "Die Autos werden im Detail weniger raffiniert sein, weil die Teams keine riesigen Summen mehr für winzige Vorteile ausgeben können", erklärt er zwar.

Aber: "Von der Tribüne oder vom Fernseher aus werden sie nicht weniger nach Formel 1 aussehen oder sich so anhören wie die jetzigen ultrateuren Autos."

Mosley sieht die neuen Regeln als Ermutigung zu "cleverer" Ingenieurskunst: "Erfolg werden die Teams mit den besten Ideen haben, nicht die mit dem meisten Geld."

Mosley erinnert an die Worte des legendären "Motorenpapsts" Keith Duckworth: "Ein Ingenieur ist jemand, der für einen Dollar das schafft, wofür ein Idiot 100 braucht."

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