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Ecclestones Geheimfavorit: Jenson Button fährt seit 2000 in der Formel 1 © getty

Die Konkurrenz läuft gegen die "Geheimwaffe" des schnellen Brawn-GP-Teams Sturm. Die FIA hält den Technik-Trick aber für legal.

Von Marc Ellerich

München - Die komplette Formel 1 staunt gut eine Woche vor dem Saisonstart der Königsklasse in Melbourne 80690(DIASHOW: Der Check zur neuen Saison) über die Performance des neuen Brawn-GP-Teams.

"Das Ding geht einfach hervorragend. Man sieht dem Auto nicht an, woran es liegt", sagte Formel-1-Experte Marc Surer im Gespräch mit Sport1.de.

Und der Schweizer ist nicht der einzige, der sich über die Topzeiten des Brawn-Boliden bei den abschließenden Tests in Jerez (Barrichello: "Ein Mörderauto") gewundert hat.

"Überraschend für alle"

Auch BMW-Pilot Nick Heidfeld räumt gegenüber Sport1.de ein, dass ihn der Brawn-Speed verblüfft hat: "Die Rundenzeiten waren ein bisschen überraschend für alle. Ich bin gespannt, ob die das die ganze Saison über durchhalten."

Und natürlich herrscht allenthalben Rätselraten, was die Autos des ehemaligen Honda-Rennstalls so schnell gemacht hat.

Kreativer Weg

Nun, so scheint es, hat die Konkurrenz die Erfolgsformel des mit Mercedes-Motoren ausgestatteten BGP001-Rennwagens ausgemacht.

Brawn-GP hat offenbar - ebenso wie Toyota und Williams - einen besonders kreativen Weg bei der Entwicklung eines Aerodynamik-Elements am Unterboden des Boliden, dem sogenannten Diffusor, eingeschlagen. Die drei Teams umgingen die Höhenbegrenzung des Diffusors durch ein Zusatzelement.

Mit diesem technischen Kniff, der den Anpressdruck des Rennwagens beeinflusst, hat das Brawn-Team zurzeit einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz - und sich deren massiven Unmut zugezogen.

"Aus unserer Sicht legal"

Laut einem Bericht von "autosport.com" haben bereits mehrere Teams beim Automobil-Weltverband FIA nachgefragt, ob der Brawn-Diffusor den Regeln entspricht. Harsche Kritik formulierte auch der frühere Formel-1-Ingenieur Gary Anderson gegenüber "Crash.net".

"Ich denke, es schreit zum Himmel, wie diese drei Teams eine Lücke im Regelwerk ausnutzen", sagte der frühere Konstrukteur von Jordan, Jaguar und Stewart.

Charlie Whiting, Technischer Delegierter der FIA, winkte die D-Formel von "Superhirn" Ross Brawn gegenüber "auto, motor und sport" hingegen erst einmal durch.

"Aus unserer Sicht sind diese Diffusoren legal", erklärte Whiting: "Sie haben ein Schlupfloch genutzt, dass schon immer da war. Wir können aber auch verstehen, dass andere Teams anders darüber denken."

Protest noch vor dem Start?

Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone geht deshalb davon aus, dass sich die Konkurrenz mit Whitings Urteil nicht zufrieden geben wird.

Sondern dass der Diffusor-Zoff und mithin der Kampf um die WM-Krone bereits vor dem Start der Saison in Melbourne voll entbrennen werden - und dann nicht nur auf der Rennstrecke ausgetragen werden, sondern - wieder einmal - auch am Grünen Tisch.

"Ich garantiere, dass derjenige, der in Melbourne gewinnt - und es ist egal, wer das ist - des Betrugs bezichtigt wird", sagte Ecclestone bei einer Veranstaltung in Australien.

Er pflichtete Whiting bei, dass Brawn und andere die FIA-Regel anders als die Mehrheit interpretiert hätten. "Die FIA sagt im Moment, dass das korrekt so ist", so der Brite: "Aber möglicherweise werden andere Rennställe dagegen noch vor dem Saisonstart protestieren. Das beeinflusst das Rennen nicht, aber es wird untersucht werden."

Startvorteil für Button?

Die Aufregung der übrigen Rennställe liegt nahe, könnte der Brawn-Diffusor dem BGP001 in Verbindung mit der neuen Weltmeister-Regelung einen wichtigen, wenn nicht den entscheidenden Vorteil im WM-Rennen (Der Rennkalender 2009) verschaffen.

Zumindest einen Startvorteil räumt auch Ecclestone dem britischen Honda-Nachfolger ein: "Wenn Brawn es richtig hingekriegt hat, dann gibt es eine Chance, dass wir in den ersten drei Rennen vielleicht Jenson Button gewinnen sehen."

Und Ecclestone weiter: "Wenn er die drei Rennen in der Tasche hat, ist das bei der neuen Regel, nicht schlecht. Auch wenn ich glaube, dass am Ende die üblichen Verdächtigen wie Alonso, Räikkönen, Massa und Herr Hamilton die Nase vorne haben werden."

Button warnt vor FIA-Regel

Der so von Ecclestone zum Geheimfavoriten erklärte Button attackierte derweil eine Schwäche des neuen FIA-Regelwerks (Regel-Revolution in der Formel 1) .

"Es kann riskant sein", so der Brite: "Es könnte passieren, dass wir nach neun Rennen schon einen Fahrer haben, der den Titel in der Tasche hat. Der kann sich dann zurücklehnen und ein Eis essen, obwohl der Zweite nur 18 Punkte Rückstand hat."

Dass er selbst der Glückliche sein könnte, werden die Konkurrenten vermutlich noch vor Beginn der neuen Saison verhindern wollen.

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