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Der BMW-Rennstall ist seit 2006 in der Formel 1 und feierte 2008 den ersten Saisonsieg © getty

Das Energie-Rückgewinnungssystem KERS stand nach einem spektakulären Unfall in der Kritik. Jetzt präsentiert BMW eine Erklärung.

Von Marc Ellerich

München - Die Bilder von dem sich vor Schmerzen krümmenden BMW-Mechaniker gingen um die Welt - und sie entfachten eine aufgeregte Diskussion über das neue Energie-Rückgewinnungssystems KERS.

Nach dem Zwischenfall Ende Juli bei Testfahrten in Jerez hatte sich der deutsch-schweizerische Rennstall an die Ursachenforschung gemacht.

Jetzt präsentierte BMW-Sauber ein Ergebnis.

Hochfrequente Spannung

"Der Mechaniker hat beim Berühren des Seitenkastens und des Lenkrades einen Stromschlag erlitten", berichtete Markus Duesmann, Leiter Antrieb bei BMW, in einer Presseerklärung des Unternehmens.

Es habe eine hochfrequente Wechselspannung zwischen Chassis und Lenkrad bestanden, die vom KERS-Steuergerät ausgelöst worden sei.

In der Fachsprache wird diese unerwünschte Übertragung elektronischer Spannung als "Übersprechen" bezeichnet.

Trotz der schockierenden Bilder habe nie Lebensgefahr für Mechaniker und Piloten bestanden, behauptete Duesmann. Die Energie des Übersprechungseffekts sei gering, reiche jedoch aus, "um eine sehr schmerzhafte Reaktion hervorzurufen".

Testpilot Christian Klien sei durch Handschuhe und Renn-Overall isoliert gewesen.

Hoher Aufwand

BMW musste offenbar einen hohen Aufwand treiben, um den Ursachen des Vorfalls auf die Spur zu kommen, da der Effekt nur unter bestimmten Bedingungen auftrete, die nur schwer simuliert werden konnten.

So musste eigens ein Modell entwickelt werden, um den menschlichen Körper als elektrischen Leiter nachzuahmen.

In dem Gespräch kündigte Duesmann, Änderungen an, die eine Wiederholung des Effekts ausschließen sollen.

Vom KER-System abzulassen oder den Hybrid-Antrieb zu verschieben, wie von Renault-Teamchef Flavio Briatore gefordert, will der Rennstall nichts wissen.

Laut Duesmann findet der nächste Test des neuen Systems, das 2009 in der Formel 1 eingeführt werden soll, voraussichtlich im Herbst statt.

Informationen an andere Teams

Der Rennstall aus München kündigte an, die Ergebnisse seiner Untersuchungen dem Automobil-Weltverband FIA sowie den anderen Teams zur Verfügung zu stellen.

Eine Einschränkung machte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen allerdings: "Wir werden nicht unser gesamtes KERS-Konzept offenlegen, sondern nur alle sicherheitsrelevanten Erkenntnisse."

Abgesehen vom Sicherheitsaspekt könnten die Resultate Kritikern der neuen Technik helfen, "ihr eigenes System voranzubringen".

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