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Die Rennstrecke Hockenheim-Ring wurde 1932 gebaut © getty

Fünf Tage vor der alles entscheidenden Gemeinderats-Sitzung malt der Hockenheim-Ring-Geschäftsführer ein düsteres Szenario.

München - Das Szenario "Formel deutsch" ohne ein deutsches Rennen (Hockenheim: Schreckensszenario nimmt Form an) rückt immer näher.

Fünf Tage vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung in Hockenheim nimmt der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH das Land Baden-Württemberg in die Pflicht und malt für den Fall eines negativen Echos schwarz.

"Dass es nach 2011 kein Formel-1-Rennen mehr in Deutschland geben wird, ist derzeit nicht nur vorstellbar, sondern ein durchaus realistisches Szenario", sagte Karl-Josef Schmidt: "Zu den Konditionen, wie sie sich im Moment gestalten, ist die Formel 1 in Deutschland nicht zu halten."

"Nummer 1 weltweit"

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bezeichnete Deutschland angesichts von fünf deutschen Fahrern und zwei Herstellern 2009 zwar als "die Nummer 1 weltweit", ein Entgegenkommen bei den Lizenzgebühren stellt er aber nicht in Aussicht (Hersteller lehnen Hockenheim-Hilfe ab) .

"Es wäre schade, wenn der Hockenheimring aus dem Kalender verschwinden würde. Aber das ist Sache der Regierung", sagte der Brite.

Sechs Millionen Euro Verlust

Dementsprechend appelliert Schmidt an das Land Baden-Württemberg. In einer Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch in Hockenheim wird erst einmal entschieden, ob der WM-Lauf 2010 trotz eines veranschlagten Verlusts von sechs Millionen Euro wie geplant auf dem Hockenheimring ausgetragen wird.

"Es geht da einzig und allein darum, das Rennen 2010 zu retten, damit überhaupt eine Option für die Zeit danach besteht", sagte Schmidt.

Wie die Entscheidung ausfallen werde, könne er "nicht abschätzen. Das hängt davon ab, ob und in welcher Größenordnung sich das Land beteiligt."

Hoffen auf den Ruck

Er könne nur hoffen, dass sich das Land "einen Ruck gibt. Es handelt sich hier schließlich nicht um irgendein Ereignis, sondern um ein sportliches Großevent, das an einem Wochenende einen Umsatz von etwa 40 Millionen Euro einbringt."

Der Hockenheimring gehört zu 94 Prozent der Stadt.

Beim Nürburgring fängt das Land Rheinland-Pfalz über seinen 90-Prozent-Anteil an der Rennstrecke die Verluste auf und rechtfertigt sie durch die hohen Einnahmen für die gesamte Region.

Ausländische Konkurrenz

Dieses Argument müsse auch in Hockenheim gelten, so Schmidt. Schließlich, so rechnet er vor, machten die Hotelbetreiber in der Region am Renn-Wochenende mehr als fünf Millionen Euro Umsatz, der Staat erwirtschafte acht bis neun Millionen Euro an Steuereinnahmen. "Es kann nicht sein, dass alle an der Formel 1 verdienen und wir tragen alleine die Last", sagte er.

Noch größere Wettbewerbsnachteile sieht er im Vergleich zu auswärtigen Streckenbetreibern (Rennkalender und Kurse 2009) .

"Wenn ich ins Ausland schaue, kann ich nur neidisch werden", sagte Schmidt: "Wir messen uns hier mit einer 20.000-Einwohner-Stadt mit Metropolen wie Singapur oder Melbourne. Ohne eine maßgebliche Beteiligung eines Dritten, kann das nicht gut gehen. Und da kommt eben vor allem das Land in Frage, das ein Interesse daran haben muss, dieses Ereignis zu behalten."

Wegweisende Entscheidung

Die Entscheidung am Mittwoch ist auch eine wegweisende, denn wenn der Lauf 2010 nicht stattfindet, sind auch weitere Rennen auf dem Hockenheimring nicht vorstellbar.

Der Vertrag mit der Ecclestones Holding SLEC läuft 2010 aus, ein Jahr später endet der Kontrakt mit dem Nürburgring.

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