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Inklusive BMW-Sauber gehen in Melbourne zehn Teams an den Start © getty

Der Machtkampf zwischen dem Weltverband und den Teams erschüttert eine Woche vor Saisonstart die F1. Mosley ist falsch informiert.

Von Julian Meißner

München - Eine Woche vor dem Saisonstart der Formel 1 in Australien ist die Vorfreude auf den sportlichen Wettkampf in den Hintergrund gerückt.

Stattdessen bestimmt der Machtkampf zwischen dem Automobil-Weltverband FIA und der Teamvereinigung FOTA die Schlagzeilen.

Die FIA hatte in einem überraschenden Vorstoß kurzfristig das Reglement umwerfen wollen, war aber am Veto der Teams gescheitert (FIA verschiebt Regeländerung).

Aufgrund des Sturms der Entrüstung (Schumi versenkt neue Weltmeister-Regel) ruderten FIA-Präsident Max Mosley und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone zurück.

Es wird nun auch 2009 zwangsläufig der Fahrer mit den meisten Punkten, nicht unbedingt der mit den meisten Siegen Weltmeister (Regel-Revolution in der Formel 1). Am Sonntag bestätigte Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone der "BBC" zwar, dass die neue Regelung ab 2010 definitiv kommen werde, aber vorerst ist die Neuerung gekippt.

Haug: "Es geht nicht um Macht"

"Endlich hat die FIA - wenn auch unter Druck - eingesehen, dass es so nicht geht. Es wurde wieder einmal ohne Not etwas entschieden, ohne darüber nachzudenken, was die Konsequenzen gewesen wären", wetterte der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck.

Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug sagte zwar der "dpa": "Der FOTA - allen Teams also, die in der Formel 1 antreten - geht es nicht um Macht, sondern um das beste Produkt für das Formel-1-Publikum auf der ganzen Welt."

Klar ist jedoch, dass die Teams entrüstet über die Ablehnung ihres eigenen Vorschlags waren und mit dem Protest nicht lange auf sich warten ließen.

Mosley im Irrglauben

FIA-Präsident Mosley erklärte unterdessen, er sei in dem Glauben gewesen, die Regeländerung sei von Ecclestone im Vorfeld mit den Teams abgesprochen worden.

"Bernie sagte mir, er habe mit den Teams gesprochen, und alle seien glücklich gewesen", so Mosley im "Daily Telegraph".

"Ich war in dem Glauben, sie hätten alle zugestimmt. Der Weltrat war in dem Glauben, sie hätten alle zugestimmt", so Mosley weiter. 80690(DIASHOW: Der Check zur neuen Saison)

FOTA-Vorschlag abgewiesen

Ganz so einfach stellte sich die Situation bekanntlich nicht dar. Die Teams hatten zwar ebenfalls eine Änderung des Reglements vorgeschlagen, die dem Sieger eines Rennens höhere WM-Chancen verschafft hätte.

Nur wollten sie lediglich das bisherige System der Punkteverteilung eines Rennens (10-8-6-5-4-3-2-1) abwandeln zu 12-9-7-5-4-3-2-1.

Der Vorstoß wurde vom World Council jedoch rigoros abgeschmettert.

Hamilton mit Seitenhieb

"Es ist schade für die Formel 1, was da passiert", beklagte deshalb Weltmeister Lewis Hamilton in der "Welt am Sonntag".

"Zum ersten Mal arbeiten die Teams, Fahrer, Sponsoren und Fans alle zusammen. Jetzt müssen uns die Dachverbände nur noch zuhören und helfen", so der jüngste Champion aller Zeiten.

Der britische Superstar glaubt nicht an einen Vorteil der gekippten Regel: "Dass die jüngsten Entscheidungen Verbesserungen für die Zuschauer bringen, an die wir immer zuerst denken sollen, ist nur schwer vorstellbar."

Hamilton, bislang sportpolitisch eher unbedarft, leistet sich mit dieser Kritik einen klaren Seitenhieb in Richtung der FIA (VIDEO: Rennkalender und Kurse 2009).

"All dies ist brillant"

Mosley nahm seinerseits die FOTA, die auch ihren Widerwillen gegenüber der vom FIA-Boss geplanten Budgetobergrenze klar geäußert hatte, aufs Korn.

"Das war eine schwache Reaktion", sagte Mosley: "Sie wussten, dass wir eine Budgetdeckelung planen, sie haben es nur nicht in dieser Form erwartet. Nun beschweren sie sich, dass wir uns nicht mit ihnen abgestimmt haben."

Mosleys Hoffnung: "Wenn sich alle etwas beruhigt haben, werden sie sehen, dass all dies brillant für die Formel ist."

Von Ruhe ist die Formel 1 eine Woche vor Saisonstart weit entfernt.

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