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Jenson Button gewann 2006 in Ungarn seinen ersten Grand Prix © getty

Der Saisonauftakt übertrifft alle Erwartungen. Button triumphiert, Vettel steuert aufs Podium zu - und verliert doch die Nerven.

Melbourne - Die Formel-1-Saison 2009 ist mit einer Sensation gestartet.

Das ehemalige Honda-Team BrawnGP feierte beim Auftakt in Melbourne einen Doppelsieg.

Der Engländer Jenson Button überquerte nach 58 Runden vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello die Ziellinie als Erster.

Das Podium komplettierte zunächst der Italiener Jarno Trulli im Toyota. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Strafe für Trulli

Doch nachträglich rückte Weltmeister Lewis Hamilton auf den dritten Platz vor.

Die Renn-Kommissare gelangten nach der Zieldurchfahrt zu der Überzeugung, dass Trulli in einer Safety-Car-Phase kurz vor Schluss den Briten im McLaren-Mercedes verbotenerweise überholt hatte.

Trulli erhielt 25 Sekunden Zeitstrafe Strafe und fiel dadurch auf Platz 12 zurück. Davon profitierten auch sein Teamkollege Timo Glock (Wersau), der auf Platz vier vorrückte, und Nico Rosberg (Wiesbaden) im Williams-Toyota, der auf Rang sechs kletterte.

Hamilton war nach einem Getriebewechsel nur von Startplatz 18 ins Rennen gegangen.

Vettel: "Bin ein Idiot"

Der deutsche Hoffnungsträger Sebastian Vettel verspielte ebenfalls einen scheinbar sicheren Podestplatz - allerdings während des Rennes.

"Ich bin ein Idiot, das tut mir sehr, sehr, sehr leid", sagte der 21-Jährige nach einer Rodeo-Einlage seinem Red-Bull-Team über Funk.

Vettel riskierte im Kampf um Platz zwei gegen den schnelleren Robert Kubica im BMW-Sauber zuviel und riss sich und den Polen vier Runden vor Schluss aus dem Rennen.

Bis dahin hatte Vettel nach einer blitzsauberen Leistung sogar an seinem zweiten Sieg geschnuppert, doch Jenson Button war im Brawn-Mercedes einfach zu schnell.

Zweiter Sieg für Button

Der Brite feierte vor rund 100.000 Zuschauern beim Großen Preis von Australien, der von Protesten und Chaos geprägt war, seinen zweiten Grand-Prix-Erfolg nach Ungarn 2006.

Button fuhr die letzten Kilometer im Albert Park im Schongang und lag nach 58 Runden und in einer Safety-Car-Phase 0,8 Sekunden vor Teamkollege Barrichello (Brasilien). Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien), der im McLaren-Mercedes nur vom 18. Platz gestartet war betrieb mit dem vierten Rang erfolgreich Schadensbegrenzung.

Glock bester Deutscher

Bester der fünf deutschen Fahrer war Timo Glock, der - nach der Strafversetzung seines Teamkollegen Trulli - den vierten Platz belegte. Nico Rosberg, der lange Zeit sogar auf Podestkurs fuhr, musste sich nach einem Fehler bei der Reifenwahl letztlich im Williams-Toyota mit Rang sechs begnügen.

Adrian Sutil landete im Force-India-Mercedes auf Position neun. Das deutsche Schlusslicht im Ziel war Nick Heidfeld, der im BMW-Sauber auf Platz zehn enttäuschte.

Darf Button den Sieg behalten?

Ob Button den Sieg behalten darf, muss das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA am 14. April in Paris entscheiden. Dann wird der Protest von Ferrari, Renault und Red Bull gegen Brawn, Toyota und Williams verhandelt.

Nach Ansicht der Kläger fahren die Rivalen mit einem illegalen Heck-Diffusor, der pro Runde einen Vorteil von mindestens einer halben Sekunde bringen soll.

Debakel für Ferrari

Letztmals hatte ein neues Team vor 32 Jahren gleich das erste Rennen gewonnen. 1977 siegte der Südafrikaner Jody Scheckter beim Großen Preis von Argentinien in einem Auto von Wolf.

Ein Debakel erlebte das Weltmeister-Team Ferrari, da half auch der Blitzbesuch von Berater Michael Schumacher nicht. Ex-Champion Kimi Räikkönen (Finnland) schied nach einem Mauer-Crash aus, der WM-Zweite Felipe Massa (Brasilien) musste mit technischem Defekt aufgeben.

Crashs beim Start

Beim Start wurde das pfeilschnelle Brawn-Duo Button und Barrichello erstmal gesprengt. Der Brasilianer kam nicht richtig in die Gänge und fiel vom zweiten auf den siebten Platz zurück.

Ganz vorn enteilte Button dem Feld. Nur Vettel konnte mit dem Briten, der zum vierten Mal in seiner Karriere auf der Pole Position stand, zunächst mithalten.

Pech hatten Heidfeld und Sutil, die beide in eine Karambolage in der ersten Kurve verwickelt waren und zur Reparatur ihrer Autos in die Box mussten.

Mit einer Runde Rückstand fuhren sie schließlich dem Feld hinterher. Für einen anderen Bruchpiloten war das Rennen gelaufen, der Finne Heikki Kovalainen fuhr mit seinem beschädigten McLaren-Mercedes direkt in die Garage.

Nakajima sorgt für Safety-Car-Phase

Vettel legte von den Topfahrern den ersten Boxenstopp ein (17. Runde), Rosberg folgte direkt dahinter. Bei der Williams-Manschaft klemmte es allerdings, der 23-Jährige stand 21,1 Sekunden und fiel vom dritten auf den 12. Rang zurück.

Nachdem Button in der 19. Runde seinen Halt eingelegt hatte, musste das Safety Car auf die Strecke. Der Grund: Der Japaner Kazuki Nakajima hatte den Williams in die Mauer gesetzt.

Nach vier Runden war das Rennen wieder freigegeben. Button blieb vorn, gefolgt von Vettel und Massa.

Kubica holt auf Vettel auf

Nach einem tollen Zwischenspurt saß Kubica im BMW-Sauber Vettel im Nacken. Der Pole legte von der Spitzengruppe als erster Fahrer seinen zweiten Halt ein (39. Runde) und rutschte zunächst auf den sechsten Platz zurück.

Als dann auch Vettel (46.) und Button (47.) ihren zweiten Stopp absolviert hatten, war die alte Reihenfolge wieder hergestellt. Vettels Crashkurs wirbelte dann die Podestplätze in der turbulenten Schlussphase durcheinander.

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