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Barrichello und Button (r. )bejubeln ihren Doppelerfolg von Melbourne © imago

Das Team mit den Neon-Boliden hat nach seinem Doppel-Erfolg von Melbourne Blut geleckt. Für Vettel kommt es doppelt dick.

Von Manuel Krons

München - Es gab einst eine britische Automarke, die behauptete recht selbstbewusst, eine Klasse für sich zu sein.

Nach dem großen Preis von Australien gibt es gleich zwei Briten, die das - allerdings ganz ohne rot zu werden - von sich behaupten können.

Teameigner Ross Brawn und sein Pilot Jenson Button waren der Konkurrenz beim ersten Rennen der Formel-1-Saison haushoch überlegen (Brawn macht Sensation perfekt).

"Das ist ein märchenhaftes Ergebnis", freute sich Button, der gemeinsam mit Barrichello für einen Doppelsieg des Honda-Nachfolgers Brawn GP gesorgt hatte (DATENCENTER: Ergebnisse).

Ohne KERS, dafür mit "Turbo-Button"

Auch sein Boss war ganz hin und weg: "Ich bin in der glücklichen Lage, das schon oft erlebt zu haben, aber heute war es wirklich etwas ganz Außergewöhnliches. Ich kann es nicht in Worte fassen", kommentierte Brawn das Grand-Prix-Debüt seines Teams 86538(Bilder des Rennens).

Brawn, der als "Superhirn" und Architekt von Michael Schumachers sieben WM-Titeln gilt, ist nicht der Einzige, der nach dem Zweifach-Double (Doppelsieg und "Doppel-Pole") Blut geleckt hat.

Denn während die Konkurrenz in Melbourne zum Teil noch erfolglos mit KERS experimentierte, hat Rennstall-Boss bereits den "Turbo-Button" im Cockpit sitzen.

"Werden jeden Moment kämpfen"

"Wir haben ein sehr schnelles Auto und ein starkes Team. Mit dem Sieg im Rücken werden wir auch in Zukunft selbstbewusst auftreten", kündigte Brawn an.

Sieg-Pilot Button wollte da nicht widersprechen: "Ich weiß, dass wir jeden Moment kämpfen werden, um dieses Auto konkurrenzfähig halten zu können", sagte der 29-Jährige nach dem zweiten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere.

"Es sah leichter aus als es war", gestand er nach seiner scheinbar mühelosen Triumphfahrt. "Als das Safety-Car rausgefahren ist, hatte ich große Schwierigkeiten, die Reifen aufzuwärmen."

Hamilton nachträglich Dritter

Beinahe hätte Down Under noch ein weiterer Brite jubelnd auf dem Podium gestanden. Doch da Weltmeister Lewis Hamilton erst wegen einer nachträglichen Bestrafung von Jarno Trulli (Toyota) der dritte Platz zugesprochen wurde, war ihm die Champagner-Dusche nicht vergönnt.

Darüber dürfte er nach einer verpatzten Qualifikation am Samstag jedoch leicht hinweggekommen sein.

Schließlich wurde Hamilton vor dem Rennen wegen eines Getriebewechsels auf den 18 Startplatz verbannt. "Wir holten heute viel mehr Punkte als wir erwartet hatten. Rang drei und sechs Punkte - das ist schön für das Team", freute sich Hamilton über die kleine Sensation.

Eine solche hat Sebastian Vettel in seinem erstaunlich schnellen Red Bull verpasst.

Doppelte Strafe für "Idiot" Vettel

Auf Rang zwei liegend musste er nach einer selbstverschuldeten Kollision mit Robert Kubica zwei Runden vor Schluss das Rennen ebenso aufgeben wie der Pole im BMW.

"Ich bin ein Idiot, das tut mir sehr, sehr, Leid", teilte der 21-Jährige selbstkritisch über den Teamfunk mit. Wenig später blickte er schon wieder nach vorne: "Das ist nicht das Ende der Welt", kommentierte er seinen Fauxpas im ersten von 17 Saisonrennen.

Die Renn-Kommissare zeigten sich dennoch unnachgiebig und sprachen eine harte Strafe gegen den deutschen Youngster aus: Beim nächsten WM-Lauf am kommenden Sonntag in Kuala Lumpur wird er um zehn Startplätze zurückversetzt. Zudem muss sein Team 37.600 Euro Strafe zahlen.

Strafen trüben Toyotas Erfolg

Bestrafungen am Fließband hagelt es auch für das zweite Sensationsteam des Wochenendes von Melbourne: Toyota. Timo Glock und Jarno Trulli fuhren nach ihrer Disqualifikation im Qualifying von der Boxengasse aus in die Punkteränge (Down Under regiert das Chaos).

Doch der Italiener wurde wegen eines Überholmanövers während der Safety-Car-Phase kurz vor Schluss vom dritten auf den zwölften Platz gestuft.

Teamkollege Glock rückte damit einen Platz vor auf Rang vier. Landsmann Nico Rosberg (Williams) profitierte ebenfalls und rutschte auf Position sechs vor.

Glock blickt kämpferisch auf die weitere Saison: "Jetzt hoffe ich mal, dass wir uns hinter Brawn etablieren können", sagte der Hesse, der den Saisonauftakt als bester Deutscher beendet hat.

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