vergrößernverkleinern
Die Formel 1 hat bei ihrem Start in Melbourne viele Trümmer hinterlassen © getty

Der Start in Melbourne wird von der Diffusor-Affäre, Disqualifikationen und Protesten überschattet. Trulli verliert Platz drei.

Melbourne - Diffusor-Affäre, Toyota-Disqualifikation im Qualifying, ein Protest von Williams, der keiner war, eine Zurückstufung nach dem Rennen und eine Berufungsverhandlung in Paris, die alles wieder auf den Kopf stellen könnte:

In der Formel 1 ging es Down Under drunter und drüber, beim Saisonstart 2009 in Melbourne (Rennbericht: Doppelsieg für Brawn GP) regierte neben der Strecke das Chaos.

Nur wenige Minuten nach Rennende hat Jarno Trulli seinen dritten Platz beim Australien-Gran-Prix 86538(Die Bilder) an Lewis Hamilton verloren. Die Rennleitung sah es als erwiesen an, dass der Italiener während der Safety-Car-Phase verbotenerweise den Weltmeister überholt hatte und belegte den Toyota-Pilot mit einer 25-Sekunden-Strafe.

Dadurch fiel Trulli auf Rang zwölf zurück, Hamilton erbt den Platz auf dem Podium.

"Das macht den Sport kaputt"

Das Protest-Affären-Chaos kommt bei den Sportlern alles andere als gut an.

"Das ist alles ein Anschlag auf den Sport, so machen wir uns selbst kaputt", sagte der deutsche Hoffnungsträger Sebastian Vettel dem Fachmagazin "auto, motor und sport".

Norbert Haug hofft, dass die Situation nicht weiter eskaliert und sich die erhitzten Gemüter bald wieder beruhigen. "Manchmal wird unter diesem extrem großen Leistungsdruck überreagiert", sagte der Mercedes-Sportchef.

Er stehe aber auf der Seite der protestierenden Rennställe, meint Haug und gibt dem Automobil-Weltverband FIA die Schuld an der Misere: "Hier wurden nach unserer Einschätzung falsche Reglementauslegungen praktiziert. Sehr schade, dass die FIA das nicht eindeutig regeln kann."

Autos nicht schnell änderbar

Für Nick Heidfeld ist der Diffusor das Entscheidende. "Uns wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, das so nachzubauen, weil wir nicht alles an unserem Auto so kurzfristig ändern können", meinte der BMW-Sauber-Pilot.

Daher hofft der Mönchengladbacher, dass das umstrittene Bauteil nun für illegal erklärt wird: "Nicht, weil ich unfair bin, sondern damit die anderen keinen Vorsprung haben."

Berufungsverhandlung am 14. April

Aber der Reihe nach: Den Anfang machte am Donnerstag der Protest von Ferrari, Red Bull und Renault gegen die Rivalen von Brawn, Toyota und Williams. Diese Teams würden mit einem illegalen Heck-Diffusor fahren und sich dadurch einen Vorteil von mehr als fünf Zehntelsekunden pro Runde verschaffen.

Der Protest wurde abgewiesen, dagegen legten die drei Kläger Einspruch ein. Dieser wird erst am 14. April vom Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA in Paris verhandelt.

Ergebnisse unter Vorbehalt

Damit sind die Ergebnisse von Melbourne (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand), wo Brawn einen Doppelsieg holte, und am kommenden Sonntag in Malaysia nur unter Vorbehalt.

Norbert Haug geht aber davon aus, dass die Resultate der ersten beiden Grand Prix bestehen bleiben. "Irgendjemand hat ausgerechnet, dass nur vier Prozent der Fälle beim FIA-Berufungsgericht gewonnen wurden", sagte der Mercedes-Sportchef.

Toyota ans Ende des Feldes

Am Samstag dann wurden die Toyota-Piloten Timo Glock und Trulli nachträglich vom Qualifying ausgeschlossen. Die FIA-Rennkommissare hatten einen zu flexiblen Heckflügel am Toyota enttarnt.

"Die Stimmung ist nervös und aufgebracht", sagte Glocks Manager Hans-Bernd Kamps dem Internetportal "Motorsport-Total.com".

Williams protestiert

Doch das Theater war immer noch nicht beendet. Was folgte, war ein Protest von Williams gegen Ferrari und Red Bull. Die Rennautos der beiden Konkurrenten sollen illegal sein, so die Begründung.

In Wirklichkeit dürfte es sich jedoch um eine Retourkutsche wegen der Diffusor-Affäre gehandelt haben, Williams teilte jedenfalls nicht mit, was an den Boliden von Ferrari und Red Bull nicht den Regeln entsprochen haben soll.

Gerüchten zufolge war wohl die Legalität der vorderen Enden der Seitenkästen beider Teams angezweifelt worden.

"Mehr als eine Interpretation"

Dann zog Williams plötzlich den Protest wieder zurück. "Nach genauem Abwägen hat Williams beide Proteste im Interesse des Sports zurückgezogen", heißt es in einer Mitteilung des Teams: "Williams erkennt die Möglichkeit an, dass es auf diesem Gebiet mehr als eine Interpretation der Regeln gibt."

Als Mitternacht in Melbourne schon lange vorbei war, gab es schließlich doch noch eine offizielle Startaufstellung.

"Saubere" Teams haben das Nachsehen

Mario Theissen fordert von der FIA nun eine schnellstmögliche Klärung in der Diffusor-Affäre. "Das Geldausgeben hat bereits begonnen, wir können ja nicht warten, bis irgendwann jemand sagt, dass es verboten ist", sagte der BMW-Motorsportdirektor.

Und wenn der umstrittene Diffusor für legal erklärt werden sollte, hat BMW zusammen mit den anderen "sauberen" Teams das Nachsehen gegen die Autos von Brawn, Toyota und Williams.

Brawn-Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Wenn man jetzt erst mit der Entwicklung anfange, habe man für die nächsten Rennen laut Theissen kein starkes Paket.

"Das dauert länger. Und dann haben die Teams, die es schon haben, längst auch weiterentwickelt", sagt der BMW-Motorsportdirektor und wagt eine düstere Prognose:

"Wir dürfen ja nicht davon ausgehen, dass das Potenzial der Brawn-Lösung hier schon ausgeschöpft ist. Das geht jetzt erst richtig los."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel