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"Baby"-Schumi trifft echten Schumi: Sebastian Vettel und Michael Schumacher in Melbourne © imago

Sebastian Vettels Crash mit Robert Kubica beweist auch: Der Red-Bull-Shootingstar besitzt die Härte berühmter Vorgänger.

Melbourne/München - Als sich Sebastian Vettel bei allen entschuldigt hatte ("Ich bin ein Idiot") und als einer der Letzten das Fahrerlager in Melbourne verließ, war die Welt für den deutschen Shootingstar wieder halbwegs in Ordnung.

Zurück ließ der Red-Bull-Pilot zwei schrottreife Autos, einen verschenkten Podestplatz und 50.000 Dollar Bußgeld.

Mario Theissen nahm Vettels Entschuldigung an, dennoch war der BMW-Motorsportdirektor nach dem Saisonstart 2009 untröstlich.

Stuck: "Strafe zu hoch"

Seiner Meinung nach hätte sein Fahrer Robert Kubica das Rennen vielleicht sogar gewonnen, doch dann wurde der Pole drei Runden vor Schluss von Vettel "abgeschossen".

Auch Kubica war dem Rivalen nicht lange böse, da der 21-Jährige seinen Fehler ohne Ausreden sofort eingestand und auch den Abzug von zehn Startplätzen für das nächste Rennen in Kuala Lumpur am kommenden Sonntag (Freies Training, Fr. ab 8 Uhr LIVE) klaglos akzeptierte (DATENCENTER: Rennergebnis).

Diese Strafe empfindet der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck allerdings als "viel zu hoch". "Wir wollen doch alle diese Zweikämpfe sehen. Er ist durch den Ausfall doch schon genug gestraft", sagte Stuck.

Im Rampenlicht

Vettel hat deutlich gezeigt, dass er kein Weichei ist, auch die ganzen Großen der Branche waren stets unnachgiebig.

Die Härte von Michael Schumacher hat er schon, auch einen Tick Wahnsinn und Genialität eines Ayrton Senna - was dem Bubi-Schumi jetzt noch fehlt, ist die kühle Kalkulation eines Alain Prost. Dann steht seinem Aufstieg zum Weltmeister eigentlich nichts mehr im Weg.

Nachdem sich Vettel im vergangenen Jahr in Monza zum jüngsten Sieger der Formel-1-Geschichte gekrönt hat, steht er natürlich im Rampenlicht. Doch der Hesse ist bescheiden geblieben, wie ein Star fühlt sich nicht. "Mein Leben ist ein Riesengeschenk", sagt Vettel: "Und nur weil ich im Auto schneller fahren kann als sehr viele andere, fühle ich mich nicht als etwas Besonderes."

Der geborene Rennfahrer

Vettel ist der geborene Rennfahrer, wie er über sich sagt: "So wie andere Kinder den Traum haben, Feuerwehrmann zu werden, hatte ich den Traum, Rennfahrer zu werden."

Und er ist dankbar, dass er einer der wenigen ist, deren Träume wahr geworden sind (Vettel im Interview). Vettel: "Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hatte die richtigen Leute um mich und war hartnäckig genug."

"Punkte und Podium"

Für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist Vettel der kommende Superstar der Königsklasse und ein ganz heißer Kandidat auf den WM-Titel 2010. Der deutsche Hoffnungsträger stapelt lieber tief: "Wir zählen in dieser Saison nicht zu den Favoriten. Wir arbeiten sehr hart, Punkte und Podium sind das Ziel."

In Melbourne war Vettel allerdings der einzige Fahrer, der das Tempo des außerirdischen Brawn-Mercedes von Auftaktsieger Jenson Button mithalten konnte - bis er sich und Kubica mit seiner Hauruckaktion aus allen Träumen riss.

In der Formel 1 angekommen

Die Kollegen haben jedenfalls Respekt vor Vettel, auch Kubica wird es sich in Zukunft gut überlegen, ob er den frechen Youngster einfach mal so überholt.

Vettel hat gemerkt, dass er nach seinem Triumph in Monza endgültig in der Formel 1 angekommen ist: "Man gewinnt ein bisschen mehr Respekt, wird mehr wahrgenommen."

Monza habe ihn aber als Menschen nicht verändert. "Ich bin im Gleichgewicht und rundum zufrieden damit, wer ich bin und was ich bin", sagt der 21-Jährige und klingt schon sehr erwachsen: "Man muss weiter lernen und seine Schritte machen im Leben, um reifer zu werden als Mensch und besser zu werden als Rennfahrer."

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