vergrößernverkleinern
Flavio Briatore arbeitete früher mit Ross Brawn im Benetton-Team zusammen © imago

Renault-Teamchef Flavio Briatore geht nach dem Melbourne-Rennen auf Ross Brawn los. Das "Superhirn" kontert die Kritik gelassen.

Melbourne - Legal, illegal oder alles egal: An Ross Brawns außerirdischem Auto scheiden sich in der Formel 1 die Geister.

Nach dem Doppelsieg beim Saisonauftakt in Melbourne (NACHBERICHT: Märchen für Brawn - Albtraum für Vettel) wird das "Superhirn" in der englischen Heimat gefeiert, doch von den Formel-1-Kollegen wüst beschimpft.

Renault-Teamchef Flavio Briatore, der 1994 und 1995 bei Benetton gemeinsam mit Brawn Michael Schumacher zum Weltmeister machte, nennt den ehemaligen Weggefährten jetzt wegen der Diffusor-Affäre einen "Banditen".

"Bande von Banditen"

Briatore behauptet, dass der technischen Delegierte des Automobil-Weltverbandes FIA hinters Licht geführt wurde.

"Die Wahrheit ist, als Charlie Whiting um seine Meinung über die Legalität der Lösung gefragt wurde, sagte man ihm nicht die ganze Wahrheit. Er ist nur ein einzelner Polizist, umgeben von einer Bande von Banditen. Die haben ihn reingelegt und ausgetrickst", sagte der Italiener.

Briatore lästert

Auch die sieben WM-Titel, die Benetton (2) und Ferrari (5) mit Brawn als Technikchef eingefahren haben, sind laut Briatore nicht das Verdienst des Superhirns.

"Ross Brawn hat nie Titel gewonnen, denn sie wurden von Jean Todt und Stefano Domenicali, Flavio Briatore und Ron Dennis gewonnen", lästerte der Renault-Boss.

Gelassener Brawn

Brawn reagiert scheinbar gelassen auf die Vorwürfe.

"Wenn er einen Schritt zurückgeht und darüber nachdenkt, waren sie nicht logisch und etwas emotional", sagte der Brite: "Natürlich steht er mit seinem Team im Moment vor einer Herausforderung, und er feuert in jede Richtung."

Lob in den höchsten Tönen

In der englischen Heimat wurde Brawn nach dem Doppelsieg von Jenson Button und Rubens Barrichello in den höchsten Tönen gelobt. (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand)

"Der Ruhm des brillanten Button ist eine Überraschung für den großen Bären Brawn", schrieb die "Daily Mail".

Der "Guardian" freute sich über einen märchenhaften Auftakt für Jenson Button und Brawn: "Jenson Button und Rubens Barrichello steuern das neue Brawn-Team in die Rekordbücher."

Streit zum den Diffusor

Die Konkurrenz dagegen beschuldigt Brawn, nur wegen eines angeblich illegalen Heck-Diffusors so schnell zu sein.

Doch der Brite hat ein ganz anderes Erfolgsgeheimnis. Als er merkte, dass Honda in der Saison 2008 keine Chance hat, schenkte er das Jahr einfach mal ab.

Diese Strategie habe schon bei Benetton mit Schumacher funktioniert, sagte Brawn: "Wir opferten 1993 und holten 1994 den WM-Titel." 86538(Bilder des Rennens)

15 Monate Arbeit

Das sei völlig verrückt gewesen: "Denn wir waren ein kleiner T-Shirt-Hersteller, der die Weltmeisterschaft gewann."

Diesmal sei es ähnlich gewesen, meinte Brawn: "Wir haben mit diesem Auto vor 15 Monaten begonnen, und ich denke, dass wir das einzige Team sind, das dies getan hat."

Vom Titelgewinn will der 54-Jährige aber noch nichts hören: "Die erste Aufgabe ist es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln und Rennen zu gewinnen."

Nimmt die FIA den Vorsprung?

Für den ehemaligen deutschen Formel-1-Piloten Hans-Joachim Stuck hat Brawn "einen technischen Vorsprung, der von der Konkurrenz nur sehr schwer aufzuholen ist. Es sei denn, die FIA nimmt ihnen diesen wieder weg."

Das FIA-Berufungsgericht kommt am 14. April in Paris zusammen, um über den Protest der drei Rennställe Ferrari, Red Bull und Renault gegen die angeblich illegalen Diffusoren von Brawn, Toyota und Williams zu entscheiden.

270 Entlassungen

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein bei Brawn.

Nachdem er Honda das Team für ein englisches Pfund (1,08 Euro) abgekauft hat, und 700 Mitarbeitern zunächst den Job rettete, müssen sich jetzt 270 Angestellte nach einem neuen Arbeitgeber umsehen.

Daran ändert auch der Doppelsieg von Melbourne nichts mehr.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel