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Viel Arbeit für die Silberpfeile: Lewis Hamilton in der Box © imago

Norbert Haug sieht McLaren-Mercedes auch in Malaysia als "nicht podiumsfähig" an. Sein Team arbeite an einer Diffusor-Lösung.

Von Marc Ellerich

München - Norbert Haug ist ein Mann der Fakten - Zauberei oder Wundergläubigkeit ist weniger die Sache des mächtigen Mercedes-Sportchefs.

Weshalb sich der Schwabe vom überraschenden dritten Platz von Weltmeister Lewis Hamilton beim Saisonauftakt in Melbourne nicht blenden lässt (NACHBERICHT: Märchen für Brawn - Albtraum für Vettel).

"Das waren wertvolle sechs Punkte", sagte Haug gegenüber Sport1.de während einer Telefonkonferenz mit Journalisten: "Lewis hat seine Weltmeister-Klasse unter Beweis gestellt."

"Klug und clever" habe der junge Champion die Patzer der Konkurrenz beim turbulenten Auftakt-Grand-Prix 86538(Bilder des Rennens) genutzt: "Das sind die Klassefahrer, die so etwas hinkriegen. Punkte machen, die man aus eigener Kraft eigentlich nicht machen kann."

Eher glücklich

Das eher glückliche Resultat eines außerordentlich befähigten Piloten also. Das allerdings über die bescheidene Ausgangslage des schwäbisch-englischen Teams vor dem zweiten Grand Prix der Saison in Malaysia (2. Training, Fr. ab 8 Uhr LIVE) nicht hinwegtäuschen kann.

"Es wäre schön, wenn man ein Auto über Nacht so schnell machen könnte", sagte Haug gegenüber Sport1.de. Hamiltons Husarenritt in die Punkteränge "trübt uns nicht den Blick, dass wir aus eigener Kraft nicht podiumsfähig sind."

"Wir sind nicht stärker als vor einer Woche", ergänzte er: "Ich erwarte in Malaysia nicht den Leistungssprung."

"Im letzten Drittel"

Für den Grand Prix in Sepang verheißt das nichts Gutes für die einstigen Platzhirsche der höchsten PS-Liga (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand). "Im letzten Drittel des Feldes" werde sich sein Team wiederfinden, vermutet Haug. Nichts Neues also - Ähnliches hatte der Sportchef bereits vor dem Auftaktrennen in Australien kommen sehen.

Dieser, für das Weltmeister-Team ernüchternde Zustand, werde sich so schnell nicht in Luft auflösen.

Haug wundert sich

Der Kern des Problems ist bei McLaren längst eingekreist: In Sachen Abtrieb ist der silberne Bolide meilenweit von der Konkurrenz entfernt. Bis zum ersten Europarennen, Anfang Mai in Barcelona, will McLaren-Mercedes den Rückstand aufgeholt haben.

Bis dahin würden andere die Szenerie bestimmen. Die jungen Deutschen Vettel, Glock und Rosberg unter anderem, vor allem aber natürlich das Team der Stunde, Melbourne-Sieger Brawn GP mitsamt dessen berüchtigtem Doppel-D.

Harte Kritik am Motorenkunden Brawn und dessen umstrittener Diffusoren-Lösung mag Haug nicht formulieren, nur so viel: Er wundere sich, dass der Technik-Trick des Konkurrenten von der FIA durchgewunken worden sei.

Andere Rennställe hätten eine ähnliche D-Lösung beim Weltverband eingereicht "und sind abschlägig beschieden worden. Das erbost die Teams".

"Klasse 1 gegen Klasse 2"

Was dem Schwaben jedoch missfällt, ist das Resultat der FIA-Lösung: "Wir wollen keine Rennen, wo Klasse 1 gegen Klasse 2 fährt. Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft ist nicht gut für unseren Sport. Man muss ein einheitliches Reglement haben."

Dennoch entwickle McLaren-Mercedes derzeit einen eigenen Doppel-Diffusor, wie Haug auf Sport1.de-Nachfrage einräumt: "Natürlich muss man sich darauf vorbereiten, wenn so etwas legal wird. Alle Teams, die etwas gewinnen wollen, arbeiten daran."

Hackordnung relativ klar

Am 14. April will die FIA in Paris im D-Zoff (Briatore geht auf Brawn los) urteilen. Bis es so weit ist, werde in der Formel 1 weiter in zwei Geschwindigkeiten gerechnet, glaubt Haug.

"Die Hackordnung ist relativ klar zu sehen" - und sie hat, so Haug, derzeit eine unangefochtene Nr. 1: "Wenn Brawn so fährt, wie es in Melbourne ausgesehen hat, dann werden sie in Malaysia noch weiter vorne sein."

Der spätere Sieger Jenson Button sei im Albert Park "nicht so schnell gefahren wie er konnte, sondern nur so schnell wie er musste."

"Nicht das Ein-Euro-Team"

Der Vorteil des Honda-Nachfolgers liegt für den Mercedes-Sportchef klar auf der Hand: "Brawn ist nicht das Ein-Euro-Team. Dieses Auto ist das komplexeste, das im letzten Jahr mit der meisten Zeit, dem meisten Aerodynamik-Aufwand und den meisten Leuten entwickelt worden ist."

McLaren-Mercedes habe sich diesen Luxus nicht leisten können.

Sein eigener Rennstall habe 2008 im engen Titelkampf aller Zeiten bestehen müssen, so Haug - und zahle nun für Hamiltons ersten Titeltriumph die Zeche.

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