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Im April kommt der FIA-Weltrat in dieser Sache zusammen. Das Team erhält wegen seiner Kooperation eine Bewährungsstrafe
Lewis Hamilton verliert durch das Urteil seine sechs Punkte vom Saisonauftakt © getty

Vier Tage nach dem Melbourne-GP verliert der Brite wegen eines Überholmanövers den Podestplatz. Eine Strafe wird revidiert.

Kuala Lumpur - Lügner, Betrüger und Ganoven - die Chaostage in der Formel 1 gehen in rasantem Tempo weiter:

Vier Tage nach dem Saisonauftakt in Melbourne sind Weltmeister Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes wegen "absichtlicher Irreführung" der Sportkommissare des Automobil-Weltverbandes FIA nachträglich disqualifiziert worden. (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand)

Ein FIA-Sprecher schloss zudem sogar weitere Maßnahmen nicht aus. In diesem Fall würde der Weltverband sogar vor das World Council ziehen.

Blitz-Verhör von Hamilton und Trulli

Hamilton hatte in Australien im unterlegenen Silberpfeil vom 18. Startplatz aus einen dritten Rang erkämpft.

Neuer Dritter ist jetzt der wegen Hamilton zunächst bestrafte Toyota-Pilot Jarno Trulli (Italien), der dadurch auf Position zwölf zurückgestuft worden war.

Zu diesem spektakulären Urteil kamen die Sportkommissare nach einem Blitz-Verhör von Hamilton und Trulli am Donnerstag in Kuala Lumpur/Malaysia, wo am Sonntag (11 Uhr LIVE, 2. Training, Fr. ab 8 Uhr LIVE) das zweite Saisonrennen stattfindet.

"Wir brauchen jetzt all unsere Kraft"

Bester der fünf deutschen Fahrer bleibt Trullis Teamkollege Timo Glock (Wersau) auf Platz vier.

"Die Härte dieses Urteils ist unübersehbar. Wir brauchen jetzt aber all unsere Kraft für unsere weitere Leistungssteigerung auf der Strecke", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Deshalb wird das Team auch nicht in Berufung gehen und die Strafe akzeptieren. Haug: "Wir konzentrieren uns auf das, was vor uns liegt: Der nächste Grand Prix wird am Sonntag gestartet, der letzte ist abgehakt".

Funksprüche abgehört

Die Rennkommissare widerriefen ihre Entscheidung mit Verweis auf die Artikel 151c (Schaden für das Ansehen des Motorsports) und 158 im FIA-Sportgesetzbuch.

Demnach sollen Hamilton und McLaren-Mercedes die Stewards bei der ersten Anhörung in Melbourne mit einer Falschaussage absichtlich getäuscht haben.

Dank abgehörter Funksprüche ist man diesem Vorgang jetzt auf die Schliche gekommen.

Diffusor-Affäre noch in der Schwebe

Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda hat die Entscheidung scharf kritisiert. "Das ist nicht mehr vermittelbar und schadet der Formel 1 sehr. Es ist absurd und der größte Witz aller Zeiten, dass man vier Tage benötigt, um das Rennen vollständig zu sichten und ein Resultat festzulegen", sagte der Österreicher in einem "RTL"-Interview.

Der sensationelle Brawn-Doppelsieg durch den Briten Jenson Button und Rubens Barrichello (Brasilien) ist ebenfalls noch ohne Gewähr. (NACHBERICHT: Märchen für Brawn - Albtraum für Vettel)

Erst am 14. April entscheidet das FIA-Berufungsgericht in der Diffusor-Affäre, ob Brawn sich mit einem illegalen Rennauto einen Vorteil verschafft hat.

"Fall Vettel" wieder aufgerollt

Auch der "Fall Sebastian Vettel" wurde wieder aufgerollt, dabei ging es im Gegensatz zu Hamilton nicht um die Ergebnisse, sondern um das Strafmaß gegen den deutschen Hoffnungsträger. (In Down Under regiert das Chaos)

Der Red-Bull-Pilot war nach seinem Crash mit dem Polen Robert Kubica (BMW-Sauber) von den FIA-Sportkommissaren mit dem Abzug von zehn Startplätzen für das anstehende Rennen in Malaysia belegt worden.

Vettel und Kubica waren im Duell um Rang zwei in Melbourne drei Runden vor dem Rennende kollidiert und ausgeschieden. Vettel war als Unfallverursacher bestraft worden.

Widersprüchliche Aussagen

Im "Fall Hamilton" waren Überholmanöver in der Schlussphase des Australien-Grand-Prix während einer Safety-Car-Phase der Auslöser für alle Diskussionen.

Normalerweise gilt ein Überholverbot, wenn das Safety Car auf der Piste ist. Doch laut Hamilton war Trulli von der Strecke abgekommen und auf die Wiese gerutscht. In diesem Fall darf überholt werden.

Doch Hamilton ist nicht wegen seines Verhaltens auf der Strecke disqualifiziert worden. Der Brite verstrickte sich in einer ersten Anhörung nach dem Rennen in widersprüchliche Aussagen.

Am Grünen Tisch aufs Podest

Aus diesem Grund musste der 24-Jährige in Kuala Lumpur den Sportkommissaren erneut Rede und Antwort stehen - und wurde enttarnt.

"Ich habe ja schon so langsam gemacht wie ich konnte", meinte Hamilton. Bei McLaren-Mercedes war man sich offenbar nicht sicher über die Regelauslegung. Hamilton: "Nachdem ich vorbei war, sagte man mir, ich solle ihn wieder vorbeilassen."

Als Hamilton verlangsamte, zog Trulli tatsächlich wieder vorbei und wurde dafür mit einer 25-Sekunden-Strafe belegt. Der Italiener fiel dadurch vom dritten auf den 12. Platz zurück, Hamilton bekam Position drei am grünen Tisch zugesprochen.

Anschließend wieder schnell

Toyota hatte zunächst Protest gegen die Bestrafung angekündigt, diesen aber wegen zu geringer Erfolgsaussichten wieder zurückgezogen.

"Lewis ist ganz an den Rand gefahren und war extrem langsam unterwegs", sagte Trulli. Für ihn habe es so ausgesehen als hätte der Weltmeister ein technisches Problem.

In einem solchen Fall hätte Trulli durchaus wieder am Briten vorbeifahren dürfen, doch Hamilton gab anschließend wieder Gas.

Tschechischer Kommissar nicht aufzutreiben

Bei dem Blitz-Verhör in Kuala Lumpur waren allerdings nur zwei der drei FIA-Sportkommissare aus Melbourne anwesend.

Der Tscheche Radovan Novak war offenbar nicht mehr aufzufinden und wurde durch Surinder Thatti (Malaysia) ersetzt.

Die beiden anderen Stewards vom Saisonauftakt, Olafur Gudmundsson (Island) und Steve Chopping (Australien), wurden extra eingeflogen.

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