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Sebastian Vettels beste Rennplatzierung war 2007 Platz 4 in Schanghai © imago

Zwei Piloten dominieren das Qualifying zum Europa-GP (So. 14 Uhr LIVE ): Felipe Massa jagt die Pole, auch ein Deutscher brilliert.

Von Marc Ellerich

München - Sein großer Lehrmeister war persönlich in Valencia anwesend - und auf Felipe Massa wirkte es offenbar beflügelnd.

Unter den Augen seines früheren Kollegen Michael Schumacher führte der kleine Brasilianer vor, was ihn auch in dieser Saison besonders auszeichnet: der Mann aus Sao Paulo ist ein gefürchteter Spezialist für schnelle Runden.

Im Qualifying zum Großen Preis von Europa (So., 14 Uhr LIVE ) sicherte sich Massa die mittlerweile fünfte Pole Position in dieser Saison - die Nr. 14 seiner Karriere.

Kubica wird Dritter

1:38,989 Minuten - keiner umrundete den neuen Stadtkurs am Hafenbecken der drittgrößten spanischen Metropole so schnell wie der derzeit Drittplatzierte der WM-Wertung (54 Punkte).

Nicht der WM-Führende Lewis Hamilton, der seinen McLaren-Mercedes als Zweiter neben dem Ferrari abstellen durfte. Nicht Robert Kubica, der den BMW-Sauber nach seinem jüngsten Tief zurück ins Spitzen-Trio steuerte.

Sein Teamkollege, Weltmeister Kimi Räikkönen, schaffte es ebenfalls nicht, Massa zu überholen - der Zweite der WM-Wertung startet als Vierter aus der zweiten Startreihe.

Erstaunlicher Sechster

Und auch Sebastian Vettel kam nicht vorbei, obwohl er im Toro Rosso als erstaunlicher Sechster das beste Qualifikationsergebnis seiner Karriere einfuhr - ausgestattet mit einem Ferrari-Aggregat.

Massa, der Mann in der ersten Startreihe, blieb nach der Rundenhatz bescheiden ("Ich hatte eine gute Runde"). Vielleicht hatte ihn sein Motorschaden von vor drei Wochen vorsichtig gemacht.

Die Komplimente machten ihm andere.

"In Grund und Boden gefahren"

WM-Konkurrent Lewis Hamilton widmete dem Mann in Rot respektvolle Worte: "Im ersten Sektor hat Felipe uns alle in Grund und Boden gefahren. Er wird morgen schwer zu schlagen sein."

Und Ferrari-Berater Schumacher, selbst in seiner Karriere ein perfekter Zeitenjäger, gefiel Massas Vorstellung bei der spanischen Premiere offenbar besser, als die des "Iceman".

"Felipe hat es wie immer geschafft, eine saubere Runde hinzubekommen, absolut am Limit. Das war wieder Felipe-like", lobte er.

Weich oder hart?

Und natürlich war dem Weltmeister die vermutlich entscheidende Szene des Qualifikationsduells nicht entgangen.

Als Massa sich kurz vor dem Ende des dritten Durchgangs entschloss, auf weiche Reifen zu wechseln, spendete Schumi im Kommandostand spontan Applaus.

Später gab er kaum umwunden zu, dass er Massas Strategie im internen Duell der beiden Ferrari-Piloten für die bessere hielt: "Kimi war auf harten Reifen unterwegs, hat diese bevorzugt. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Vielleicht wären doch die weichen die besseren gewesen."

"Gigantisch!"

Ein dickes Lob kassierte auch der zweite Mann des Tages von der deutschen Formel-1-Legende.

"Gigantisch!", fand Schumacher Vettels Leistung: "Das ganze Wochenende schon macht er einen Superjob."

Und tatsächlich, der Youngster aus Heppenheim hätte um ein Haar sogar Massa die Show gestohlen.

Zweiter im ersten Durchgang (hinter Toyota-Pilot Jarno Trulli), drehte der Toro-Rosso-Pilot in der zweiten Runde so richtig auf: auf der Zeittafel leuchtete nach einer Viertelstunde seine Bestzeit auf.

Heidfeld hat Nerven

Und selbst als die Boliden dann mit der für den Renntag entscheidenden Benzinmenge auf den Parcours gingen, waren nicht viele schneller als Vettel, der wegen seines Talents vom Boulevard bereits "Baby-Schumi" genannt wird.

"Da hatte ich erst gedacht, jemand hätte den Monitor umgedreht", jubelte er in der Box. Unter ihm in der Ergebnisliste fand sich auch der spanische Doppel-Weltmeister Fernando Alonso wieder (Platz 12), sein Toro-Rosso-Kollege Sebastien Bourdais (10) und auch all seine Landsleute in der Formel 1.

Nick Heidfeld rettete sich im BMW immerhin auf den achten Platz, nachdem er im ersten Durchgang erneut fast ausgeschieden wäre. Nico Rosberg parkte den Williams unmittelbar dahinter.

Toyota-Pilot Timo Glock, vor drei Wochen in Budapest noch strahlender Zweiter, enttäuschte vergrippt als 13., und Adrian Sutil wurde Letzter.

Das ist ein gewohntes Bild, zu unterlegen ist der Force India, um in der Liga der Besten mitzuhalten.

"Speed ist beachtlich"

Vettel hingegen weiß, dass seine schnelle Runde nur eine Momentaufnahme bleiben wird.

Das Grinsen in seinem Gesicht werde zumindest über Nacht anhalten, sagte er den Reportern. "Aber ich bin Realist."

Die Zuversicht lässt er sich dennoch nicht nehmen: "Der Speed ist beachtlich", kündigte Vettel an: "Es gibt eine realistische Chance, in die Punke zu fahren."

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