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Schampus statt Regen: Timo Glock (l.) und Nick Heidfeld feiern auf dem Podium von Sepang © imago

Nick Heidfeld und Timo Glock ziehen das große Los im Regen-Chaos des Malaysia-GP. Und ein Landsmann hat in Sepang sehr viel Pech.

Von Marc Ellerich

München/Kuala Lumpur - Am Ende war auch Timo Glock besänftigt und jubelte über "eines der besten Rennen, die ich je hatte".

In einem turbulenten Malaysia-Grand-Prix hatte er seinen Toyota auf dem dritten Platz hinter seinem Landsmann Nick Heidfeld (BMW-Sauber) und dem Sieger Jenson Button im Brawn GP geparkt (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

Und als hoch oben auf dem Siegerpodest der Champagner strömte 89211(Bilder), war das Wetterchaos, welches ein reguläres Rennen über die gesamte Distanz verhindert hatte, fast schon wieder vergessen.

Abbruch in Runde 31

Nach 31 von 56 Runden war der zweite Grand Prix des Jahres im sintflutartigen Regen von Malaysia erst für 45 Minuten unterbrochen und schließlich in der einsetzenden Dämmerung nicht mehr fortgesetzt worden.

Die Regenflut hatte das Fahrerfeld so gründlich durcheinander gebracht, dass weder Glock noch Heidfeld auf dem Weg zur Siegerehrung wussten, wofür sie nun geehrt werden sollten.

Völlige Verwirrung

"Als ich aus dem Auto stieg, sagten alle zu mir, dass ich Zweiter bin. Als ich zum Podium ging, sagten sie mir, dass ich Dritter bin", schilderte Glock die völlige Verwirrung, die das kuriose Rennen bei ihm hinterlassen hatte.

Am Ende durfte er sich über seine zweite Podiumsplatzierung in der Formel 1 freuen, und der Ärger unmittelbar nach dem Regen-Abbruch war zu diesem Zeitpunkt längst verraucht.

Zunächst wäre der Toyota-Pilot nämlich lieber weitergefahren, um Button im Brawn GP den Sieg irgendwie noch abzuluchsen. Doch irgendwann muss Glock eingesehen haben, dass er zu den Gewinnern in der Wetter-Lotterie von Sepang zählte.

Von zehn auf zwei

So wie sein Landsmann Heidfeld, dem im malaysischen Weltuntergang ein schier unwirklicher Coup gelungen war.

Vom zehnten Startplatz aus war Heidfeld bis auf die zweite Position gerast. Anschließend schilderte der BMW-Sauber-Pilot, wie eng Sieg und Niederlage am Sonntag beieinander gelegen hatten.

"Wir trafen nicht die perfekte Reifenwahl", schilderte "Quick Nick" die heiße Phase, als alle Teams die Qual der Wahl hatten und zwischen Intermediates und Regenreifen wählen mussten.

"Ich war gerade 200 Meter von der Box entfernt und sagte 'Nein, nein, ich bleibe draußen, es beginnt stärker zu regnen", erzählte Heidfeld. Die Entscheidung gegen den Stopp erwies sich trotz falscher Reifen als goldrichtig.

Kreisel im Regen

Zwar drehte sich der Deutsche auf seinen abgefahrenen Pneus im Platzregen sogar einmal um die eigene Achse - doch er blieb auf der Strecke und behielt so seinen zweiten Platz, den er bei Abbruch in Runde 31 gerade inne hatte.

Ähnlich war es Glock ergangen, der nach einem starken Qualifying als Dritter ins Rennen gegangen war. Auch bei ihm zahlte sich eine eigenwillige Reifen-Wahl aus.

Als sich die Konkurrenz vor dem großen Regen geschlossen für Vollregen-Reifen entschlossen hatte, entschied sich Glock gegen den allgemeinen Trend. "Als ich die Wolken gesehen habe, habe ich mir gesagt, ich fahre auf den Intermediates weiter und lasse die anderen sich die Regenreifen kaputt fahren."

Volltreffer. Glock stürmte durchs halbe Feld nach vorne bis aufs Podium.

Verlierer Rosberg

Doch die Deutschen waren nicht nur die strahlenden Sieger des zweiten Saison-Rennens, unter ihnen fand sich auch der große Verlierer des Tages: Nico Rosberg.

Der Williams-Pilot, von der vierten Position aus ins Rennen gegangen, hatte den Grand Prix nach einem kuriosen Start im ersten Drittel sogar angeführt. Aber dann trafen er und sein Team die falschen Entscheidungen in der großen Wetter-Lotterie.

"Ich war immer irgendwie auf den falschen Reifen unterwegs", schilderte der Achtplatzierte später sein verkorkstes Rennen: "Sonst wäre ein Podium drin gewesen."

"Eine Schande"

Sebastian Vettel haderte nach einem verkorksten Renn-Wochenende ebenfalls mit dem Schicksal.

Nach seinem Crash mit Robert Kubica in Melbourne ohnehin um zehn Plätze nach hinten strafversetzt, kam er in Sepang nicht einmal ins Ziel. Kurz vor dem Abbruch war der Red-Bull-Pilot von der Strecke geschlittert.

"Das wäre nicht weiter schlimm gewesen", schimpfte Vettel anschließend: "Aber die Elektronik, die das Absterben des Motors verhindern soll, hat nicht funktioniert. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Schade."

Gewinner und Verlierer

So teilte der Regen das Feld in Gewinner und Verlierer. Und nicht einmal im Siegerteam Brawn GP waren sie nach dem Abbruch einer Meinung.

Während Melbourne-Sieger Button nach seinem "verrückten Rennen" über das ganze Gesicht strahlte, ärgerte sich sein Teamchef Ross Brawn über das vorzeitige Ende in Sepang.

"Ich hätte gerne einen Neustart gehabt", erklärte das Formel-1-"Superhirn", "denn so haben wir nur die halben Punkte".

Schließlich begeisterte auch er sich am Ende am "wahnsinnigen Sieg" seines Landmanns.

Und für die vielen Pechvögel des Chaos-Grand-Prix' von Kuala Lumpur fand Mercedes-Sportchef Norbert Haug die passenden Worte: "Es war ein Rennen wie eine Schlacht. Jeder, der heute sein Auto auf der Straße gehalten hat, ist ein Held."

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